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„Motherless Brooklyn“ folgt Lionel Essrog (Norton), einem einsamen Privatdetektiv mit Tourette-Syndrom, bei seinem riskanten Vorhaben, den Mord an seinem Mentor und einzigen Freund Frank Minna (Bruce Willis) aufzuklären. Mit nichts weiter als einigen Hinweisen, aber befeuert von seinem drängenden, obsessiven Verstand deckt Lionel streng gehütete Geheimnisse auf, die entscheidend für das Schicksal und das Gleichgewicht der ganzen Stadt sind. Der rätselhafte Mord spült ihn in Gingeschwängerte Jazzklubs in Harlem, in die unnachgiebigen Slums von Brooklyn und schließlich in die vergoldeten Säle der Mächtigen von New York. Um seinen Freund zu ehren, nimmt Lionel den Kampf gegen Gangster, Korruption und den gefährlichsten Mann der Stadt auf – und um die Frau zu schützen,die seine eigene Rettung sein könnte.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Kino ist keine Wissenschaft. Regelbücher sind nichts wert, wenn am Ende doch die eine, alles entscheidende Zutat fehlt. Die Seele eines jeden Kinos ist dieses rätselhafte, verbindende, unbegreifliche Element, das einen unsichtbaren roten Faden knüpft, aus losen Teilen ein großes Ganzes macht. Die Arbeit hunderter, manchmal tausender Kunstschaffender wird symbiotisch gebündelt. Ein Film entsteht. Der Irrglaube, dass dieser nach bestimmten Regeln funktionieren muss, anhand seiner Funktionalität und Rezepttreue beurteilt werden kann, ist noch immer weit verbreitet. Diese Ideologie stößt aber genau dort an ihre Grenzen, wo es auch die Handwerksarbeit hinter den Filmen tut. Es gibt Filme, die dürfen eigentlich nicht funktionieren, aber tun es trotzdem. Und es gibt Filme, die sind quasi rundum perfekt, aber wissen kein einziges Gefühl auszulösen. Dieses Element, das ihnen abhanden kommt, würde ein Romantiker vermutlich als die Magie des Kinos beschreiben. "If it's in your heart, you express yourself in the tune", hat Louis Armstrong einmal über das Trompetenspiel gesagt. "You either have it or you don't."

In Motherless Brooklyn, der neuesten Regiearbeit von Edward Norton (Fight Club), möchte Privatdetektiv Lionel Essrog den Mord an seinem Mentor Frank Minna (Bruce Willis) aufklären und kommt so unfreiwillig einer politischen Intrige auf die Spur, die bis in die Büros des Bürgermeisters von New York reicht. In einer Szene des Films breitet er alle Beweisfotos auf seinem Schreibtisch aus und starrt sie verzweifelt an. Die Verbindung ist da, liegt ihm auf der Zunge, scheint ihn regelrecht anzuspringen. Aber wo? Es ist das unfreiwillige Sinnbild des Films, den Norton geschrieben, produziert und inszeniert hat, und in dem er selbst die Hauptrolle spielt. Alle Teilelemente sind da, dem Rezept wurde Folge geleistet: Aufwendige Produktionsumstände, große Talente vor und hinter der Kamera, eine verwinkelte Geschichte, die in der Vergangenheit spielt, aber Anknüpfpunkte zu unserer politischen Gegenwart herstellt. Der Norton vor der Kamera kommt natürlich auf die Lösung, findet das verbindende Element. Der hinter der Kamera aber scheitert. Sein auf dem Papier durchaus reizvoller Film Noir möchte einfach nicht leben.

