Von Stu am Dienstag, 07 Juli 2026, 17:00 Uhr
Bildnachweis: © Event Film / Quiver Distribution | Szene aus "Citizen Vigilante"
Kaum ein anderer Film sorgt derzeit für so viele Schlagzeilen wie Citizen Vigilante. Der neue Actionthriller von Uwe Boll steht seit Wochen wegen seiner Gewaltdarstellungen und vor allem wegen seiner politischen Botschaft in der Kritik. Hinzu kam ein ungewöhnlicher Streit mit der FSK, den Boll medial perfekt für seine Zwecke ausschlachten konnte:
"Citizen Vigilante" hat FSK-Freigabe - zumindest für eine Kinoauswertung
Nachdem der Film in zwei Prüfverfahren noch keine Freigabe erhalten hatte, bekam er nun im dritten Anlauf doch grünes Licht für eine Kinoauswertung und darf mit einer Freigabe ab 18 Jahren in deutschen Kinos gezeigt werden. Ob dafür Änderungen oder Kürzungen vorgenommen werden mussten, ist bislang allerdings nicht bekannt. Ein Termin für einen möglichen Kino-Release scheint es bislang nicht zu geben. Zeitgleich verweigerte die FSK dem Titel aber eine Freigabe für die Heimkinoauswertung. Hier die Begründung der FSK:
Der Appellationsausschuss konnte eine einfache Jugendgefährdung für den Film „Citizen Vigilante“ für die Veröffentlichung im Bereich Home Entertainment nicht ausschließen, da der Film Gewaltsequenzen eindrücklich bebildert und vertont und Selbstjustiz als probates Mittel gegen kriminelle Gewalt inszeniert. Eine Desensibilisierung und Desorientierung Jugendlicher konnte daher nicht ausgeschlossen werden. Die Entscheidungen des Appellationsausschusses haben abschließende Geltung.
Eigentlich wollten wir von Moviebreak auch gar nicht mehr Spotlight auf den Film richten (siehe Artikel unten), aber nun ergab sich eine interessante Neuigkeit!
Armie Hammer: "Das ist nicht der Film, den ich gedreht habe!"
Für Gesprächsstoff sorgt allerdings nicht nur der Film, sondern auch dessen Hauptdarsteller. Citizen Vigilante ist Armie Hammers erste größere Filmrolle seit seinem spektakulären Karriereabsturz im Jahr 2021. Nachdem mehrere Frauen dem Schauspieler sexuellen Missbrauch und psychische Manipulation vorgeworfen hatten und private Nachrichten mit Kannibalismusfantasien öffentlich geworden waren, galt Hammer in Hollywood praktisch als gecancelt. Strafrechtlich wurde er zwar nie verurteilt, dennoch brach seine Karriere nahezu vollständig zusammen. Zu seinen erfolgreichsten Zeiten hätte Hammer vermutlich kaum mit Boll zusammengearbeitet. Nach Jahren ohne größere Rollen bot sich mit Citizen Vigilante jedoch erstmals wieder die Chance auf ein Leinwand-Comeback. Ausgerechnet dieses Projekt soll ihn nun selbst schockiert haben.
Wie Branchenjournalist Matt Belloni in seinem Puck-Newsletter (via World of Reel) berichtet, schilderte eine Person aus Hammers Umfeld, der Schauspieler sei nach der ersten vollständigen Sichtung des Films regelrecht erschüttert gewesen. Demnach habe er einen Vertrauten angerufen und das Werk als "hasserfüllt" und "abstoßend" bezeichnet. Außerdem soll Hammer gesagt haben, dies sei nicht der Film, von dem er während der Dreharbeiten ausgegangen sei.
Dass es überhaupt zu dieser Überraschung gekommen sein soll, könnte mit Bolls Arbeitsweise zusammenhängen. Der Regisseur verzichtet seit Jahren häufig auf klassische, vollständige Drehbücher und arbeitet stattdessen mit vergleichsweise kurzen Story-Behandlungen sowie spontanen Änderungen während der Produktion. Hammer bestätigte diesen ungewöhnlichen Ablauf bereits selbst in einem Interview mit The Hollywood Reporter. Nach eigenen Angaben erhielt er lediglich ein rund 50 Seiten langes Skript. Als er nach den fehlenden Seiten gefragt habe, habe Boll sinngemäß geantwortet, man solle einfach mit den Dreharbeiten beginnen und den Rest unterwegs entwickeln.
Armie Hammer hätte sogar Werbung für Katzenfutter gedreht
Im selben Interview sprach Hammer auch offen darüber, wie verzweifelt er nach seinem Karriereeinbruch auf neue Rollen gehofft habe. Er sagte, damals hätte er sogar Werbung für Katzenfutter gedreht, wenn sich dadurch die Chance auf eine Rückkehr ins Filmgeschäft ergeben hätte. Laut der von Belloni zitierten Quelle habe Hammer zwar gewusst, dass Citizen Vigilante politisch eher konservative Positionen vertrete. Wegen der improvisierten Produktionsweise sei ihm das endgültige Gesamtbild jedoch erst nach Fertigstellung bewusst geworden. Erst bei der Sichtung des fertigen Films habe er realisiert, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt habe.
Dem Bericht zufolge erhielt Hammer für seine Hauptrolle rund 250.000 US-Dollar. Trotz seiner angeblichen Enttäuschung soll eine Rückkehr für die bereits angekündigte Fortsetzung nicht ausgeschlossen sein – vorausgesetzt, das finanzielle Angebot fällt entsprechend attraktiv aus.