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Eine Fee verwandelt einen bösen Prinzen in ein “Biest”, und alle Schloßbewohner in diverse Haushaltsgegenstände. Erst wenn sich ein Mädchen in den verzauberten Prinzen verliebt, kann der Fluch gebrochen werden. Als sich dann eines Tages tatsächlich Belle in das Schloß verläuft, tut der Prinz alles andere als liebenswert auf sie zu wirken. Die anderen Schloßbewohner – also die Teekanne, die Uhr und der Kerzenleuchter, versuchen alles, um die beiden zu verkuppeln.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Wer könnte es jemals über sich bringen, ein Biest zu lieben?“

Wenn sich zu Beginn des Filmes die Hintergrundgeschichte des Biestes über die Aneinanderreihung verschiedener Buntglasscheiben entfaltet, wird dem Zuschauer bereits ersichtlich gemacht, dass Die Schöne und das Biest auch eine wissentliche Auseinandersetzung mit der Kunst des Erzählens an sich ist. Eine äußerst geschickte Exposition also, weil die beiden Regisseure, Gary Trousdale und Kirk Wise, nicht nur auf äußerst stimmungsvolle Art und Weise ein Gefühl für die tragische Charaktertiefe des verzauberten Prinzen einfangen, ohne Umschweife darf man eben auch die Metatextualität als Gegenstand der Narration begreifen: Ein Märchen also, welches sich seiner selbst geradezu bewusst geworden ist. Dieser selbstreflektorische Ansatz aber ist nur der Grundstein, um der inhaltlichen Progressivität, die dieser zweifach Oscar-prämierte Disney-Klassiker an den Tag legt, immerfort Flügel zu verleihen.

Wiederholt lässt sich der Kanon, wenn es um die Besprechung von Disney-Filmen geht, dahingehend festmachen, dass den Werken des Mickey-Mouse-Konzerns ein äußerst rückständiges Geschlechterbild angelastet wird: Die Frauen fristen ein Duckmäuserdasein und warten nur auf einen Prinzen in edler Rüstung, der sie aus dieser Stagnationshaltung befreit, um sie Zeit ihres Lebens vor der großen, weiten Welt zu beschützen. Sprich: In einen neuen Käfig sperrt. Dass diese Kritik gerechtfertigt ist, ist genauso belegbar, wie der ausgeprägte Antisemitismus, den Walt Disney schon frühzeitig in den Output seiner Produktionsgesellschaft kanalisierte. Mit Die Schöne und das Biest allerdings wendet sich dieses reaktionäre Blatt ein Stück weit: Hauptfigur Belle ist eine souveräne Frau, die einstecken muss, aber auch in der Lage ist, auszuteilen und auf ihrer ganz eigene Meinung zu beharren.

Und das bedeutet: Nur, weil der muskulöse Gaston um ihre Hand anhalten möchte, ist sie noch lange nicht gezwungen, diesem Antrag einzuwilligen, was natürlich die Abneigung der starrhälsigen Dorfgemeinschaft auf den Plan ruft: Weibliche Selbstbestimmtheit ist hier nicht gerne gesehen. Genauso wenig wie Frauen, die es sich erdreisten, ein Buch zu lesen. Bildung! Wo kommen wir denn da hin? Wie es der Verlauf des weitreichend bekannten Schicksals so vorsieht, betritt Belle bald schon das verwunschene Schloss des Biestes und bleibt dort, weil sie ihren Vater, einem Erfinder, der von der dörflichen Gemeinschaft ebenfalls abgelehnt wird, retten möchte. Neben der angsteinflößenden Erscheinung des Biestes, ein pelziges Monstrum mit auffällig ausgeprägten Fangzähnen, Hörner und enormen Klauen, warten im Inneren des prächtigen Bauwerkes auch ein Kerzenständer, eine Standuhr und eine Kaffeekanne auf ihre Entdeckung. 

Die Schöne und das Biest lässt sich wohl als die Broadway-Aufführung unter den Disney-Musicals beschreiben: Die Tanz- und Gesangseinlagen sind hinreißend ausschweifend, die ins Leben gerufenen (respektive verfluchte) Alltags- und Gebrauchsmaterialien befeuern eine vor Phantasie überschäumende Choreografie, in dessen Mitte die sich stetig verdichtende Verbundenheit zwischen Belle und dem Biest steht. Besonders überzeugend gestaltet sich aber nicht die tricktechnische, dem Volksmärchen stetig Tribut zollende Brillanz, mit der Die Schöne und das Biest seine bis ins kleinste Detail ausgeschmückten Sets gestaltet. Es ist die Hingabe zum Modernen, die den Film zu Recht zum Klassiker avancieren ließ: Ein aufgeklärtes Geschlechterbild, in dem auch Frauen den Mann zum Tanzen auffordern können, und eine deutlich formulierte Gesellschaftskritik, in dem das brüchige Wesen von statischen Normen und Regeln maßgeblich hinterfragt wird.

Fazit

"Die Schöne und das Biest" ist natürlich ein Appell dahingehend, andere Menschen nicht anhand ihrer Oberfläche zu bewerten, sondern den Versuch zu wagen, sich ihrer inneren Werte anzunehmen. Im Oscar-prämierten Disney-Klassiker steht diese ehrenwerte Botschaft allerdings nicht isoliert, denn hier geht es ebenso um Gesellschaftskritik und die relevante Korrektur eines rückständigen Frauenbildes. Darüber hinaus sind die Bilder zum Schwelgen, die Musik zum Träumen und das Märchen an sich immer noch eines, in dessen Vielfältigkeit man sich nur zu gerne verliert.

Autor: Pascal Reis

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