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4x1 – Episode #4.1

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Inhalt

Rokuro Okajima soll als Angestellter eines gigantischen, japanischen Konzerns eine CD nach Borneo transportieren, die bis zum Bersten gefüllt ist mit Top-Secret-Plänen für Atomwaffen, als er im Südchinesischen Meer von einer Gruppe Piraten überfallen wird. Das Verbrecher-Trio besteht aus dem fahnenflüchtigen Vietnam-Veteranen Dutch, der schießwütigen Revy aus Chinatown, Manhattan, und dem jüdischen College-Dropout aus Florida/Techniker Benny, die gemeinsam die „Lagoon Company“ bilden und diverse „Aufträge“ von jedem annehmen, solange das Geld stimmt. Die „Lagoon Company“ hat es zwar nur auf die CD abgesehen, doch entführen sie auch Rokuro, um vielleicht noch etwas Lösegeld nebenher rausschlagen zu können. Für Rokuros Arbeitgeber ist es einfacher, ihn für tot zu erklären und die CD sich gewaltsam zurück zu holen, wozu sie Söldner anheuern, die der „Lagoon Company“ den Garaus machen sollen. Rokuro, der sich mittlerweile mit seinen Entführern angefreundet hat, weiß mit einer rettenden Idee im Kampf gegen die Söldner zu beeindrucken. Er heuert als vierter „Mitarbeiter“ bei der „Lagoon Company“ an.

Kritik

„When I was a brat, crawling around in that shithole of a city, it seemed God and Love were always sold out when I went looking. Before I knew better, I clung to God and prayed to him every single night. Yeah, I believed in God right up until that night the cops beat the hell out of me for no reason at all. All they saw when they looked at me was another little ghetto rat. With no power and no God, what's left for a poor little Chinese bitch to rely on? It's money, of course, and guns. With these two things, the world's a great place.“

Ganz nach dem Muster von „Cowboy Bebop“ wird auch „Black Lagoon“ häppchenweise in Story-Arcs aufgeteilt. Wo es bei genanntem Vorbild jedoch in jeder Episode eine neue Geschichte zu erleben gilt, nimmt bei „Black Lagoon“ ein Handlungsstrang immer drei Episoden in Anspruch. Dass die Over-The-Top-Action-Und-Gore-Orgie hierbei nicht an die Komplexität und die geschickte Charaktertablierung des allseits vergötterten Space-Westerns heranreicht, ist keine Schande, da die Prioritäten von „Black Lagoon“ schlicht und einfach nicht die selben sind, als die von „Cowboy Bebop“. Während „Cowboy Bebop“ es schafft zu unterhalten, zum Nachdenken anzuregen und den Anime-Liebhaber fast schon leichtfüßig dazu bringt, all seine Charaktere ins Herz zu schließen, hat „Black Lagoon“ nur eine Mission: Unterhalten und dabei so cool sein, wie nur möglich, was problem- und reibungslos gelingt.

Die Coolness ist schon im Opening quasi greifbar, wenn die japanische Sängerin Mell ihren Song „Red Fraction“ zum farbenfrohen Intro beisteuert. Der rasante und hektische, rockige J-Pop des Openings repräsentiert den kommenden Stil von „Black Lagoon“ einwandfrei. Dass die Lyrics auch noch in gebrochenem „Engrish“ (Englisch mit starkem japanischen Akzent) gesungen werden, verleihen dem Intro eine Attitüde, die vor Gleichgültigkeit und cooler Lethargie nur so strotzt. Auch der Anime an sich kommt mit solch einer selbstsicheren Kaltblütigkeit und hemmungslosen Ungeniertheit daher, dass man kaum anders kann, als die oberstylischen Actionszenen, die einfach nur coolen Charaktere und ihr „farbenfrohes“ Vokabular zu feiern. Dass „Black Lagoon“ sich keinen feuchten Kehricht um „Political Correctness“ schert, erkennt man nicht nur an den Leichenbergen, die sich Folge für Folge aufschichten, sondern auch an der Sprache aller Figuren; jeder von ihnen „fucked up“ bis zum geht nicht mehr und eher sympathische Anti-Helden. Die F-Bombe fällt hier in fast jedem Satz, fast 260 Mal in allen möglichen kreativen Variationen, vor allem wenn die schießwütige und psychisch-aggressive Revy ihren Mund aufmacht. Was manche als ungeschickte und forcierte Maßnahme ansehen, den Anime künstlich „cooler“ wirken zu lassen, unterstreicht die verdorbene Sprache eher das verkommene Setting von „Black Lagoon“; das Mekka aller Verbrecher in Südostasien: Roanapur.

