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Vor 37 Jahren soll Charlotte Hollis ihren Liebhaber ermordet haben. Seitdem lebt sie vereinsamt und dem Wahnsinn nah immer noch in ihrem Elternhaus. Als dieses enteignet werden soll, ruft sie ihre Cousine Miriam um Hilfe. Die findet eine völlig verstörte Frau vor, die immer noch unter den Geschehnissen leidet. Und offenbar kurz davor steht, endgültig den Verstand zu verlieren.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit Was geschah wirklich mit Baby Jane? gelang Robert Aldrich (Rattennest) 1962 eine echte Überraschung. Sein für diese Zeit ungewöhnlich perfide und unangenehme Mischung aus Psychothriller, (schwesterlichen) Beziehungsdrama und Horrorgroteske wurde ein Riesenerfolg, und das obwohl sich seine Hauptdarstellerinnen Bette Davis (Alles über Eva) und Joan Crawford (Solange ein Herz schlägt) – noch wirklich gelinde ausgedrückt – spinnefeind waren. Die beiden hatten sich schon vor dem Dreh nicht sonderlich gemocht, hinterher hassten sie sich bis auf’s Blut. Die Davis wird sogar zitiert mit: „I wouldn’t piss on Joan Crawford if she were on fire!“. Umso verwunderlicher, dass beide zwei Jahre später für Aldrich’s neuen Film Wiegenlied für eine Leiche erneut gemeinsam besetzt wurden. Naheliegend war es in der Theorie vielleicht daher, da auch die Vorlage zu diesem Film von Henry Farrell stammt, der Bereits Baby Jane schrieb. Im Original hieß die Geschichte gar „What ever happened to Charlotte?“, also eine gezielt gewählter Verweis, obgleich beide bis auf leichte Parallelen voneinander unabhängige Geschichten sind.

Zu der großen Reunion kam es letztlich doch nicht – angeblich. Offiziell wurde verlautet, dass Joan Crawford unmittelbar vor Drehstart erkrankte und deshalb kurzfristig durch Davis’ gute Freundin Olivia de Havilland (Meine Cousine Rachel) ersetzt werden musste. Inoffiziell heißt es, die Dreharbeiten mit Crawford hätten längst begonnen, mussten jedoch aufgrund der abzusehenden Eskalation zwischen den beiden Diven abgebrochen werden. Crawford warf das Handtuch, das bisher gedrehte Material wanderte in die Tonne und die  vorher schon von Davis vorgeschlagene und favorisierte  de Havilland stand Spalier, um direkt einzuspringen. Na so ein Zufall aber auch. Sei es drum, mit den beiden Streithennen wäre die Sache wahrscheinlich ohnehin früher oder später aus dem Ruder gelaufen und dann lieber noch so, als zu einem Zeitpunkt der das Projekt endgültig gesprengt hätte. Zudem da man sich für eine „Notbesetzung“ wohl kaum eine prachtvollere als Olivia de Havilland vorstellen kann.

Wie schon Was geschah wirklich mit Baby Jane? überrascht Wiegenlied für eine Leiche von Beginn an mit einem ungewohnt drastischen, düsteren und leicht abgründigen Tonfall. Eingeläutet durch den grausamen und nie wirklich aufgeklärten Mord an dem untreuen Ehemann John Mayhew (Bruce Dern, Once Upon a Time...in Hollywood), der 1927 mit Charlotte, der jungen Tochter eines mächtigen Südstaaten-Plantagenbesitzers durchbrennen will. Seine Absichten fliegen auf, er wird gezwungen Charlotte am Abend ihres geplanten Verschwindens den Laufpass zu geben und kurz darauf wird er noch auf einer Party im Familienanwesen brutal zerstückelt. Die mit blutverschmierten Kleid aufgegriffene und verwirrte Charlotte gilt natürlich als dringend tatverdächtig, doch ihr einflussreicher Vater kann die Mühlen der Justiz erfolgreich am Mahlen hindern. Gegen die junge Frau wird nie Anklage erhoben, verurteilt ist sie ab diesem Abend jedoch in den Köpfen aller. 1964 lebt Charlotte (nun Bette Davis) im inzwischen nicht ganz mehr so prunkvollen Familiensitz. Ihr Vater starb schon ein Jahr nach den Ereignissen, seit dem haust sie dort gemeinsam mit der ruppigen, aber getreuen Haushälterin Velma (Oscar-nominiert: Agnes Moorehead, Citizen Kane) beinah wie ein Geist.

