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Ist der Mensch eine Maschine aus Fleisch? Joseph Weizenbaum, Computerpionier und Kritiker des technologischen Größenwahns, tritt an zu seinem letzten Duell mit Raymond Kurzweil und Hiroshi Ishiguro, den Schöpfern von Robotern, die uns ersetzen sollen. Eine faszinierende Reise zu den Laboratorien der künstlichen Intelligenz in USA, Japan, Deutschland und Italien.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wir sehen jeden Tag, was für ein Widerstand ein Computer leisten kann“, sagt Joseph Weizenbaum. Vor einem solchen sitzt der 1923 geborene Computertechnologe, um dann mit einigen Hindernissen ein Musikprogramm zu starten. Der Erfinder des bahnbrechenden Spracherkennungsprogramms ELIZA sieht die rasanten Fortschritte in der Robotik und künstlichen Intelligenz heute skeptisch. Anders der japanische Technologe Hiroshi Ishiguro. Intelligente Maschinen können in der Betreuung alter Menschen oder von Kindern jeden Menschen ersetzen, glaubt er und macht bei sich selbst da keine Ausnahme. Seine Kinder hätten mehr davon, mit einer  Maschine zu spielen, als mit ihrem übermüdeten Vater. Wie zum Beweis für diese Behauptung hat Ishiguro ein Roboterebenbild seiner selbst konstruiert. Wie ein futuristischer Doppelgänger sitzt der zweite Ishiguro neben seinem menschlichen Erfinder. Maschine, Monster, Mensch: Verschwimmen die Grenzen? 

Dokumentarfilmer Jens Schanze untersucht in seiner Kinodokumentation mit spielerischer Neugier und kritischen Zwischentönen Hoffnung und Hybris in der Erforschung künstlicher Intelligenz. „Selbst wenn man die menschliche Intelligenz vollständig nachbildet, hat man noch kein perfektes System“, heißt es einmal in der Reportage „Von Computern und anderen Menschen“. Dabei zeigen leise ironische Szenen, wie unberechenbar die Technologie mitunter ist. Es hieße, der Computer tue, was man ihm sagt, beschreibt es einer der Protagonisten: „Aber er tut oft etwas anderes, als man beabsichtigt hat“ Die Entwicklung künstlicher Intelligenz wirft ein neues Licht auf den Begriff der Göttlichkeit, sagt Minoru Asada, Mitbegründer des Robocity Projekts. Asadas Vision ist, eine den Menschen untergeordnete Roboterspezies zu kreieren. Klingt ein bisschen nach Blade Runner. Utopie und Dystopie verschmelzen in den unkommentierten Fakten, welche Schanze zusammenstellt. „Hab mich lieb“, bittet der Roboter Robovie auf einer Ausstellung drei amüsierte junge Japanerinnen. Äußerlich wirkt Robovie, der hier die Besucher belustigt, nicht humanoid. Sein Verhalten aber lässt ihn überraschend menschlich wirken. Robovies Augen sind Kameras. Davor sitzen Mitarbeiter, die ihn steuern und seine Worte auswählen. Und was, wenn Robovie nicht mehr arbeiten wollte, sondern frei leben? 

Dann wäre der vergnügliche und mittlerweile schon etwas nostalgische Dokumentarfilm Science-Fiction. Die fantastischen Aspekte, die an die Filmthematik angrenzen, lässt Schanze unberührt. Fast scheint es, als fürchte er, die Eindruckskraft der künstlerischen Technikfantasien würde von der seriösen Ausrichtung seiner Reportage ablenken. Dennoch tauchen die Bilder fiktiver Kunstmenschen aus „Metropolis und „A. I.“ unweigerlich vor dem inneren Auge auf. So geht es nicht nur den Zuschauern, sondern den Forschern der Robotik selbst. Das zu realisieren, was er aus den Science-Fiction-Filmen kannte, sei seine Inspiration gewesen, berichtet der Technologe Giorgio Metta. Die Fantasie ist die Grenze und zugleich die größte Hürde für die Wissenschaftler. Joseph Weizenbaum gelingt es schließlich, das gewünschte Musikprogramm auf dem Laptop abzuspielen. Bachs Symphonie. Sie rühren ihn fast zu Tränen und erinnern daran, was Computer nie leisten können werden. Mit den Worten eines der genialsten Informatikgenies, Grace Hopper: „Niemals hatte je eine Maschine eine neue Idee.“

Fazit

Die unterhaltsame Doku stellt die unterschiedlichen Meinungen von Forschern, Technikern und Wissenschaftlern einander gegenüber. Das Ausmaß an Kontrolle, die Computer über das alltägliche Leben haben, scheint in den Jahren seit Entstehung des Films um ein Vielfaches gestiegen.

Autor: Lida Bach

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