MB-Kritik

The Girl with the Leica 2026

Drama

Emilia Schüle
Aaron Altaras
Lucas Englander
Luna Wedler
Sebastian Schneider
Thomas Schubert
Idan Weiss
Hans-Christian Hegewald
Lia von Blarer
Jeremy Mockridge
Joel Basman
Francesca Biliotti

Inhalt

Basierend auf dem Roman von Helena Janeczek. Der Film begleitet die bahnbrechende Fotojournalistin Gerda Taro an ihrem letzten Tag in Paris, bevor sie in den Spanischen Bürgerkrieg zurückkehrt. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich und enthüllen ihren Aktivismus und ihre Liebesgeschichte.

Kritik

Hätte s (Vogliamo anche le rose) biografischer Bilderbogen über eine der bedeutendsten Fotografinnen des vergangenen Jahrhunderts nur ansatzweise die visuelle Dynamik und historische Dringlichkeit deren fotografischen Œvres. Das wurde 2007 Jahren in México City in einem alten wiederentdeckt. Ein spektakulärer Fund, der eine der zu Unrecht vergessenen schließlich aus dem Schatten der Fotografie-Geschichte holte. Der Front-Reporterin und Foto-Journalistin Gerda Taro auch auf filmischer Ebene diese Prominenz zu verschaffen, ist augenscheinlich das Marazzis pittoresken Porträts. Letztes tut indes das genaue Gegenteil.

Die sprunghafte Story misst das Schaffen der als Gerta Pohorylle geborenen Protagonistin (Emilia Schüle, Der Heimatlose) beständig gegen das ihrer männlichen Kollegen. Im Pariser Exil trifft sie 1937 ihren Arbeits- und Lebenspartner Endre Friedmann, besser bekannt als Robert Capa. Beide verbringen Zeit an der spanischen Front, wo Taro schließlich fällt. Sie sucht beider Künstlernamen aus und bleibt doch ein dekoratives Accessoire der überwiegend männlichen Clique um Capa (Aaron Altaras, Rave On), David Seymour (Idan Weiss, Franz K.) und Georg Kuritzkes (Lucas EnglanderThe Day of the Jackal). 

Als historische Kreuzung von Manic Pixie Dreamgirl und Muse definiert sie “ihr Talent für das Leben”, das sich in hyperaktivem Herumhüpfen und Polyamorie äußert. Die eklektische Emanzipationsgeschichte kippt in die vertraute Dramaturgie weiblicher Genialität: Die außergewöhnliche Frau wird interessant, weil Männer sie begehren, bewundern, und begleiten. Impulsiv, inspirierend und idealistisch, ist sie das aufregende Naturereignis, dessen Leidenschaft von ihrem Umfeld mehr bestaunt werden soll, als ihre fotografische Leistung. Letzte erscheint Produkt ihrer Kamera, deren Brand Ambassador sie scheint. 

Fazit

Lose basierend auf Helena Janeczeks gleichnamigem Roman, verknüpft das episodische Exposé Archivmaterial und inszenierte Szenen miteinander in einem formalen Dialog, der die europäische Emigration als dekorative Historiografie abhandelt. Schüle spielt die Mischung aus Charme und Talent durchaus überzeugend, doch kann die fehlende psychologische Tiefe ihres Parts nicht ausgleichen. Die strukturelle Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit mündet in einer enttäuschend altbackene Interpretation auf weibliches Genie. Darin wird die Frage, wessen Perspektive die öffentliche Wahrnehmung prägt und historische Narrative definiert, nie gestellt. 

Autor: Lida Bach
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