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Hal, launischer Prinz und widerwilliger Erbe des englischen Throns, hat dem königlichen Leben den Rücken gekehrt und lebt mit dem Volk. Als jedoch sein tyrannischer Vater stirbt, wird Hal zum König - Heinrich V. - gekrönt und ist gezwungen, das Leben anzunehmen, dem er zuvor versuchte zu entkommen. Nun muss der junge König durch die Palastpolitik, das Chaos und den Krieg, den sein Vater hinterlassen hat, und die emotionalen Fäden seines vergangenen Lebens navigieren - einschließlich seiner Beziehung zu seinem engsten Freund und Mentor, dem alternden alkoholkranken Ritter John Falstaff.

Kritik

Einer übermächtigen Armee sieht sich der junge König Heinrich bei der entscheidenden Schlacht von Azincourt gegenüber. Was ihn letztlich aus der Situation herausbringt ist taktisches Geschick und die richtige Positionierung seiner Soldaten. Auch Netflix bringt die eigenen Soldaten für den kommenden "Streaming-War" in Stellung. Statt auf Markennamen wie Marvel und Comedy-Alltimer wie Friends will (muss) Netflix in Zukunft verstärkt auf eigens produzierte Prestige-Projekte setzen. Neben dem heiß erwarteten The Irishman von Martin Scorcese sollte vor allem David MichôdsThe King als prestigeträchtiges Projekt ins Oscarrennen einsteigen und seinen Beitrag dazu leisten, Netflix immer mehr im ernst zu nehmenden Filmgeschäft zu festigen.

So ganz funktioniert hat das aber nicht. Die Kritiken pendelten sich nach den ersten Screenings in einem netten, aber nicht überschwänglichen Bereich ein und auch die Reaktionen nach verschiedenen Festivals blieben eher verhalten. Eigenartig – sollte man doch meinen, dass The King gerade auf der großen Leinwand erst so richtig wirkt. Und das tut er vermutlich auch: wie so manches Netflix Prestige-Projekt ist The King eigentlich etwas fürs Kino und büßt ohne die große Leinwand fraglos etwas von seiner Atmosphäre ein. Das ist aber nicht das einzige Problem der Shakespeare-Verfilmung.

Alle, die beim Namen Shakespeare nun die Ohren verdrehen und an geschwollene Reimergüsse à la Justin Kurzels Macbeth denken, können aber beruhigt werden. Weder folgt The King dem Stil der Vorlage, noch bleibt er der Geschichte wirklich treu. Die Macher um David Michôd (Drehbuch + Regie), Joel Edgerton (Drehbuch) und Brad Pitt (als Produzent) nehmen sich eine Menge Freiheiten, basteln sich aus Shakespeares Heinrich IV.  Teil 2 und Heinrich V. ihre eigene Vision zusammen und untergraben die höchst nationalistische Vorlage durch den gewählten Filmton. The King ist kein Hohelied auf England, keine Glorifizierung des Krieges, sondern ein düsteres Werk über Zweifel und Unsicherheit. War zwar auch Shakespeares fünfter Heinrich eine zerrissene Persönlichkeit, geht The King ein paar Schritte weiter und stellt seinen Protagonisten als tief deprimierten, introvertierten Herrscher dar, der sich gegen innere wie äußere Intrigen zur Wehr setzen muss und den politischen Zirkus des Königshauses eigentlich satt hat.

Inszenatorisch wird diese Charakterzeichnung äußerst ansprechend dargestellt. In düstere und kalte Farben hüllt Michôd seinen Historienepos, erhobene Mundwinkel kann man an einer Hand abzählen und Nicholas Britels (Moonlight) musikalische Untermalung tropft nur vor Sehnsucht und Weltschmerz. Gepaart mit den aufwendigen Sets und Kostümen macht The King auf der Oberfläche einen äußerst hochwertigen, stimmigen Eindruck.

Doch die Charakerzeichnung des Königs wird, so interessant sie auch ist, leider zum größten Problem des Films. In der Theorie klingt die Paarung einer stimmigen, bedachten Inszenierung mit dem nachdenklichen, sich unzugehörig fühlenden jungen Heinrich wie guter Boden für eine historisch komplexe Charakterstudie, in der Praxis wird das Drehbuch von Michôd und Edgerton diesem Anspruch aber nicht gerecht. Das merkt man vor allem an der eintönigen Performance von Hauptdarsteller Timothée Chalamet (Call me by your Name), dem das Drehbuch gar keinen Nährboden für eine facettenreiche Darstellung bietet. Emotionen werden in The King durch traurige Blicke in die Ferne und expositorische Dialoge übertragen, bei denen es Michôd und Edgerton an nötigem Feingefühl fehlt. Statt Einblick in die Emotionalität der Hauptfigur zu erhalten, fühlt man sich als Zuschauer viel öfters geradezu aus den Gedanken Heinrichs ausgesperrt – keine gute Ausgangslage für eine Charakterstudie.

So fragt man sich als Zuschauer irgendwann, was denn eigentlich der Fokus von The King sein soll, wird der Film doch weder seinem Protagonisten, noch der Beziehung von Heinrich zu seinem Mentor John (Joel Edgerton - The Gift) oder der Rahmenhandlung um den Krieg gegen Frankreich inhaltlich gerecht. Zurück bleibt ein unbefriedigendes Gefühl, das The King trotz produktionstechnischem Aufwand seitens Netflix irgendwie leer erscheinen lässt. Der Marke Prestige fehlt es hier eindeutig noch an essentieller Substanz.

Fazit

„The King“ ist ein aufwendig produziertes, in der Theorie äußerst interessantes Historienepos, das der shakespeareschen Vorlage eine eigene Vision und den patriotischen Grundzügen der Geschichte die deprimierende Realität entgegensetzt. Doch leider gelingt es David Michôd und Joel Edgerton nicht die emotionale Komplexität dieser Idee fühlbar zu machen. Zurück bleibt ein äußerst hübsches, atmosphärisch stimmiges Werk, das den eigenen, lobenswerten Ambitionen aber vor allem emotional niemals wirklich gerecht wird.

Autor: Thomas Söcker

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