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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Die Geschichte einer Stadt, ihrer Aufstände und Kriege. Ausgehend von den Protesten der Studierenden, die 1943 die Unabhängigkeit von Frankreich einläuteten, folgt Rania Rafei dem Wechselspiel von Umbruch und Beständigkeit, Streit und Einigkeit in Tripoli, der zweitgrößten Stadt des Libanons. Persönliches und Politisches, Intimes und Kollektives verbindend, in offener Form zwischen filmischem Brief an den verstorbenen Vater, Familiengeschichte, Archivmaterial und der Erkundung der geschichtsvergessenen Gegenwart, gibt der Film einer Stadt und ihren Bewohner*innen über die Zeiten und Generationen hinweg eine Bühne. 

Kritik

Eine Vergangenheit, die überall ihre brutalen Spuren hinterlassen hat. Eine desillusionierte Gegenwart. Eine Zukunft, die eine Ellipse der erlebten Historie zu werden droht. Zwischen diesen existenzialistischen Eckpunkten bewegt sich Rania Rafeis dokumentarische Mischung aus Memento und Mosaik, das in der Sektion Forum der 76. Berlinale die Schnittstellen politischer und persönlicher Umbrüche untersucht. Den Tod ihres Vaters nimmt die libanesische Regisseurin als assoziativen Ausgangspunkt ihres essayistischen Porträts, das die soziologische und architektonische Topographie des Titelschauplatzes ertastet. 

Tripoli eröffnet sich als historischer Organismus, geprägt von sich über Generationen fortsetzenden ideologischen Konflikten und sozialen Spannungen. Die Studentenproteste der 1940er Jahre, die den beschwerlichen Weg zur Unabhängigkeit des Libanon von Frankreich ebneten, dienen als Ausgangspunkt des verzweigten Panoramas, in dem religiöse Differenzen und ideologische Kluften eine beständige unterliegende Anspannung erzeugen. Archivaufnahmen, Interviews mit Anwohnenden und intime Erinnerungen verflechten sich zu einer lebendigen Chronik, in der ebenso die ambivalente Beziehung der Menschen zu ihrer Stadt greifbar wird wie die der Regisseurin.

Die subjektive Struktur erinnert an eine filmische Botschaft an ihren verstorbenen Vater, dessen geisterhaftes Gedenken in den verwinkelten Gasen und alten Cafés wandelt. Auf der Suche nach potenziellen Interview-Partner*innen, die ihre Eindrücke des Schauplatzes vor der Kamera teilen, stößt sie auf eigenwillige Charaktere. Ergraute Widerstandskämpfer, die ihre Hoffnung auf eine bessere Zeit verloren haben, einen einstigen Handwerker mit einem kuriosen Claim to Fame, und eine junge Generation, die auf den gescheiterten Idealen ihrer Eltern und Großeltern etwas aufbauen sollen. 

Fazit

Der Titelort Rania Rafeis dabei selbst urbaner Collage wirkt bisweilen selbst wie ein Gespenst der Metropole, die er einmal war. Begleitet vom melancholischen Off-Kommentar der Regisseurin wandert Jocelyne Abi Gebrayels Kamera durch die selbst in desolatem Zustand eindrucksvolle Kulisse zahlloser Kämpfe. Das bruchstückhafte Resultat wirkt dabei streckenweise wie ein Pendant zu ihrer Video-Installation "Citi(es) of Beirut: purgatory of anticipated ruins". Warmherzigkeit, Wehmut und Witz vermischen sich in den stimmungsvollen Szenen, die ohne Verklärung verborgene Schönheit finden und unmittelbar daneben die Narben von Gewalt und Verlust. 

Kritik: Lida Bach

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