Erwähnungen
MB-Meinung: Warner zwischen Netflix und Paramount – ein Gewinner, zu viele Verlierer
Von Stu am Samstag, 28 Februar 2026, 15:00 Uhr
- 3
- 0
Die Nachricht, dass sich Warner Bros. Discovery zum Verkauf stellt, wirkt wie ein weiteres Kapitel in einer Branche, die seit Jahren im Dauerumbau steckt. Dass Netflix aus dem Übernahmepoker ausgestiegen ist und nun vor allem Paramount Global als Interessent übrig bleibt, beruhigt manche – und beunruhigt andere. Denn die Frage lautet nicht: „Wer gewinnt?“ Sondern: Was bedeutet das für das Kino, für Kreative, für das kulturelle Klima?
Es ist verlockend, die Sache wie ein Fußballspiel zu betrachten. Team Netflix gegen Team Paramount. Streaming gegen klassisches Studio. Doch so einfach ist es nicht. Beide Seiten stehen für Machtkonzentration. Beide verfolgen wirtschaftliche Interessen, nicht kulturelle Ideale. Und beide könnten am Ende Strukturen schaffen, in denen Vielfalt und Risiko kaum noch Platz haben.
Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn auch wenn beide Optionen problematisch sind, unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung – besonders für das Kino.
Warum Netflix für Warner ein schlechtes Signal gewesen wäre
Hätte Netflix Warner übernommen, wäre das ein deutliches Zeichen gewesen: Das Kino verliert weiter an Bedeutung. Netflix steht für eine Strategie, die Filme in erster Linie als Inhalte für die eigene Plattform begreift. Kinostarts spielen dort oft nur eine Nebenrolle. Das Studio wäre stärker in ein System eingebunden worden, in dem Abonnent*innen-Zahlen wichtiger sind als Leinwanderlebnisse.
Warner hingegen ist ein traditionsreiches Filmstudio. Es steht für große Kinomarken, für Blockbuster, aber auch für Regisseur*innen-Kino. Man denke nur an das DC-Universum oder an Prestigeprojekte, die regelmäßig Oscars anvisieren. Unter dem Dach von Netflix wäre die Versuchung groß gewesen, Produktionen noch stärker auf Streaminglogik zuzuschneiden: kürzere Auswertungsfenster, weniger Risiko, mehr Algorithmus.
Für das Kino wäre das ein Rückschritt gewesen. Die Leinwand braucht Studios, die an sie glauben. Netflix glaubt vor allem an den Bildschirm im Wohnzimmer. Das ist legitim – aber es verschiebt den Schwerpunkt der Branche weiter weg vom Kinosaal.
Paramount: Besser fürs Kino – aber zu welchem Preis?
Auf den ersten Blick wirkt Paramount Pictures wie die bessere Wahl. Das Studio steht weiterhin klar zum Kino. Große Reihen wie Mission: Impossible, Top Gun oder aktuell Scream 7 wurden als Ereignisse fürs Publikum inszeniert, nicht als bloße Streamingware. Paramount weiß, dass Blockbuster im Kino entstehen und dort ihren kulturellen Abdruck hinterlassen.
Doch die aktuelle Lage ist komplizierter. Paramount befindet sich selbst im Umbruch. Die Einflussnahme der Familie Ellison – insbesondere von David Ellison – spielt eine zentrale Rolle. Hinzu kommen politische Verflechtungen, die in den USA immer stärker in Medienkonzerne hineinwirken. Wenn Namen wie FIFA-Friedenspreisträger Donald Trump im Umfeld strategischer Entscheidungen auftauchen, schrillen bei vielen die Alarmglocken.
Es geht dabei nicht um Parteipolitik im engeren Sinne. Es geht um die Frage, wie unabhängig große Studios künftig noch agieren können. Wenn wirtschaftliche und politische Interessen enger zusammenrücken, leidet oft zuerst die kreative Freiheit. Ein Konzern, der Rücksicht auf politische Netzwerke nehmen muss, trifft andere Entscheidungen als ein unabhängiges Studio.
Warum Warner überhaupt zum Verkauf steht
Dass Warner sich in dieser Lage befindet, kommt nicht aus dem Nichts. Die Fusion zu Warner Bros. Discovery brachte enorme Schulden mit sich. Sparprogramme, gestrichene Projekte und abgeschriebene Filme sorgten in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen. Das Unternehmen wirkt angeschlagen. Der Druck, wirtschaftlich zu liefern, ist hoch.
In einer Branche, die sich zwischen Streamingkrieg und schrumpfendem Kabelgeschäft neu sortiert, sind Größe und Kapital entscheidend. Wer nicht mithalten kann, wird geschluckt. Warner ist zu groß, um zu verschwinden – aber offenbar nicht stabil genug, um allein zu bleiben. Das macht den Konzern zu einem attraktiven Ziel.
Gleichzeitig ist Warner kulturell zu bedeutend, um gleichgültig betrachtet zu werden. Das Studio besitzt eine Filmgeschichte, die weit über einzelne Marken hinausgeht. Wer Warner übernimmt, übernimmt auch Verantwortung für dieses Erbe.
Keine Helden in diesem Spiel
Es klingt kulturpessimistisch, wenn man sagt: Dunkle Zeiten könnten bevorstehen. Doch ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass diese Sorge nicht aus der Luft gegriffen ist. Immer weniger Konzerne kontrollieren immer mehr Inhalte. Entscheidungen werden zentralisiert. Risiken werden minimiert. Kreative Freiheit wird zur Verhandlungsmasse.
Die Wahl zwischen Netflix und Paramount ist daher keine Frage von Sympathie. Es gibt hier keine Held*innen. Netflix hätte Warner wohl stärker in ein geschlossenes Streaming-Ökosystem überführt. Paramount hingegen steht zwar näher am Kino, bringt aber politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten mit, die ebenfalls problematisch sind.
Man muss sich also nicht entscheiden, „auf welcher Seite“ man steht. Vielmehr sollte man anerkennen, dass beide Optionen schwierig sind. Die eigentliche Frage lautet: Welche Entwicklung ist gefährlicher? Ein Markt, der vollständig von Streamingplattformen dominiert wird? Oder ein System, in dem traditionelle Studios unter politischem Einfluss stehen?
Zwischen Hoffnung und Realismus
Vielleicht ist es übertrieben, gleich vom Untergang der Filmkultur zu sprechen. Kino hat schon viele Krisen überstanden: das Fernsehen, das Videozeitalter, die Digitalisierung. Doch die aktuelle Phase ist besonders, weil sie nicht nur technische Veränderungen bringt, sondern Macht in wenigen Händen bündelt.
Paramount mag im Vergleich zu Netflix das kleinere Übel sein, wenn es um das Kino geht. Doch auch hier wäre Vorsicht angebracht. Ein Zusammenschluss zweier großer Studios würde die Landschaft weiter verengen. Weniger Konkurrenz bedeutet weniger Vielfalt.
Am Ende bleibt ein ungutes Gefühl, weil beide Wege in eine Richtung führen, in der wirtschaftliche Interessen über kulturellen Wert gestellt werden. Das mag nüchtern betrachtet logisch sein. Für das Kino jedoch ist es eine bedrohliche Entwicklung.
Vielleicht ist das kein Alarmismus, sondern Realismus. Wer die Branche liebt, sollte genau hinschauen. Denn die Entscheidung über Warner ist mehr als ein Geschäft. Sie ist ein Signal dafür, wie viel Raum Film künftig noch als Kunstform haben wird. Mehr zum Übernahmepoke zwischen Paramount und Netflix gibt es hier:
Wird geladen...

