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Inhalt

Im Jahr 2021 ist die ganze Welt durch das Internet vernetzt, und die Hälfte der Bevölkerung leidet an dem Nerve Attenuation Syndrome. Der Cyberkurier Johnny, der sich einen Speicherchip ins Hirn implantieren lies, bekommt den Auftrag, eine große Menge gestohlener Daten von Beijing nach Newark zu bringen. Pharmakom Industries, die Besitzer der Daten, hetzen ihm eine Horde Yakuzas auf den Hals, während J-Bone, der Anführer der Low-Techs, versucht, die Daten zu entschlüsseln, denn sie sollen die Heilung für NAS enthalten…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Immer wieder krümmt sich Johnny (Keanu Reeves, John Wick) vor Schmerzen, schneidet sein Gesicht zu peingebeutelten Grimassen, umklammert mit den Händen seine Schläfen. Sein Kopf ist überfüllt mit Informationen, die ihm über ein Gehirn-Implantat übermittelt wurden und die Kapazität seines Datenspeichers deutlich überschreiten. Johnny ist ein Kurier, der diese Daten als Handels- und Schmuggelgut von A nach B transportiert. Ein fleischgewordener USB-Stick, wenn man so will, mit dem Unterschied, dass er durch den Faktor Mensch nicht gänzlich der kompakten Funktionalität eines Wechseldatenträgers entspricht. Ironischerweise hat der der Film selbst durchweg mit einem unübersehbaren Problem zu ringen, welches geradezu in einem konträren Verhältnis zu den Leiden seines Protagonisten steht: Vernetzt – Johnny Mnemonic hat nicht zu viel, sondern zu wenig im Kopf.

Beeinflusst von der Neuromancer-Trilogie, der dreiteiligen Bibel des literarischen Cyberpunks, basierend auf der Kurzgeschichte Der mnemonische Johnny von William Gibson und inszeniert vom New Yorker Konzeptkünstler Robert Longo, stand der Film hinsichtlich der involvierten Personalien jedenfalls unter einem guten Stern. Und wenn man so möchte, dann hätte Vernetzt – Johnny Mnemonic genau das werden können, was Lana Wachowski und Lilly Wachowski (Jupiter Acending) nur vier Jahre später mit Matrix vollbrachten: Ein Maßstäbe setzender Meilenstein. Der ebenfalls von William Gibson inspirierte Cyberpunk-Klassiker beschäftigt sich wie auch Vernetzt – Johnny Mnemonic mit der Beziehung zwischen dem Menschen und der Technologie. Doch während Matrix diese Gedankenwelt visuell eindrucksvoll destillierte und darüber einen sinnstiftenden Diskurs forcierte, ist Robert Longos Werk ein von jedem Stilbewusstsein verlassenes Debakel.

Das beginnt bereits mit dem Umstand, dass Vernetzt – Johnny Mnemonic nicht einfach nur schlecht gealtert ist, sondern schon 1995 kaum Schauwerte zu bieten hat. Wenn Johnny als verzerrtes Digitalisat durch den Datenstrom stürzt, dann ruft das Erinnerungen an die altertümlichen Animationen hervor, die einst das Windows-98-Betriebssystem präsentiert hat: Unförmiger, niemals plastischer Pixelbrei. Dass die Großstädte dieser in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts angesiedelten Erzählung in schmucklose Bilder gehüllt sind, mag Methode besitzen, sind sie doch zum Großteil zerstört und von Multi-Konzernen regiert, die das Volk bereitwillig verrecken lassen. Von einer stimmungsträchtigen Atmosphäre des Untergangs kann jedoch keine Rede sein. Überraschend, denn ein derart visueller Künstler wie Robert Longo sollte doch Visionen dahingehend besitzen, Bildwelten der Panik und des Verderbens zu kreieren, die über heruntergekommenen Hinterhofbeton hinausgehen.

Dem ist aber nicht so. Was sich an Vernetzt – Johnny Mnemonic in Sachen Set-Gestaltung kritisieren lässt, muss sich auch auf die inhaltliche Ebene übertragen lassen. Denn im Kern ist diese transhumanistische Ausrichtung des Narrativ, die aufzeigt, dass das technologische Zeitalter auch der Bedeutung unterliegt, den Menschen immer mehr zu Maschine zu transformieren, eine so packende wie verstörende. Vernetzt – Johnny Mnemonic allerdings hat diesen Überlegungen nichts entgegenzusetzen und reduziert sich selbst auf einen äußerst notdürftigen, ungemein konfus arrangierten Hybrid aus Neo noir und Action-Film. Die Mixtur aus warnender Dystopie und pulpiger Genre-Hingabe bleibt aufgrund seiner allgemeinen Unterentwicklung ein reizloses Unterfangen. Und über allem thront ein sagenhaft schlechter Keanu Reeves, der chargiert, dass es einem die Ohren anlegt und ein modisches Portfolio, welches sich aus der Karneval-Resterampe zusammensetzt.

Fazit

"Vernetzt – Johnny Mnemonic" ist Trash. Kein spaßiger, sondern ungemein enttäuschender, weil er seinen Möglichkeiten quasi partout entsagt. Dieser geistige Vorreiter der "Matrix"-Trilogie hätte selbst das Zeug gehabt, ein Klassiker des Cyberpunks zu werden, wenn er den Diskurs über das Verhältnis von Mensch und Technologie wirklich ernst genommen hätten. So jedoch verkommt Robert Longos Werk zum unterentwickelten Debakel ohne sinnstiftende Gedanken und visuelle Schauwerte, dafür aber mit sagenhaft schlechten Schauspielleistungen, grässlichen Effekten und jede Menge modischen Entgleisungen.

Autor: Pascal Reis

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