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In einem von Zombies überrannten Amerika treiben Ben und Mickey durch die einsamen Wälder der USA. Hier mal ein Zombie, hier mal ein verlassenes Haus – viel ist auf ihrem Trip nicht los. So nehmen sich die beiden Zeit für deprimierende Zukunftsvisionen und existenzielle Fragen nach dem Zweck ihrer Reise. Ein abgefangener Funkspruch scheint ihrem Trip aber dann doch einen neuen Sinn zu verleihen.

  • W780
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Kritik

Liebe Studiobosse, sehr geehrte Hollywoodproduzenten, hier können Sie noch was lernen. Wieviel Geld benötigt man wohl Ihrer Meinung nach, um einen guten Zombiefilm zu drehen? Siebenstellig sollte es schon sein, gell? Logisch, allein die ganze Special Effects, die Masken, die Sets und gute Schauspieler spielen schließlich auch nicht für ein Taschengeld. Was kassierte ein Johnny Depp so für seine letzten Streifen? Mensch, das wird teuer. Aber von nichts kommt schließlich nichts. Geld schießt keine Tore sagt man im Fußball, auch da stimmt das nur bedingt und in der US-Filmindustrie – zumindest nach der Ansicht der meisten Menschen – erst recht nicht,…alles falsch! Man benötigt nicht mehr als einen Mann, der sein ganzes Herzblut investiert, eine Idee hat und das Ding einfach mal in die Hand nimmt (Talent hilft nebenbei). Robert Rodriguez hat es 1992 mit El Mariachi vorgemacht, als er für popelige 7.000 Dollar einen manierlichen Actionfilm aus dem Hut zauberte. Der „neue“ Robert Rodriguez heißt Jeremy Gardner. Zwanzig Jahre später - die Budgetgrenzen sind inzwischen ins Unermessliche geschossen – unterbietet der das Ganze sogar noch. Geschätzt 6.000 Dollar kostete sein Baby The Battery (bei uns mal wieder prima „eingedeutscht“ als Ben & Mickey vs. the Dead, Ähnlichkeiten zu Tucker & Dale vs. Evil selbstverständlich rein zufällig), eine unvorstellbar geringe Summe, besonders in Anbetracht des Endprodukts.

Relativierend müssen dabei zwei Dinge erwähnt werden: Natürlich ist es nicht zu verbergen, dass da kaum Geld im Umlauf war (so wenig ist dennoch verblüffend) und sicher musste Jeremy Gardner mehrere Eingeständnisse machen, die er unter anderen Bedingungen wohl vermieden hätte. Er ist nicht der Messias des modernen Kinos, nicht ein Idealist des reinen, rudimentären Filmemachens, er hatte schlicht nicht mehr. Mit drei bis vier Nullen mehr hinter seinem Budget wäre bestimmt ein ganz anderer Film daraus geworden. Vielleicht sollte man Gardner Griechenland anvertrauen: Mach aus der Not eine Tugend, arbeite mit dem, was du hast oder eben nicht und versuche dennoch, dich anständig aus der Affäre zu ziehen. Viel besser kann so was wie Ben & Mickey vs. the Dead kaum werden, zumindest was die Umsetzung angeht. Unübersehbar Independent- und Super-Low-Budget-Kino, das sich an manchen Stellen eben clever behelfen muss um nicht als schäbiges Z-Movie ausgelacht zu werden und seine Stärken dort zu suchen, wo Geld dann tatsächlich keine Tore schießt. Dabei ist Ben & Mickey vs. The Dead von seiner Geschichte nicht mal originell oder unverbraucht. Seit der Doppel-Trilogie von George A. Romero, den unzähligen Nachahmern und Weggefährten, in Zeiten von The Walking Dead, was kann und soll so ein Film schon groß neu erzählen. Zwei Typen - nicht wirklich beste Freunde, die Zeit hat sie eher zusammengeschweißt – kämpfen sich durch die Welt nach dem Z-Day. Die Menschheit wurde (mal wieder) von den Untoten heimgesucht, aufgefressen oder schleicht nun selbst als hirnloses Gammelfleisch durch die verwaisten Überreste von dem, was mal die Zivilisation war.