Roanapur ist eine fiktive Küstenstadt in Thailand, das während und nach dem Vietnam-Krieg von Deserteuren, Kriegsverbrechern, Banditen, Piraten, Gangster und der Mafia überschwemmt wurde … sie alle kämpfen in Roanapur um Einfluss. Während Schmalspurganoven und Möchtegern-Gangster einen auf dicke Hose machen und eher das Leben einer Eintagsfliege leben, sind es zwei Mächte, die im Hintergrund die Fäden ziehen und sich die Kontrolle über die Stadt teilen. Einerseits ist es die russische Mafia „Hotel Moscow“, zu der die „Lagoon Company“ besonders gute Beziehungen pflegt. Geleitet wird „Hotel Moscow“ von der eiskalten Balalaika, die ihre alte Einheit, bestehend aus Ex-Paratroopern, anführt, die für die Sowjetunion in den 80ern in Afghanistan kämpfte. Auf der anderen Seite sind es die Triaden, die angeführt werden von Mr. Chang. Dazwischen mischen sich noch die italienische Mafia, das kolumbianische Kartell, Auftragskiller, Piraten & Co unters Volk und bilden so eine kunterbunte Palette an Nebenfiguren, die man alle einem spezifischen Filmcharakter des Hong Kong-Actionkinos, des Sci-Fi-Genres, eines Tarantino-oder Coen-Films, Spaghetti Western oder sonst einer Ecke der Popkultur zuordnen kann. Mr. Chang ist mit seinen kurzen Haaren, seinen dual-wield Pistolen, seinem Gun-Fu-Kampfstil in Schussgefechten und seiner Vergangenheit als Cop in Hong Kong eindeutig eine Hommage an Chow Yun-Fats Figuren aus diversen John Woo-Filmen, wie „Hard Boiled“ oder „A Better Tomorrow“. „Dragon Lady“ Shenhua, eine taiwanesische Profi-Killerin, die nur mit Klingen kämpft, ist eine etwas sexualisierte Version von Michelle Yeoh aus „Tiger & Dragon“. Dutch ist jeder große, muskulöse Schwarze in allen Filmen, Benny der schwächliche Techniker. Roberta ist im Grunde Robert Patricks Namensvetter und das Äquivalent zur Aus-Der-Zukunft-Killermaschine aus „Terminator 2“ im Hausmädchen-Kostüm mit einer M249 SAW im Reisekoffer und einer SPAS-12-Schrotflinte in ihrem Regenschirm, die auch hier Jagd auf einen kleinen Jungen macht. Auch zwei inzestuöse Vampir-Zwillinge im Kindesalter haben einen Auftritt, die mordend durch Roanapur wüten und es die gesamte Manpower von „Hotel Moscow“ verlangt, sie aufzuhalten, wodurch ihre Vergangenheit aufgedeckt wird, die schrecklicher und widerlicher ist, als man es sich hätte erträumen können. Dazu ein irischer Fluchtwagen-Fahrer mit Marihuana-Sucht, der glaubt er sei in "Star Trek", rede mit Jean-Luc Picard und kämpfe gegen die Klingonen; eine Kirche, deren Nonnen das Monopol im Waffenhandel in Roanapur besitzen; eine bestens ausgerüstete, amerikanische Spezialeinheit; ein Cowboy; Neo-Nazis; ein Samurai, der Kugeln in der Luft zerteilen kann … und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Cast an Nebencharakteren zollt der westlichen Popkultur auf so übertriebenem Level Tribut, dass man als Filmfan nichts weiter tun kann, als grinsend da zu hocken.

Die Hommage endet nicht bei den Figuren, sondern springt direkt auf die Inszenierung weiter:  Mexican Standoffs hier, Verfolgungsjagden da, John Woo-Gun Fu, oberstylisches Bullet Ballet und fantastisch choreographierte Shootouts, dass die Action hauptsächlich dafür verantwortlich ist, wieso es wert ist, dass man sich „Black Lagoon“ anschaut. Schrotflinten, Flammenwerfer, Raketenwerfer, Sturmgewehre, Granaten, Granatwerfer, Uzis, Schwerter und Pistolen. Pistolen so weit das Auge reicht. Mit seiner unfassbaren Liebe zum Detail ist „Black Lagoon“ ein einziger Waffen-Porno, in dem jeder Enthusiast in jeder Szene, in der ein Todeswerkzeug zu sehen – und zu hören – ist, erkennen wird, um welche Marke und welches Modell es sich bei der Waffe handelt. Der Ästhetik und der Animation der Waffen wird solch ein enormer Wert zugemessen, sodass diese flüssig und real wirken, was die dreckige Atmosphäre eines thailändischen Sin Citys massiv unterstreicht und in Realismus ertränkt. Die gymnastisch beeindruckenden Schussgefechte mit ihrer Max-Payne-Bullettime-Inszenierung bieten einen leicht-angenehmen Kontrast. Sie driften nie wirklich ins Reich der japanischen Fantasie ab, sondern balancieren meisterlich auf dem Grad zwischen Realismus und übertriebenem Bombast.

