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Inhalt

All Cops Are Bastards. Eine Aussage, die die Gesellschaft spaltet. Für viele ist es auf Shirts gedruckt, in Songs gesungen und in Stiernacken tätowiert eine abgekürzte Botschaft gegen staatliche Unterdrückung, für ebenso viele ein plumper Slogan für Mode-Antis und zur Schau getragene Desorientierung, welche nicht selten genug Gewaltbereitschaft einhergeht.  Die Protagonisten im gleichnamigen italienischen Drama können dieser Parole nur mit Zynismus und Loyalität begegnen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn mehrere Dutzend Tifosi voller Wut auf sie zustürmen?

Kritik

In einer lose zusammengeführten Storyline konzentriert sich Regisseur Stefano Sollima auf eine kleine Gruppe von hartgesottenen Bereitschaftspolizisten. Der spartanischen Brüderlichkeit während der zahlreichen Ausschreitungen vor dem Fußballstadion stellt er dramatische Einzelschicksale im Privatleben der Staffel gegenüber. Während sich der strenge Vater Mazinga (Marco Giallini) wöchentlich aggressiven Neonazis stellen muss, driftet sein eigener Sohn kontinuierlich in eben jene radikale Szene ab. Unterdessen stellt Kollege Negro (Filippo Nigro) fest, dass seine Scheidung und der dazugehörigen Sorgerechtsstreit ihn zunehmend zum abgestumpften Gewalttäter werden lässt. Neu in der Gruppe ist Adriano (Domenico Diele), ein junger Polizist, der ebenfalls droht, sich zwischen seinen Idealen und der bedingungslosen Verschworenheit der Eingreiftruppe zu verlieren.

A.C.A.B.“ outet sich nicht als parteiischer Film für oder gegen die mit aller Härte vorgehende Polizeieinheit, sondern konzentriert sich bewusst auf feinfühlige Charakterstudien. Scheinen die Protagonisten im Einsatz nahezu obsessiv, offenbaren ruhige Szenen sowie großartig verknappte Dialoge ihre wahren Ängste und Schwächen. Gefangen zwischen akuten sozialen Problemen Italiens wie Ausländerhass, verpatztem demografischem Wandel und steigender Armut, steigert sich der Frust sowie die Gewaltbereitschaft der Figuren mit zunehmender Laufzeit. Sollima bleibt mit der Kamera stets dicht an der Gruppe, lässt den Zuschauer somit vorsichtig auf dem schmalen Grat zwischen Recht und Unrecht wandeln, auf dem sich der bärbeißige Cobra (Pierefrancesco Favino) und seine Kameraden seit Jahren fortbewegen.

Dass man als Betrachter dennoch Sympathien für die teils verblendet agierenden Cops empfindet, ist einer beachtlichen Leistung der Darsteller sowie der geduldigen Inszenierung geschuldet. Männer für die aufhören gleich aufgeben bedeutet sind -  Hollywoods Actionarien ausgenommen – keine guten Identifikationsfiguren. Umso erstaunlicher, dass „A.C.A.B.“ mit seinem kleinen Figurenkreis einen tauglichen Abdruck struktureller Probleme Mitteleuropas liefert und gleichsam Fragen nach gerechter Machtverteilung in einem demokratischen Staat in den Raum stellt. Wenn die Kollegen, aus denen längst Freunde bzw. Brüder geworden sind, einen blutigen Rachefeldzug gegen eine handvoll Hooligans fährt, stellt der Film seine eigenen Charaktere noch einmal in Frage – egal welche seelischen Lasten sie mit sich herumtragen.

Düstere Bilder, Close Ups in adrenalingeladenen Situationen und geschickter Einsatz von Songs der  „White Stripes“ („Seven Nation Army“, dem Muttersong der italienischen Hools) oder der „Pixies“ („Where Is My Mind?“) sorgen an vielen Stellen für eine ergreifende Atmosphäre, die glücklicherweise auch einige mit Pathos angereicherte Situationen sowie ungeschickt zusammengeführte Handlungsstränge überschminkt.

Fazit

75

„A.C.A.B. - All Cops Are Bastards“ ist weder Statement noch Actionfilm. Basierend auf den niedergeschriebenen Erzählungen eines ehemaligen Bereitschaftspolizisten und mit Verweisen auf reale Ereignisse wie den G8-Gipfel in Genua, entpuppt sich Stefano Sollimas Film als schwer verdauliches Drama zwischen Staatsgewalt und radikaler Subkultur.

Autor: d kr Userwertung: 6.6 von 10 basierend auf 3.722 Wertungen.

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