Dieses Element des Films hätte womöglich ein Band geknüpft zwischen dem Intimen und dem Allumfassenden der Geschichte, die hier erzählt wird. Einen Raum geschaffen für die Vielzahl an Figuren, die den Weg von Hauptprotagonist Lionel streifen, und sie in einen Kontext gesetzt zu den monströsen Ausmaßen der Gangstergeschichte, die Norton für den Film extra in die 1950er Jahre verlegte. Stattdessen bleiben die Figuren blass und skizzenhaft; so durchsichtig, dass man sie irgendwann als Schauspieler in albernen Hüten und Mänteln zu erkennen glaubt. Ihre Schicksale scheinen immer seltsam losgelöst von den finsteren Mächten, die in den oberen Regierungsetagen zugange sind. Halbherzig sucht Norton den Bezug zur tagesaktuellen US-Politik, lässt Alec Baldwin unmissverständliche Parolen in Mikrofone sprechen ("Keep America great!") und aus ihren Häusern vertriebene people of color in Protestationen aufmarschieren. An den institutionellen Dimensionen rassistischer Politik wird kein Interesse geäußert - ein einzelner Buhmann in Machtposition muss ausreichen.

Norton scheint fest daran zu glauben, einen klugen Film darüber gedreht zu haben, dass "Trump's America" nur der Fortbestand eines jahrzehntealten Konflikts zwischen arm und reich, schwarz und weiß, gut und böse ist. Sonderlich aufschlussreich ist das nicht. Das muss es natürlich auch nicht sein. Das elegische, geschwätzige Drehbuch aber bietet wenig überzeugende Argumente, sich mit dieser inhaltlichen Schlichtheit zu versöhnen. Noch nicht mal als ästhetische Stilübung möchte man Motherless Brooklyn verstehen, denn dazu sind die Bilder des verruchten New Yorks der 1950er Jahre immer zu artifiziell und hergerichtet. Auch ihnen fehlt das verbindende Element, das sie zu organischen Bestandteilen dieses Weltentwurfs werden lässt. Genau wie die Figuren, die von unangenehmen ideologischen Kanten natürlich freigemacht sind, erscheinen sie zu glatt, zu sauber, und werden dadurch nie wirklich lebendig. Es sind falsche Bilder. Die Figuren in Motherless Brooklyn jagen der Wahrheit hinterher, ihr Film aber erzählt nur Lügen.

Weniger glimpflich als Norton und sein Co-Star Gugu Mbatha-Raw (Das Zeiträtsel) zwischen deren Figuren eine zumindest ansatzweise rührende Romantik der Ausgestoßenen inszeniert wird, kommen die Nebendarsteller davon. Eine Parade großer Talente zieht vorbei - Bruce Willis, Willem Dafoe, Alec Baldwin, Bobby Cannavale, Cherry Jones, Michael K. Williams -, aber keiner von ihnen bekommt einen Fuß in die Tür. Das unausgegorene Drehbuch bietet ihnen keinen Halt. Auch Lionel Essrog gewinnt nicht sonderlich an Facetten, dafür hat Norton zu große Spielfreude am Tourette-Syndrom der Figur, die er mal clever, mal etwas zu billig an Gags auf Kosten der Figur verkauft. Auch hier schreibt und inszeniert er wieder um Haaresbreite an etwas Interessantem vorbei, denn die von der Figur verinnerlichte Einsamkeit darf sogar mehrfach anklingen. Ein gewisser Reiz schwelt in Motherless Brooklyn stets unter der Oberfläche, als wäre er nur einen Kameraschwenk entfernt. Das verbindende Element ist zum Greifen nah, zweieinhalb Stunden lang. Dann setzt der Abspann ein. Mit ihm kommt die Realisation, dass dort nichts war, man ins Leere gegriffen hätte. Der Fall bleibt ungelöst.

Fazit

Edward Norton strandet mit "Motherless Brooklyn" in der künstlerischen Belanglosigkeit. Als Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller hat der dreifach Oscar-Nominierte an seinem Herzensprojekt mitgewirkt. Der Film gibt leider recht wenig Aufschluss darüber, was ihn zu solch einem Wagemut inspirierte. Bis zum Schluss ist das steife Gangsterdrama von einer befremdlichen Leere erfüllt. Gegen das Vergessen sträubt sich lediglich Leslie Mann, die in einem sensationell missratenen Kurzauftritt zu sehen ist. Eine kuriose kreative Entscheidung, die in einem so leblosen Film womöglich sogar etwas wert ist.

Autor: Nikolas Friedrich

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