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Das Rentnerpaar Hilda und Jim führt ein zufriedenes Leben. Den nahenden Atomkrieg nehmen sie zunächst nicht Ernst. Nur der staatsstreue Jim beschäftigt sich mit den Infobroschüren, mit seltsamen Tipps zum Überleben. Doch helfen diese im Ernstfall?

Kritik

Der Vergleich mag etwas zu offensichtlich erscheinen, aber wenn man Wenn der Wind weht mit nur einem Film in Relation setzen möchte, dann wohl mit dem erschütternden Zeichentrickklassiker Die letzten Glühwürmchen von Isao Takahata (Die Legende der Prinzessin Kaguya). Während sich in dem Ghibli-Meilenstein auf herzergreifende Art und Weise die Unschuld der Kindheit im schonungslosen Schrecken des Krieges spiegelt, erzählen Jimmy T. Murakami (Sador – Herrscher im Weltraum) und Raymond Briggs hier von einem alternden Ehepaar, das ein beschauliches und zufriedenes Leben am Rande einer Kleinstadt in der Nähe von London führt. Hilda (gesprochen von Brigitte Mira, Angst essen Seele auf) und Jim (gesprochen von Peter Schiff, Otto – Der Liebesfilm) verlieren ihre glückliche Bescheidenheit auch dann nicht, wenn sie Zeuge davon werden, wie sich die Welt unvermeidlich auf einen Atomkrieg zubewegt.

Über den Rundfunk und Tageszeitungen erfährt Jim, dass in den nächsten drei Tagen ein neuer Krieg ausbrechen soll – der Ost-West-Konflikt hat seinen Höhepunkt erreicht, ein Nuklearanschlag scheint beschlossene Sache. Zum Schutze der Bevölkerung hat die Regierung in den 1980er Jahren das Zivilverteidigungsprogramm Protect and Survive ins Leben gerufen. Im Zuge dessen wurden in Broschüren Ratschläge aufgeführt, an die sich die Menschen im Falle einer unmittelbaren Bedrohung durch einen Kernwaffenkriegs halten sollten. Wenn der Wind weht bezieht sich zwar nicht darauf, dass dieser Leitfaden für das Überleben letztlich auch dazu entwickelt wurde, um Panik zu verbreiten (dafür ist die Lage im Film bereits zu eindeutig), allerdings zeigen Murakami und Briggs wunderbar die Nutzlosigkeit dieser Empfehlungen auf, wenn das Ehepaar letztlich darüber debattiert, welche Lebensmittel denn nun Sinn machen.

Dass Wenn der Wind weht lange Zeit auch immer wieder viel Humor beweist, führt die Zuschauer nicht nur näher an die Protagonisten, es verdichtet gleichwohl auch die Drohkulisse, weil das aus Naivität und Ignoranz emporsteigende Bagatellisieren des bevorstehenden Grauens („Hast Du ein sauberes weißes Hemd, das ich für die Bombe anziehen kann?“) irgendwann in einem Alptraum mündet, vor dem sich das Rentnerpaar auch nicht mehr durch ihre schrullige Art verstecken kann. Die gespenstische Stille, die sich nach der Bombe ausbreitet; die assoziativen Bildfolgen, die tiefe, oftmals unausgesprochene Ängste zum Ausdruck bringen, brennen sich dem Zuschauer fraglos ins Gedächtnis. All die zerstörten Städte, die kahlgeschorenen Bäume, das geschmolzene Glas sind nichts gegen den Horror, den Hilda und Jim miteinander durchmachen müssen. Wer sind die Böse? Wer sind die Staatsoberhäupter? Keine Antwort. Wir sind die Toten.

Fazit

Nicht nur ist "Wenn der Wind" weht ein Plädoyer gegen das atomare Wettrüsten, der Film funktioniert auch als Ode an die Liebe zweier Menschen, die ihr ganzes Leben miteinander verbracht hat und sich von einer weiteren Bombe nicht aus der Ruhe bringen lassen möchten. Vergleichbar mit dem ähnlich gepolten "Die letzten Glühwürmchen" aus dem Hause Ghibli, erweist sich "Wenn der Wind weht" als erschütternd-anrührender Beitrag in das anspruchsvolle Zeichentrickkino.

Autor: Pascal Reis

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