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Seok-woo hat seiner Tochter Su-an versprochen, an ihrem Geburtstag ihre Mutter in der Küstenstadt Busan besuchen zu dürfen. Nur widerwillig besteigt er mit Su-an den pfeilschnellen KTX 406 und hofft, dass der Hochgeschwindigkeitszug ihn bis spätestens Mittag wieder zurück in die Hauptstadt bringt. Unglücklicherweise hat sich der Hauptbahnhof von Seoul über Nacht im Untergrund in eine Brutstätte blutdurstiger Zombies verwandelt und gerade als der Zug abfährt, bahnen sich die Untoten einen Weg nach oben. Unbemerkt schafft ein infiziertes Mädchen in letzter Sekunde den Aufsprung auf den Waggon und stellt damit die Weichen auf tödliches Chaos. Zuerst bemerken die Reisenden nichts von ihrem Pech, bis sich die Infektion blitzschnell ausbreitet und eine rasende Welle geifernder Zombies durch die Abteile jagt. Während die Insassen von KTX 406 verzweifelt um ihr Leben kämpfen, stellt sich schnell heraus aus welchem Holz die im Zug entstandene Schicksalsgemeinschaft geschnitzt ist. Im Angesicht des Todes zeigen die Passagiere ihr wahres Gesicht und Moral scheint für manche nur ein Hindernis, wenn es darum geht, die Endstation lebend zu erreichen. Wie weit muss Seok-woo gehen, um seine Tochter zu beschützen?

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Kritik

Das koreanische Kino ist für viele Genres bekannt, Zombies gehörten bisher aber eher nicht dazu. Das dürfte sich spätestens jetzt mit "Train to Busan" ändern, der momentan weltweit große mediale Aufmerksamkeit erfährt. Bereits in einer Sonderaufführung in Cannes 2016 gezeigt zu werden ist schon beachtlich, doch damit endet die Erfolgsgeschichte noch lange nicht. Der koreanische Kassenschlager hat es auch in weite Teile der Welt ins Kino geschafft (ein Deutschlandstart ist bereits geplant), die Rechte an einem US-Remake sind ebenso bereits verkauft. Da stellt sich natürlich schnell die Frage, was "Train to Busan" denn so besonders macht.

Die Story ist es zumindest nicht, denn diese ist genretypisch sehr minimalistisch gehalten und auch in keinster Weise neu. Irgendwo gab es einen Bio-Unfall, die Menschen wurden zu Zombies, die Protagonisten befinden sich während des Ausbruchs in einem Zug, in den es auch eine infizierte Person geschafft hat. Das Chaos nimmt schnell seinen Lauf. Ein bisschen Snowpiercer, ein bisschen Snakes on a Plane und ein wenig World War Z, fertig ist "Train to Busan". Wer sich für die Hintergründe interessiert muss übrigens auf einen anderen Film des Regisseurs zugreifen, Seoul Station (läuft parallel zu "Train to Busan" auf dem Fantasy Filmfest) spielt zeitlich kurz vor dem Film und ist als Animationsfilm quasi die Vorgeschichte zum Ganzen. Im Zug selbst bildet sich schnell eine Art Klassengesellschaft, aufgeteilt in zwei Gruppen. So sehen wir Leute, die skrupellos alles tun, um zu überleben und dabei in Kauf nehmen, dass andere, schwächere Menschen sterben, wenn es denn für sie selbst dienlich ist, aber auch Menschen, die sich für andere aufopfern. Nun kann man sicherlich hier und da ein wenig Gesellschafts- und Sozialkritik hineininterpretieren, doch so clever, als dass man es an dieser Stelle groß erwähnen müsste, ist "Train to Busan" eben doch nicht.

Am stärksten ist "Train to Busan" genau dann, wenn das Chaos ausbricht, aus technischer Sicht ist der Film recht gut gedreht und der Survival-Kampf gestaltet sich durchaus als spannend. Interessant: Die Zombies verlassen sich nicht auf ihren Geruchssinn, sondern sind aufi hre Augen und Ohren angewiesen. Damit gibt es auch ein paar kleinere Spielereien im Licht und Dunkeln (z.B. Wenn der Zug durch einen Tunnel fährt und die Zombies kurzzeitig nichts sehen können), oder auch durch anlockende Geräusche, die die Truppe gezielt einsetzen muss, um sich durch die Wagons zu schlagen. Die meiste Zeit über befinden wir uns auch nur innerhalb des Zuges, nur gelegentlich geht es aus diesem hinaus.

"Train to Busan" versucht sich auch auf dramaturgischer Ebene und räumt seinen Protagonisten zahlreiche emotionale Momente ein, die den Zuschauer berühren sollen. Seien es zwei alte Schwestern, die zusammen halten, ein mürrischer Ehemann, der für seine schwangere Frau über Leichen geht oder ein selbstgerechter Vater, der anfangs nur für sich und seine Tochter kämpft, von der Kleinen aber im Laufe der Zeit moralisch umgestimmt wird, auch anderen Menschen zu helfen. Im Grunde eine gute Intention, dem Zombie-Horror auch eine menschliche Note zu verpassen, jedoch scheitert der Film hin und wieder in seiner Ausführung. Denn zum einen drückt man ein wenig zu sehr und gewollt auf die Tränendrüse, was auf Dauer einfach too much ist um noch ernst genommen zu werden, außerdem bremsen solch Szenen den Film in seinem Tempo oftmals unschön aus und ziehen sich dann zu sehr in die Länge. Mit seinen rund 120 Minuten ist "Train to Busan" gefühlt definitiv zu lang geworden.

Fazit

Gehypter Zombiefilm, der definitiv seine Momente hat und Genrefans einigen Spaß bereiten dürfte, jedoch zu lang geraten ist und durch die oftmals zu gewollt dramatischen Einschübe an Tempo und kohärenten Fluss einbüßt. Als Genrefilm an sich ok, jedoch auch nicht mehr als das.

Autor: Sebastian Stumbek

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