Trotz all der Action im Vordergrund sind die Charaktere weit mehr, als leblose Abziehbilder und offenbaren in ihren toll geschriebenen Dialogen viel Tiefe, manche Figuren mal mehr, andere mal weniger. Dass der Außenseiter Rock hier den Protagonisten mimt, ist hilfreich und bietet dem nicht-kriminellen Zuschauer eine Brücke in die Welt der Verruchten und Gesetzlosen, auch wenn er anfangs mit seiner Weichei-Einstellung neben den coolen „Fuck Yeah“-Verbrechern miesepetrig sein und etwas nerven kann. Generell ist es interessant mitanzusehen, wie der weichliche Rock sich in der kriminellen Unterwelt durchzusetzen versucht. Als normalster Charakter, der noch ein anständiges Maß an Moral und Mitgefühl in die Geschichte einbringt, versucht er oftmals eine diplomatische Lösung zu finden und appelliert vor allem an Revys scheinbar nicht-existentes Mitgefühl, was der „Lagoon Company“ wohl längerfristig das Leben gerettet hat. Denn obwohl die „Lagoon Company“ extrem gut in ihrem Job sind, wäre dem Piraten-Trio aufgrund ihrer gewalttätigen „Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand“-Methode Probleme zu lösen, früher oder später das Glück ausgegangen. Rock, der zuvor ein Büro-Angestellter war, primär mit dem Job seinen Vorgesetzten in den Arsch zu kriechen, wird zum Buchhalter und Unterhändler der „Lagoon Company“, wodurch viele Konflikte mit Worten, als mit Kugeln gelöst werden. Dennoch scheitert er immer in seinem Vorhaben das Leben anderer zu retten. In einer Stadt, in der auf einzelne Leben gepfiffen wird, solange es dem Geschäft dienlich ist, verliert Rock immer. Erst in den letzten fünf Folgen, die als OVA erschienen waren, schafft er es, ein unschuldiges Leben den Klauen von Roanapur zu entreißen, doch forciert ihn dies zu einer Entwicklung und verkommt selbst zu einem kriminellen Mastermind und Puppenspieler, was eine Interesse weitergehende Charakterentwicklung in einem potenziellen Sequel andeutet.

Rock bildet die meiste Zeit ein Duo mit der aggressiv-brutalen Revy. Ganz offenbar verkommen bis ins Mark, sind es die interessanten Charakterentwicklungen, die Revy in Gegenwart von Rock und Rock in Revys Nähe durchmachen. Überraschenderweise schafft es „Black Lagoon“ tatsächlich mehr Qualitäten vorzuweisen, als nur die erwartete fantastisch-hirnlose Action und den Fan-Service, wann immer Revy in ihren provokanten Hotpants den Bildschirm ziert. Der Anime widmet erfreulich viele Szenen der Charakterentwicklung von Rock und Revy, wobei Dutch und Benny in der ersten Staffel oft – und in der zweiten Staffel „The Second Barrage“ gänzlich – außen vor gelassen werden, was verschmerzbar ist. Dutch und Benny sind zwar cool, wirklich Tiefgang bieten sie jedoch nicht. Zwischen Rock und Revy bahnt sich trotz – oder aufgrund – ihren extremen Unterschieden eine latente Semi-Romanze an, obwohl diese bis zum Ende nie zu sehen ist. Während viele Animes eine Liebesbeziehung in wenigen Augenblicken von null auf hundert schalten, entwickelt sich die Beziehung zwischen Rock und Revy sehr viel natürlicher über fast alle 30 Episoden hinweg, sodass in späteren Episoden Revy fast schon sich selbst in Gefahr bringt, um Rock zu retten, während sie anfangs ihm noch bei jeder kleinsten Provokation ihre modifizierte Beretta 92FS-Pistole an den Kopf hielt. Vor allem die berühmte Szene, in der Rock Revy mit ihren psychischen Problemen konfrontiert und die im sogenannten „Cigarette Kiss“ endet, ist wundervoll geschrieben und bietet einen der besten Momente der gesamten Serie. Weitere Charaktere mit enormem Tiefgang sind die eiskalte und berechnende Balalaika, die nach der Niederlage in Afghanistan und dem Fall der Sowjetunion mit ihrer Einheit die russische Mafia in Roanapur bildete. Ebenso der unbeschwert wirkende Mr. Chang, der Anführer der Triaden, der alles daran setzt die Aufmerksamkeit der Weltmedien von Roanapur fernzuhalten und eine friedliche Zusammenarbeit mit den anderen Syndikaten der Stadt anstrebt. Genau wie Balalaika ist auch Mr. Chang zynisch, pragmatisch und ein höchst professioneller Geschäftsmann, der wenn er doch mal in einem Feuergefecht kämpfen muss mit seinen zwei AMT Hardballer-Pistolen in den Händen kaum aufzuhalten ist. Auch wird angedeutet, dass Mr. Chang einst Revys Mentor war, welcher ihr beibrachte zu schießen. Sie beide teilen sich den selben „Dual-Wield“-Kampfstil, dazu ist Revys extremer Respekt ihm gegenüber mehr als offensichtlich. Offen gibt sie zu noch nicht auf seinem Level zu sein und spricht ihn als einzige Person mit „Sir“ an. Bestätigt wird dies jedoch nie. Das Hausmädchen aus Südamerika, Roberta, und der Samurai und Mitglied der Yakuza, Ginji, sind weitere Charaktere, die herausstechen. Von den inzestuösen Vampir-Zwillingen aus Rumänien ganz zu schweigen.

