MB-Kritik

Rehmat 2026

Naseeruddin Shah
Mita Vashisht
Suvinder Vicky

Inhalt

Drei miteinander verwobene Geschichten im heutigen Punjab. Eine Frau gewährt einem verletzten Fremden heimlich Unterschlupf, während seine Familie Trauer und die Last unmöglicher Entscheidungen trägt. Zur selben Zeit taucht in einem Dorf ein rätselhafter alter Mann auf, der sich Gott nennt.

Kritik

Der Titel Gurvinder Singhs (Trolley Times) magische-realistischen Triptychons hat mehrere Bedeutungen, alle miteinander verwoben wie die drei emblematischen Episoden der gemächlichen Handlung. Inspiriert von drei Kurzgeschichten Ajeet Cour, kreist sie um das titelgebende Thema von Empathie. „Mitgefühl“, „Vergebung“ oder „göttliche Gnade“ kann der Begriff bedeuten und der Regisseur ist entschlossen, sich mit allen von ihnen zu befassen. Die narrativen Konflikte der renommierten indischen Autorin, der weibliche Kampf gegen patriarchalische Strukturen und die sozialpolitischen Spannungen in einem gewaltsam getrennten Punjab, sind thematische Trabanten dieses filmischen Mikroskosmos. 

Er öffnet sich dem Publikum mit Genre-Kino evozierender Spannung. Die junge Seema (Diya Kamboj) entdeckt im Haus ihrer wohlhabenden (Mita Vasisht), zu der sie nach einem scheren Verlust zurückgekehrt ist, einen verwundeten Fremden (Harwinder Aujla). Er ist ein angeblich gefährlicher Extremist, den die Polizei in der Nachbarschaft sucht. Eine schreckliche Enthüllung stellt Seemas persönlichen Verlustschmerz gegen das Leben des ungebetenen Gastes. Seinen familiären Hintergrund zeigt die zweite Episode, die seiner Frau Kiran (Navjot Randhawa) und die zwei Kinder im Haushalt ihrer Großeltern.

Auch sie erhalten unerwarteten Besuch, doch diesmal von Gott persönlich. So bezeichnet sich der alte Mann (Naseeruddin Shah, Assi), der in ihrem Wohnort nach seinem Geburtshaus sucht. Ob die gastfreundliche Familie, die den gesundheitlich angeschlagenen Besucher bei sich aufnimmt, seiner Vorstellung glaubt, bleibt ebenso offen wie deren Wahrheit. Im Zentrum der geruhsamen Erzählung stehen die verborgenen und offenen Gefühle der Figuren. Entfremdung, teils endgültige Trennung und der Zwiespalt zwischen Vergeltung und Vergebung ziehen sich als dramaturgischer Leitfaden durch das parabolische Szenario.

Fazit

Der unprätentiöse Naturalismus Shashank Walias Kamera schafft einen subtilen Kontrast zu den Tropen aus Mythen und Märchen, die wie selbstverständlich den harschen Realismus aufbrechen. Das langsame Tempo und die ausgedehnten Gespräche machen die mäandernde Inszenierung indes zur Geduldsprobe. Der Plot variiert gemächlich dreimal die gleiche moralistische Morallektion, deren naiver Idealismus die möglichen Konsequenzen der empathischen Taten ausblendet. Gute Taten werden zum Abstraktum, losgelöst von den Risiken einer diesen traditionalistisch definierten Werten distanzierten Gegenwart. Theatralisches Schauspiel und plakative Symbole übertönen feine poetische Anklänge. 

Autor: Lida Bach
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.