Für Ben und Mickey gibt es nur noch ein Ziel: Den Tag zu überleben. Sie haben alles verloren, nur noch ihr Leben und sich gegenseitig. Mehr gibt es nicht mehr zu schützen, zu erreichen. Zumindest Zottelbart Ben (Selfmademan Gardner selbst) hat das scheinbar schon lange erkannt und akzeptiert. Der sensiblere Mickey hat sich nicht so gut mit der Situation arrangiert. Sie verkörpern die Glas halbvoll- und halbleer-Typen. Ben lebt nur im Hier und Jetzt, begegnet dem Schicksal mit nüchternem Realismus, verpackt mit Galgenhumor und „Scheiß drauf, is' halt so“-Zynismus. Mickey kann und will sich nicht fügen, flüchtet sich hinter seine Kopfhörer, in die Musik seines Discmans. Diese kaputte, vom Tot dominierte Welt ausblenden. Immer mit der Hoffnung auf eine Zukunft jenseits von Nächten auf Bäumen und Dächern, auf die Rekonstruktion dessen, was längst nicht mehr existiert. Es sind diese gegensätzlichen Charaktere, ihre liebevolle Beschreibung und ihre Interaktion miteinander, auf die sich Ben & Mickey vs. The Dead hauptsächlich stützt. Vielleicht notgedrungen, viel Zombieaction kann man bei den Mitteln nicht präsentieren, doch gerade das gelingt dem Film auf eine ganz lockere, unverkrampfte Weise. Ohne das Seifenoperflair von The Walking Dead, ohne großartige Blut- und Goreeffekte, ohne Jump Scares und auch ohne zu sehr auf provozierte Lacher zu setzen.

Trotz seines lässigen Tonfalls und einiger wunderbarer Humoreinlagen (auf die Masturbationsszene hätte man dabei ruhig verzichten können), nicht zuletzt durch die pfiffigen Dialoge und eine begnadete Tanz- und Gesangseinlage von Gardner, ist Ben & Mickey vs. The Dead vom Gefühl klar näher an Romero als an Ulknummern wie Shaun of the Dead oder Zombieland. Er ist apokalyptisch, pessimistisch, alles nur im kleineren Rahmen. Vor allem gehen einem die Figuren nah. Man hat ja praktisch nur die Beiden, wie sie sich gegenseitig, ist immer ganz dicht bei ihnen, gewinnt sie lieb. Fiebert, hofft und leidet umso mehr mit ihnen, spürt ihre Verlorenheit, die durch die weiten, langsamen, teils endlos wirkenden Aufnahmen noch unterstütz wird. Aber wie löst man eigentlich das Problem, dass man in einem Zombiefilm kaum Effekte und Action bieten kann? Das ist eine Besonderheit, die erstaunlich gut funktioniert und vielleicht nicht so dargestellt, wenn das Budget nicht derart limitiert gewesen wäre. Wann immer das Skript eine solche, nicht vernünftig umsetzbare Szene verlangt, wird einfach die unübliche Perspektive gewählt: Statt den Einen im Kampf mit den Zombies zu zeigen, bleibt man bei dem Anderen. Klingt doof, langweilig? Nein, besonders im Finale. Wenn über eine Zigarettenlänge verstreicht, wartet man selbst angespannt darauf, das alles gut ausgehen mag. Die dafür zwingend notwendige Empathie und Sympathie ist längst gegeben.

Fazit

Um es zusammenzufassen: "Ben & Mickey vs. The Dead" spielt vom finanziellen Aufwand in der untersten Amateurliga, ist von seiner reinen Handlung schlicht und oberflächlich nur ein weiterer Zombiefilm, mit seinen 100 Minuten gar einen Hauch zu lang geraten, aber er ist hinreißend bemüht, grundehrlich, mit voller Hingabe gemacht und viel berührender, als alles was sich für Geld kaufen lässt. Das Engagement verdient eine glatte 1 (in Schulnoten), ebenso der Soundtrack, der noch schnell erwähnt werden sollte. Ein Beweis dafür, was sich alles aus Nichts machen lässt. Auf seine ganz eigene Art schon große Klasse.

Autor: Jacko Kunze

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