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Inhalt

Von The Clash über Joy Division bis zu The Specials gehen 1978 zahlreiche britische Bands gemeinsam auf die Bühne. Sie reagieren damit auf das Erstarken der neofaschistischen Partei British National Front und die Zunahme rassistischer Gewalt. Als Teil von Rock Against Racism wollen sie ein positives Zeichen gegen Ausgrenzung setzen.

Kritik

Historische Dringlichkeit, unerschütterlicher Widerstandsgeist und mitreißend Musik verschmelzen in Rubika Shahs packendem Debütfilm zu einem inspirierenden Dokument jugendlichen Aufbegehrens. Englands Punk-Szene findet darin Anerkennung als immanent politisch, angespornt von niederschmetternden Effekten der Wirtschaftskrise und wucherndem Rechtspopulismus. Zweiter ist ein Kernthema der aus aktuellen Interviews, Archivmaterial, Konzertmitschnitten und Nachrichtenausschnitten zusammengefügten Chronik einer anti-faschistischen Gegenbewegung. Rock against Racism war eine kurzlebige Organisation mit enormer Auswirkung: auf die heranwachsende Generation, die Musikkultur und eine gespaltene Gesellschaft.

Parallelen zur Gegenwart drängen sich auf, ohne dass die Regisseurin sie herausarbeiten müsste. Die radikale National Front und arrivierte Populisten wie Enoch Powell einten frustrierte Arbeiterklasse und reaktionäres Establishment zu einem Rechtsruck, dessen Symptome beunruhigend gegenwärtige Entwicklungen reflektieren - nicht nur in England. Xenophobie, Invasionsparanoia, Behördenwillkür, Polizeigewalt, Naziparolen. Alles war sagbar. Prominentestes Beispiel: Eric Claptons (Beware of Mr. Baker) rassistische Tirade während seines 1976er Konzerts in Birmingham: ausschlaggebende Motivation zur Gegenbewegung, initiiert von Agit-Prop-Darsteller und Fotograf Red Saunders.

“I don’t want you here, in the room or in my country! I think we should vote for Enoch Powell. Enoch’s our man. I think Enoch’s right, I think we should send them all back. Stop Britain from becoming a black colony. Get the foreigners out. Get the wogs out. Get the coons out. Keep Britain white. I used to be into dope, now I’m into racism. It’s much heavier, man. Fucking wogs, man. Fucking Saudis taking over London. Bastard wogs. Britain is becoming overcrowded and Enoch will stop it and send them all back. The black wogs and coons and Arabs and fucking Jamaicans and fucking … don’t belong here, we don’t want them here. This is England, this is a white country, we don’t want any black wogs and coons living here. We need to make clear to them they are not welcome. England is for white people, man. We are a white country. I don’t want fucking wogs living next to me with their standards. This is Great Britain, a white country. What is happening to us, for fuck’s sake?” 

(Eric Clapton)

Gemeinsam mit anderen Kreativen der Untergrundpresse, deren expressiver Stil direktes Vorbild der dokumentarischen Optik ist, entstand RAR. Ziel war nicht nur Kampf gegen die NF, es war die Demaskierung des omnipräsenten Rassismus: „Unsere Aufgabe war es, die Flagge wegzuziehen, um das Hakenkreuz zu enthüllen“. Das gelang ihnen damals und gelingt nun Shah, deren konzise Chronik in einem legendären Event kulminiert. Bevor die Brücke zu gegenwärtigen Protestaktionen geschlagen werden kann, schmettern die Schlussakkorde.

Fazit

Rubika Shahs dokumentarischer Sturm wirbelt Bilder, Zeitungsberichte, Nachrichtenclips und Konzertaufnahmen auf und reißt nebenbei das Publikum mit. Historische und aktuelle Interviews mit Initiatoren und Schlüsselfiguren lassen unmittelbar an der Entstehung von Rock Against Racism teilhaben. Hintergründig und prägnant rekonstruiert die Reportage eine Ära, die wieder heraufzuziehen droht. Untermauert von erstklassiger Musik entsteht ein Filmessay von beunruhigender politischer Aktualität, das Protest nicht nur abbildet, sondern anregt: „Das [Faschismus] ist kein Problem, das einfach so verschwinden wird.“

Autor: Lida Bach

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