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Auf einer Italienreise ist die hübsche Nancy von drei Italienern überrascht worden, die versucht haben, sie zu vergewaltigen. Nancy kann flüchten und rettet sich mit Hilfe einer kleinen Seilbahn in eine exklusive Villa. Als Nancy mitten in der Nacht ankommt, schlafen alle. Der Hausdiener wird vom Wachhund geweckt und empfängt Nancy ohne Weiteres und ohne nachzufragen. Er zeigt ihr direkt ihr Zimmer, obwohl sie gar nicht erwartet wurde.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wer sich in der Vergangenheit ein Stück weit mit dem äußerst bewegenden Leben von Meisterregisseur Roman Polanski („Tanz der Vampire“) auseinandergesetzt hat, der weiß ganz genau, dass seine private Existenz auch immer eine nicht unwesentliche Rolle in seinem filmischen Out spielt. Nachdem Roman Polanskis damalige Ehefrau Sharon Tate  hochschwanger im Jahre 1969 bestialisch vom Sektenführer Charles Manson ermordet wurde, fiel der Pole in eine tiefes Loch aus Schuldgefühlen. Aber wäre es vermessen zu behaupten, dass ein solch erdrückender Schicksalsschlag den künstlerischen Antrieb auf eine ganz besondere, rational keinesfalls zu erfassende Art und Weise schmiert? Man kann freilich nicht nachempfinden, wie es Roman Polanski ergangen sein muss, welch emotionale Fliehkräfte dort in einem Inneren walteten, doch diese Ereignisse haben Polanski derart geprägt, dass sein beruflicher Werdegang mit Sicherheit ein anderer gewesen wäre, wäre sein Dasein von all dem Unglück verschont geblieben.

Wie passt in dieses Bild nun der 1972 erschienene und überwiegend in Vergessenheit geratene „Was?“ hinein? Selbstverständlich korrelieren hier die filmischen Motive nicht ganz so auffällig mit den realen Erfahrungen, die Roman Polanski zu sammeln gezwungen wurde. Indes ist „Was?“ dennoch ein nicht unbedeutendes Glied im größtenteils bestechenden Œuvre des Filmemachers: Nicht nur, dass man annehmen könnte, Polanski würde sich eine Auszeit von der Schwere seiner vorherigen Projekte nehmen und einem enthemmten Unernst frönen. In einem Interview (zu sehen beispielsweise in der empfehlenswerten Dokumentation „Wanted and Desired“) führte er an, dass er sich durch die erstrebte Kompensation des Verlusts seiner Frau in hypersexuelle Untiefen herabstürzte, die er später auch in „Bitter Moon“ thematisiert hat. Und in „Was?“ ist eine Sache omnipräsent: Der Sex. Oder besser gesagt: Die Sexversessenheit des männlichen Geschlechts. Man sollte „Was?“ wahrscheinlich nicht überinterpretieren, doch auch der Humor im Umgang mit den eigenen Leiden besitzt durchaus einen therapeutischen Effekt.

Macht das aus „Was?“ aber einen guten Film? Nun, in überschwängliche Lobpreisungen möchte man nicht verfallen, auch wenn die Motivation unter diesen Gesichtspunkten psychologisch womöglich nachvollziehbar erscheinen mag. Mit „Was?“ wagt sich Roman Polanski in Gefilde, auf die sonst in berauschender Qualität eigentlich ein gewisser Luis Bunuel („Viridiana") abonniert war: Die Offenlegung der Gepflogenheiten und Eigenarten der Bourgeoisie. In „Was?“ verschlägt es die naive Nancy (Sydne Rome, „Il Mostro“), nachdem sie einem Vergewaltigertrio geradeso vom Lümmel gesprungen ist, in eine luxuriöse Villa, mitten in einem pittoresken italienischen Küstenstädtchen. Hier wird die großbürgerliche Daseinsberechtigung vor allem mit Promiskuität zu besiegeln versucht, während sich das hiesig residierende Volk um Alex (Marcello Mastroianni, „8 ½“) letztlich kaum mehr Facetten als einen Hang zum Wollüstigen, zum Neurotischen, zum Raffgierigen und zum Cholerischen zugestanden wird. „Was?“ fehlt unverkennbar die analytische Präzision eines „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“, vielleicht auch aus dem Grund, weil Polanski noch etwas zu sehr mit sich selbst beschäftigt war.

Während Nancy durch das verwinkelte Anwesen streift und beobachtet, wie die – vordergründig – kultivierten Schalen der Bewohner platzen (oder unlängst geplatzt sind), kommt „Was?“ nicht über die mäßig beeindruckende Erkenntnis heraus, dass sich auch hinter dem größten elitären Snob eben auch nur ein triebgesteuerter Exzentriker befindet, der seinen Alltag hauptsächlich damit verbringt, die Unbedeutsamkeit seines eigenen Seins zu verdrängen. Wenngleich „Was?“ die sommerliche Kulisse der Urlaubsparadieses gekonnt auszuschöpfen steht, hier die sonnengebräunten Bonzen, dort der weiße Stand und das türkisfarbene Wasser, bleibt die ordinäre Neuinterpretation eines „Alice im (hedonistischen) Wunderland“) inhaltlich doch eher eindimensional, der schlüpfrige Witz verfällt repetitiven Mustern, die ausgestellten Nuditäten verbuchten schon damals, gerade nach der 68-Bewegung, keinerlei echtes frivol-provokatives Potenzial (und noch weniger ein satirisches). Aber auch einem so stilsicheren und geistreichen Künstler wie Roman Polanski sei es vergönnt, einmal nicht komplett ins Schwarze zu treffen – vor allem dann, wenn man anschließend einen Film wie „Chinatown“ nachlegt.

Fazit

„Was?“ zählt nicht zu den großen Meisterwerken im Schaffen des Roman Polanski, dafür ist der Film in seiner gesellschaftskritischen Satire zu durchsichtig, zu simpel, zu repetitiv. Und während die nackten Körper damals schon kaum ernsthaft für Aufsehen sorgen konnten, bleibt auch die frivol-provokative Neuinterpretation von „Alice im Wunderland“ in eher verhaltenen Regionen haften. Kann man sich mal anschauen, als Fan des Regisseurs natürlich ein Muss, ansonsten darf man „Was?“ gerne dort belassen, wo er unlängst angekommen ist: In der Vergessenheit.

Autor: Pascal Reis

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