Aufgrund seines internationalen Casts an Figuren und seinem nicht-japanischen Setting, ist „Black Lagoon“ einer der wenigen Animes, bei denen sich die englische Synchronisation anbietet. Gerade deshalb weil die japanischen Synchronsprecher oft auf Englisch zu fluchen versuchen, was eher lustig wirkt und seinen Zweck verfehlt. Auch ist dies leider der Fall mit der deutschen Synchronisation, die in der ersten Staffel noch akzeptabel ausfällt, in der zweiten Staffel aber absolut absurd wird. Darüber hinaus entpuppt sich die englische Synchronisation überraschenderweise als absolut fantastisch. Vor allem Revy, die zweifellos das Gesicht der Serie ist, wird hervorragend gesprochen von Marÿke Hendrikse, die es immer schafft Revys Aggression und lautstarke Einstellung rüber zu bringen.

Fazit

Mit dem Genre-Primus „Cowboy Bebop“ hat „Black Lagoon“ vieles gemein. Dank seines internationalen Settings, seinem farbenfrohen Cast, der hervorragenden englischen Synchronisation und der Nicht-Existenz jeglicher japanischer „Weirdness“ bietet sich „Black Lagoon“ hervorragend als Einsteiger-Anime an. Vom Animationsstudio Madhouse produziert, die sich u.a. verantwortlich zeigen für „Death Note“, „Paprika“, „Trigun“ und „Claymore“, ist „Black Lagoon“ erwartungsgemäß hervorragend animiert, vor allem in der absolut atemberaubenden Action, in denen sich in feinster Gun-Fu-Manier ausgetobt wird. „Black Lagoon“ ist eine einzige Hommage an das John-Woo-Chow-Yun-Fat-Hong-Kong-Actionkino und zollt nebenher Spaghetti- und Space Western, dem Terminator und dem Predator, Tarantino-Flicks, Filmen der Coen Brothers und dem japanischen Mafia-Thriller-Drama Tribut. Sei es der bitter-schwarzer Humor, das extreme Detail in der Waffendarstellung- und Animation, die gigantische Palette an Haupt- und Nebenfiguren, von denen fast alle einzigartig wirken und herausstechen, der toll rockige Trash-Metal-Soundtrack mit Latino-Einflüssen oder die überraschend tiefgründige Charakterentwicklung … „Black Lagoon“ hat für jede Geschmäcker etwas zu bieten. Zwar ist der Action-Anime bis zur siebten Episode allenfalls durchschnittlich, doch ist es ab dann ein einziger Höllenritt durch die kriminelle Unterwelt. In einer Folge gibt es Grabräuber-Action gegen Neo-Nazis (Indy lässt grüßen), während in der nächsten der Anime zu einem Horror-Thriller wird und es gegen inzestuöse Vampir-Killer-Zwillinge geht und es sich später wiederum in ein japanisches Yakuza-Crime-Drama nach feinster Takeshi-Kitano-Manier mit einem Kugel-halbierenden Samurai verwandelt. Diese Verwandlungen in seiner Atmosphäre gelingen „Black Lagoon“ mit solch einer Geschmeidigkeit, was die allgemeine Coolness, die es allgegenwärtig ausstrahlt, nur unterstreicht. „Black Lagoon“ ist schnell, blutig, manchmal echt lustig, manchmal zutiefst deprimierend. Stets ist es fantastisch choreographiert, toll geschrieben, extrem vulgär und cool. Einfach nur fucking cool.

Autor: Kadir Güngör

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