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Inhalt

Am Vorabend der französischen Revolution wird das schöne Bauernmädchen Jeanne von einem tyrannischen Fürsten vergewaltigt. In ihrer Qual erscheint Jeanne der Teufel in Phallusform und verwandelt ihre Angst in sexuelle Hingabe, um sie in seinen Bann zu ziehen. Ihre neugewonnene diabolische Macht verschafft ihr Respekt unter den Dorfbewohnern. Aber jeder, der seine Seele an den Teufel verkauft, wird einmal den Preis dafür zahlen...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Der japanische Animationsfilm ist eines der vielseitigsten und aufregendsten Genres der Filmwelt. Doch wird er nach wie vor von Vielen auf seine Verrücktheit und die Sexualisierung der weiblichen Charaktere reduziert. Eine Reduktion, die der Vielseitigkeit des Genres nicht ansatzweise gerecht wird. Wer erst einmal Zugang gefunden hat, wird mit tollen, einfallsreichen und vor Allem außergewöhnlichen Geschichten belohnt, deren Innovationskraft kaum zu übertreffen ist. Möchte man weiter die Vielseitigkeit des Genres ergründen, wird man früher oder später unweigerlich auf Eiichi Yamamotos "Belladonna of Sadness" stoßen. Ein Film, der keinesfalls einsteigerfreundlich ist, alteingesessenen Animefans aber die Möglichkeit gibt, den Anime als formvollendete Kunst und nicht nur als Unterhaltungsmedium zu sehen und zu verstehen.  

Der lang verschollen geglaubte Film wurde von Mushi Productions produziert, einem Studio, dessen Gründung der Unzufriedenheit der Gründungsmitglieder mit großen Studios wie Toei zu verdanken war, deren Restriktionen oft im klaren Gegensatz zu den Ideen der kreativen Köpfe standen. Es war damals auch der letzte Film des Studios, das aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten 1973 seine Pforten vorerst schließen musste. Das wiederum ist aber nicht als Niederlage zu verstehen, sondern als Qualitätssiegel für Filme die gerade zur damaligen Zeit zu polarisieren wussten und selbstverständlich nicht bei jedem Zugang gefunden haben. Auch für das Berlinale-Publikum von 1973 war der Film zu fortgeschritten, so dass viele die Vorstellung vorzeitig verlassen haben. Aus heutiger Sicht ähnlich unverständlich wie die damalige Rezeption von Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey". Denn auch in Belladonna steckt viel mehr, als eine passive Betrachtung erfassen könnte und er gilt heute als Höhepunkt von Regisseur Yamamotos Bestreben, den Animationsfilm als Kunstform zu etablieren.

Doch widmen wir uns zuerst genau dieser passiven Betrachtung. Wenn man schon den ein oder anderen Animationsfilm gesehen hat, wird man bei "Belladonna of Sadness" schnell Besonderheiten feststellen. Denn so viel Animation steckt in diesem Animationsfilm nicht. In vielen Einstellungen fährt die Kamera über statische Bilder, in anderen bleiben die Bewegungen minimal und oft nur auf gewisse Aspekte im Bild beschränkt. Genau dieser experimentelle Stil ist es aber, der die Animationskunst an Belladonna auszeichnet. Jede Bewegung – und sei sie noch so klein – trägt viel mehr Bedeutung in sich, als in einem handelsüblichen Animationsfilm. Viel nuancierter, viel reduzierter wurde hier gearbeitet, um alles auf das Wesentliche zu konzentrieren. Durch diese zurückhaltende Technik der Animation entstehen eindrucksvolle hypnotische Bilder mit einer ungeheuren Sogwirkung die immer wieder im richtigen Moment durch kraftvolle psychedelische Einstellungen gebrochen werden.

Im Einklang damit steht auch der ungehemmte Inhalt des Films. Das Drehbuch von Yamamoto und Co-Autor Yoshiyuki Fukuda basiert auf dem französischen Roman "La Sociere" von Jules Michelet. Ähnlich wie bei Michelets Roman verpacken die beiden die Kritik an der Unterdrückung und Ausbeutung der Frau und der Bauernklasse im Allgemeinen in einer fiktionalen Geschichte über einen Packt mit dem Teufel. Dabei greift der Regisseur auf eine – dem japanischen Exploitation-Kino der 70er Jahre entsprechend - sehr grafische Darstellung von sexueller Gewalt zurück, welche perfekt mit den inhaltlichen Belangen des Films verschmilzt. Gekrönt wird das ganze durch eindringliche Pop-Balladen, esoterischen Jazz und elektrisierende Gitarrensolos, die die einmaligen Bilder begleiten. 

Zum Schluss stellt sich ob der Tatsache, dass "Belladonna of Sadness" bereits als DVD im Vertrieb von Rapid Eye Movies erschienen ist noch die Frage: Lohnt sich der Film auf der großen Leinwand? Die Antwort kann nur ein ganz klares und uneingeschränktes Ja sein. Die restaurierte Fassung lässt den Film in einem ganz neuen Glanz erstrahlen. Details und Feinheiten die einem bei der wesentlich schlechteren Qualität der DVD kaum auffallen, springen hier sofort ins Auge. Außerdem entfalten Filme wie "Belladonna of Sadness" erst auf der großen Leinwand ihre volle Kraft, daher sollte man sich bei Interesse am Genre diese einmalige Chance nicht entgehen lassen.

Fazit

"Belladonna of Sadness" ist einer der sperrigsten, gleichzeitig aber auch schönsten japanischen Animationsfilme. Wer bis dato keinen Zugang zum Genre gefunden hat, wird ihn erst recht nicht über Belladonna finden. Wer aber schon tief ins Meer der Animationsfilme eingetaucht ist, kann durch den mittlerweile gut 40 Jahre alten Film noch eine ganz neue Fassade entdecken - der Animationsfilm als formvollendete Kunst.

Autor: Tobias Bangemann

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