Ein Gespenst der Vergangenheit, ein wie eine Aussätzige behandelter Kinderschreck. Als ihr Haus für den Bau einer Brücke enteignet und abgerissen werden soll, kommt ihr Cousine Miriam (de Havilland) zu Hilfe. Was sie vorfindet ist erschreckend und scheinbar erst der Anfang vom Ende, denn der Wahnsinn hält immer mehr Einzug in das düstere Herrenhaus mit seiner grausamen Geschichte, bei der die Grenzen zwischen Vergangenem und Gegenwart, zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Paranoia und Psychose immer mehr verschwimmen. Oder verschwommen werden, denn augenscheinlich findet mindestens eine Manipulation von außen statt. Genügend Verdächtige und Motive würden existieren. Schließlich gibt es einige, die Charlotte noch für ihr mutmaßliches Verbrechen gerne büßen sehen würden, es ist jede Menge Geld im Spiel und wer weiß, ob sich der eventuell wahre Täter noch durch eine vielleicht traumatisch verdrängte Erinnerung bedroht fühlt?

Auch wenn die einzigartige Bette Davis das Geschehen mal wieder droht komplett an sich zu reißen, ihre außergewöhnliche Performance bildet nicht das herausragende Alleinstellungsmerkmal von Wiegenlied für eine Leiche. Allein darstellerisch wird sie nicht nur flankiert, sondern perfekt ergänzt durch Olivia de Havilland und Agnes Moorehead. Ein bärenstarkes, weibliches Dreigestirn. Stilistisch beeindruckt Robert Aldrich erneut durch eine gewagte und damals immer noch ungewohnte Kombination aus modernem Thriller, Gruselfilm und Psychodrama. Die eleganten Halbdunkel-Fotographien, das Setting und die allgemeine Grundstimmung eines von unruhigen Seelen heimgesuchten Herrenhauses erinnern sowohl an Werke der schwarzen Serie wie Der unheimliche Gast, an Hitchcock’s Rebecca, Robert Wise‘ kurz zuvor veröffentlichtes Haunted-House-Klassiker Bis das Blut gefriert und nicht zuletzt Henri-Georges Clouzot’s Die Teuflischen, zu dem er auch inhaltlich in deutlichster Verwandtschaft steht. Das ist auch der einzig ernsthafte Kritikpunkt an einem ansonsten fabelhaften, spannenden und melodramatisch gar berührenden Film: Er wirkt manchmal schon so stark von Die Teuflischen inspiriert, das es bei Vorkenntnis von diesem das Sehvergnügen etwas trüben kann. Aber wenn es der einzige Makel ist, sich deutlich an zeitlosen Meisterwerken anzulehnen und dieses mit Bravour zu bewerkstelligen, dann dürfte es ein Probleme sein, von denen andere nur träumen können.

Fazit

Elegant inszeniert, grandios gespielt und trotz eines vielleicht leicht pulpigen Einschlags clever geschrieben. „Wiegenlied für eine Leiche“ darf zurecht als Klassiker des Thrillerkinos bezeichnet werden, gerade da er sich in seiner teils drastischen Vorgehensweise und bösartigen Intention von den üblichen US-Großstudio-Produktionen der frühen 60er massiv abhebt. Übrigens: Man gut, dass Joan Crawford vorher „erkrankte“: Das hätte womöglich wirklich Tote gegeben.

Autor: Jacko Kunze

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