5.4

MB-Kritik

Tiger Girl 2017

Action, Drama, Crime

5.4

Ella Rumpf
Maria Dragus
Enno Trebs
Orce Feldschau
Benjamin Lutzke
Franz Rogowski
Ulrik Bruchholz
Lana Cooper
Robert Gwisdek
Marco Albrecht
Fatma Altintas
Franziska Arnold
Ditmar Bieseke
Danny Bortfeld
Franziska Breite
Paul Conforti

Inhalt

Bei der Polizei ist sie durchgefallen, daher macht Margarete eine Ausbildung beim Sicherheitsdienst. Abends trifft sie zufällig einen aufdringlichen ehemaligen Kollegen, der ein Taxi ruft, um sie mit nach Hause zu nehmen. Auftritt Tiger: kurze braune Haare, tough, Kämpferin, Fahrerin des Taxis. Als ihr klar wird, dass die Situation nicht einvernehmlich ist, lässt sie Margaretes Begleiter auf der Straße stehen. Es ist nicht das letzte Mal, dass sie als ihre Retterin einspringt. Tiger wohnt auf einem Dachboden mit zwei Männern, sie weiß, wie man mit einem Baseballschläger umgeht. Sie klaut sich beim Sicherheitsdienst eine Uniform und lenkt das Leben von Margarete, die sie Vanilla tauft, radikal in andere Bahnen.

Kritik

Im Jargon von Jakob Lass' unreifem Mix aus Jugenddrama und Pop-Fantasie formuliert, ist Tiger Girl Eins voll in die Fresse. Kein verdienter, wie ihn die Titelfigur (Ella Rumpf) regelmäßig austeilt, sondern ein Schlag aus dem Nichts. Ist total okay, meint Tigers Kumpanin Vanilla the Killer (Maria Dragus). Wer schief guckt oder nicht lieb Bitte und Danke sagt, kriegt von der ultraaggressiven Heldin eine geballert. Es reicht, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Zu den Unglücklichen gehört das Kritikerpublikum, dass den zwischen Komödie, Buddy-Movie und Actionkrimi lavierenden Coming-of-Age-Streifen im Berlinale Panorama vorgeführt bekommt.

Das Kinoerlebnis läuft ähnlich ab wie die Freundschaft zwischen der Hauptfigur und ihrem symbolischen Alter Ego. Anfangs ist es noch kurios und witzig genug, obwohl nichts von sonderlichem Belang passiert. Aber was soll's, ein bisschen hohler Spaß ist ja erlaubt, so lange es keinem weh tut. Genau das passiert aber bald. Es tut richtig weh, sowohl auf der Leinwand als auch davor. In der ersten halben Stunde gibt das inszenatorische Konzept erfolgreich vor, eine Fabel von weiblicher Selbstbehauptung und -findung zu sein. Vanilla heißt da noch Maggy, kurz von Margarete, und ist der Inbegriff der verhuschten Tussi Marke „viel zu lieb“. 

Die Folgen sind aus der verkappt chauvinistischen Perspektive des Regisseurs ihre eigene Schuld. Maggy rasselt durch die Polizeischulprüfung, wird von einem arroganten Bekannten bedrängt und im Anschluss auf dem U-Bahnhof belästigt. Zur Rettung eilt die verbal und physisch schlagfertige Tiger, die Opfer Maggy in Vanilla the Killer umtauft. Die Freundschaft der gegensätzlichen jungen Frauen entwickelt eine gefährliche Eigendynamik, als Vanillas Ego und Kampfeslust ins Überdimensionale wachsen. Lass kriegt nicht genug von voyeuristischen Girlfights und zelebriert die selbstgerechte Verrohung. Ist doch lustig, wenn andere Schiss haben, erniedrigt werden oder zusammengeschlagen in der Ecke liegt. Haha.

Fazit

Der planlose Plot gibt in den Anfangsszenen vor, eine Hymne auf weibliche Selbstbehauptung und -findung zu sein, doch die erfrischenden Ansätze versacken schnell im Sumpf aus willkürlichen Kloppereien und unlogischen Aktionen. Format beweisen einzig die Hauptdarstellerinnen, denen der Fehlschlag hoffentlich als Sprungbrett zu Besserem nützt.

Autor: Lida Bach
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