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Beverly Hills: Eine junge Frau namens Tallulah rettet ein Baby vor dessen nachlässig-sorglosen Mutter Carolyn. Die unbefriedigte Hausfrau, die in ihrer Not keine Betreuerin für ihr Baby finden kann, vertraut ihr Kind spontan der völlig Fremden an, handelt sich damit allerdings mehr ein, als zunächst beabsichtigt. Tallulah gibt infolgedessen nämlich vor, dass das Kind ihr selbst gehört.Unterstützung bei ihrer ausufernden Fürsorge erhält die Babysitterin dabei von der Mutter ihres Ex-Freundes. Als jeder annimmt, dass das kleine Mädchen entführt wurde, geben die zwei es ihrer richtigen Mutter zurück, woraufhin sich zwischen den drei Frauen ein unerwartet enges Band formt.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wie von selbst schüttelt es einen da, wenn man zu Ohren bekommt, dass Tallulah, die neuste Veröffentlichung der Distributionsplattform Netflix, seine Weltpremiere im Januar auf dem Sundance Film Festival gefeiert hat: Das schreit doch schon wieder nach instagramgefilterter Zerstreuung aus der harmonieheischenden Komfortzone! Ein vorgefasstes Urteil, welches sich inzwischen schon so tief in die Köpfe selbsternannter Cineasten gebohrt hat, dass diese gar nicht mehr wahrzunehmen scheinen, mit welcher Vielfalt die einst von Robert Redford (Jenseits von Afrika) ins Leben gerufene Festivität Jahr für Jahr an den Start geht. Nun hat sich Netflix mit Tallulah die Rechte an einem Werk gesichert, welches zwar auch eindeutig mit den Paradigmen des Indie-Kinos hantiert, aber, wie zuletzt Umweg nach Hause, seine Ambitionen mit Erfolg auf dem Fundament zwischenmenschlicher Authentizität errichtet.

Sian Heder, die sich zuvor als Drehbuchautorin der erfolgreichen Gefängnis-Serie Orange Is the New Black verdient gemacht hat, erzählt, und an dieser Stelle sie die Phrase gestattet, erst einmal nichts Neues. Der nächste logische Schritt nach einer solch schwammigen Aussage müsste aber sein: Wie wichtig ist es überhaupt, ein narratives Novum zu generieren, wenn das menschliche Naturell in seiner Fehlbarkeit und seinen Empfindungen doch immer aus dem gleichen Holz geschnitzt bleibt? Tallulah bereitet Konflikte auf, die wir schon in anderen Filmen gesehen haben; und Ellen Page (Inception) als (Leih-)Mutter wider willen dürfte nach ihrer oscarnominierten Performance in Jason Reitmans Juno auch irgendwie bekannt vorkommen. Mindert das die Qualität von Tallulah? Wohl kaum, ist der Kontext immer noch ein anderer, hat die titelgebende Tallulah hier doch nicht zuletzt keinen Vorbereitungszeitraum von 9 Monaten zur Verfügung. 

Das kalte Wasser wartet auf den rastlosen Vagabunden hier nämlich schon nach einer flüchtigen Verwechslung: Von der verantwortungslosen Carolyn (Tammy Blanchard, Blue Jasmine) fälschlicherweise für ein Zimmermädchen gehalten, bemerkt Tallulah schnell, dass das Baby in dieser fahrigen Umgebung nicht gut aufgehoben ist. Was folgt, ist eine Entführung aus utilitaristischer Motivation heraus und eine Flucht zu Margo (Allison Janney, Tammy), der Mutter ihres Ex-Freundes, der sie das Baby als gemeinsames Kind mit ihrem Sohn verkauft. Sian Heder deckt anhand dieser zu Beginn noch reichlich angespannten Beziehungskonstellation nach und nach ein Netz aus Lebenslügen und -krisen auf, die sowohl Tallulah als auch Margo in den Klammergriff genommen hat. Anstatt jedoch vom Scheitern zu berichten, bleibt Heder erbaulich und dokumentiert eine aufkeimende Freundschaft zwischen zwei Frauen, die sich gegenseitig ins Leben zurückbefördern.

Dabei geht es dem mit autobiographischen Zügen versehenen Tallulah vor allem um das Festhalten und Loslassen. In einer Szene liegen sich die beiden Frauen auf einer Wiese im Park gegenüber und sinnieren darüber, was passieren würde, wenn die Gravitationskraft aussetzen würde: Würde man sich in den Ästen der Baumkronen festkrallen oder doch eher ohne Widerstand in die Weiten des Weltalls hinaustreiben? Tallulah, die unkonventionelle Lebenskünstler, würde darum kämpfen, auf der Erde bleiben zu können, weil es ihr hier, ganz simpel, einfach gefällt. Margo hingegen ist ihr eigener Fixpunkt geworden, kämpft sich durch die letzten Trümmer einer gescheiterten Ehe und muss in einer Wohnung leben, in der sie sich nicht wohlfühlt. Das entführte (oder doch eher in Schutzhaft genommene) Baby wird da zu einer Art Rettungsanker, der die Frauen (heraus-)fordert und prägt – und schließlich auch einen Funken inneren Frieden in Aussicht stellt.

Fazit

Wieder einmal hat sich Netflix die Rechte an einem wirklich gelungenen Independent-Flic gesichert: Was zu Anfang nach Schleuderware mieft, entfaltet sich bald als Dokument zweier Frauen, die durch eine Kindesentführung sich selbst und die innere Mitte ihres Lebens entdecken. "Tallulah" mag nicht sonderlich innovativ sein, seine Ambition aber baut der Film mit Erfolg auf zwischenmenschlicher Authentizität – und mehr als solide gespielt ist er auch noch!

Autor: Pascal Reis

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