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Inhalt

Vincent, ein Einzelgänger in einer abgelegenen Kleinstadt, beobachtet einen Autounfall und rettet die ihm bis dahin unbekannte Roxxy, die von einem Mann bedroht wird. Vincent fühlt sich zu der Fremden hingezogen und bietet ihr Zuflucht in seinem Zuhause. Roxxy, die das Angebot dankend annimmt, lernt Vincents Bruder JC und dessen Freundin Kate kennen und findet Arbeit als Barkeeperin. Vincent und Roxxy kommen sich immer näher, wissen aber jeweils nichts von ihrer dunklen und gewaltsamen Vergangenheit, die sie eines Tages heimsuchen wird.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wie eine unscheinbare, von rauen Zwischentönen durchzogene Romanze im kleineren Indie-Rahmen entfaltet sich Gary Michael Schultzs (Devil in My Ride) Vincent-N-Roxxy. Als sich die beiden titelgebenden Figuren direkt zu Beginn des Films zum ersten Mal begegnen, ist es ein Moment voller Gewalt, der sie zusammenführt. Roxxy ist auf der Flucht vor einem gewalttätigen Angreifer, den Vincent ohne zu zögern ebenfalls körperlich angeht, als er das Geschehen von seinem Wagen aus beobachtet. Polizeisirenen ertönen, nachdem der Angreifer wenig später von Roxxy mit einem Backstein niedergeschlagen wurde und beide gemeinsam die Flucht ergreifen. 

Ihre gemeinsame Reise verläuft jedoch zunächst in unterschiedliche Richtungen, nachdem Vincent irgendwo im mittleren Westen der USA in das Farmhaus seines Bruders zurückkehrt und Roxxy einen anderen Weg einschlägt, da sie der Meinung ist, dass sie keinen guten Einfluss auf Vincent ausüben würde. Ab dem Moment, an dem beide Figuren wenig überraschend wieder vereint werden, scheint der Regisseur die Handlung des Films bewusst in eindringlichen Momentaufnahmen erstarren zu lassen, so als wolle er jede kleinste Entwicklung mit zeitlupenartiger Genauigkeit verfolgen. 

Roxxy kehrt in Vincents Leben zurück, da sie ohne genauere Angabe von Gründen auf seine Hilfe angewiesen ist. Kate, die Freundin von Vincents Bruders JC, verschafft ihr prompt eine Teilzeitstelle als Kellnerin in der Bar, in der sie ebenfalls arbeitet. Es ist ein von unruhigen Spannungen aufgeladenes Szenario, das Schultz hierbei errichtet, denn die Hintergründe sowie bedeutenden Informationen aus der Vergangenheit der zentralen Figuren belässt der Regisseur lange Zeit im Unklaren. Die dunklen Schatten, von denen Roxxy im Auftakt des Films verfolgt wird, bleiben ein ebenso vage angerissenes Mysterium wie die schwarze Tasche, die sich zu Beginn neben Vincent im Wagen befindet und von der Kamera zumindest für eine kurze Szene mit sichtlicher Neugier eingefangen wird. 

Mithilfe der starken Chemie zwischen Emile Hirsch (Into the Wild) und Zoë Kravitz (Dope), die ihren geheimnisvollen Hauptfiguren düstere Reize und zugleich eine unheimliche Anziehungskraft verleihen, schwirrt Vincent-N-Roxxy in bedächtiger Manier um aufkeimende Gefühlswelten, die in den richtigen Momenten des Films spürbar erbeben. Das Verhältnis zwischen Vincent und seinem Bruder CJ, die vor allem aufgrund des kürzlichen Begräbnisses der Mutter auf einen unausgesprochenen Konflikt zusteuern, lauert dabei ebenso bedrohlich in der Nähe der eigentlichen Geschichte wie die unheilvollen Synthie-Klänge auf der Tonspur, welche drohende Abgründe ankündigen. 

In einer Szene des Films, in der das Verhältnis zwischen Vincent und Roxxy einen erheblichen Wendepunkt erreicht hat, versucht sie ihm gegenüber auszudrücken, warum eine Beziehung zwischen ihnen niemals funktionieren wird. Das Innere von Vincent beschreibt sie dabei mit nur einem einzigen Wort: Violence. Die unvermeidlichen Konsequenzen gewalttätigen Handelns bringt Schultz schließlich in einem letzten Drittel zum Ausdruck, das einen Großteil der Zuschauer unvorbereitet überrumpeln dürfte und ausgerechnet den bislang charismatischen Rapper und Schauspieler Scott Mescudi (Meadowland) durch eine kleine Nebenrolle für lange Zeit auf höchst verstörende Weise im Unterbewusstsein verankert.

In einem kompromisslosen Gewaltrausch, der in seinem skrupellosen, fast schon widerwärtigen Umgang mit sämtlichen Figuren fast schon zynische Ausmaße annimmt, befördert der Regisseur seinen Film in beinahe surreale Höhen. Die finale Spirale aus Rache und Gewalt, die auf ein fassungslos stimmendes, nihilistisches Inferno folgt, dürfte den meisten als überstilisierte, unreflektierte Selbstjustiz-Orgie übel aufstoßen. Dabei wendet sich der Regisseur selbst an sein Publikum und greift das zentrale Motiv von Vergebung auf, an dem alle Figuren in diesem Film auf drastischste Weise scheitern.

Ähnlich wie Vincent, der Roxxy in einer Schlüsselszene in einem Brief darum bittet, ihm irgendwann verzeihen zu können, wirkt Schultzs Schlussakt wie ein verzweifelter Versuch nach Vergebung in einem Moment, in dem es längst zu spät ist und alles aus dem Ruder gelaufen ist. Der Song Angels der Band The XX, der im Film zu hören ist, als Vincent und Roxxy zum ersten Mal miteinander schlafen, wirkt bei seinem zweiten Einsatz kurz vor dem Abspann wie eine aus dem Paradies erklingende Melodie, die umgehend in die Hölle führt.

Fazit

„Vincent-N-Roxxy“ wirkt, als habe Nicolas Winding Refn eine gemächliche Südstaaten-Romanze verfilmt und ihr im Verlauf der Geschichte seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Der langsame, präzise Handlungsfluss mündet schließlich in einem niederschmetternden letzten Drittel, das garantiert niemanden unberührt lässt und auf ebenso perfide wie provokative Weise zum Nachdenken anregt. Bis dahin bleibt dieses wilde Genre-Kleinod aber definitiv eine Perle, die es unbedingt zu entdecken gilt, auch wenn diese Entdeckung ungemütliche Konsequenzen nach sich zieht.

Autor: Patrick Reinbott

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