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Inhalt

Joe zieht es aus der texanischen Provinz nach New York, um dort als Callboy für wohlhabende Damen das große Geld zu machen. Das ist selbstverständlich nicht so leicht wie er es sich vorgestellt hat. Schnell ist er abgebrannt und wird auch noch von dem kleinen Gauner Rizzo übers Ohr gehauen. Ausgerechnet er wird sein einziger Freund in der neuen, fremden Heimat. Gemeinsam schlagen sie sich mehr schlecht als recht durch und hecheln ihren großen Träumen hinterher.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

"Ich hasse das Leben, es widert mich an..."

Schön und voller Manneskraft, das reicht aus Sicht des Texas-Landeis Joe (glänzend: Jon Voight, Beim Sterben ist jeder der Erste) um im Big Apple das große Geld zu machen. Schließlich warten dort alle gutbetuchten Damen nur auf ihn, auf das er sie für Bares beglücken kann. Das der Plan eventuell nicht ganz bis zum Ende durchdacht war, bekommt er schnell zu spüren. Kaum zu glauben, aber nur im schicken Cowboydress durch die Straßen schlendern und fesch aussehen reicht offenbar nicht, damit einem die willigen Ladies das Leben finanzieren. Die Anonymität der Metropole verschluckt Joe schneller als ihm lieb ist. Noch bevor er es sich selbst eingestehen will (oder kann) ist er ein Niemand, ein Vagabund, ein Stricher, der sich von männlichen Freiern einen Blowjob verpassen lassen muss, in der Hoffnung auf ein paar Dollar. 

Naiv und einfach gestrickt wie er ist, lässt er sich sogar von einem offensichtlichen Windhund und Verlierer wie dem abgegrabbelten Hinkebein-Halunken Rizzo (glänzt auch ungewaschen locker mit: Dustin Hoffman, Kramer gegen Kramer) aufs Kreuz legen.  Zunächst, denn in ihm findet Joe einen Gleichgesinnten, einen Freund. Eine ebenso perspektivlose Von-der-Hand-in-den-Mund-Existenz, die sich stoisch an seinen großen Traum klammert…denn wenn sie das aufgeben würden, nur das Hier und Jetzt realistisch betrachten, gäbe es keine Hoffnung mehr. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ganz besonders in der Stadt die niemals schläft kann man noch vom Tellerwäscher zum Millionär werden, solange man nur an sich glaubt. Von wegen. John Schlesinger (Der Marathon-Mann) lässt seinen Midnight-Cowboy heftig auflaufen und präsentiert das Scheitern des American Dream in ungewohntem Milieu, im Schatten der grellen Lichter und Neonlettern. 

Eine Großstadt- und Loserballade, mit Witz, Melancholie und ganz besonders Empathie für seine verlorenen Helden. Sie sind verkrüppelt, von außen wie innen, vegetieren am Rande der Gesellschaft vor sich hin, doch geben sich nicht auf. So werden aus - nach klassischen Heldenstandards der Filmwelt - unüblichen Figuren Sympathieträger, deren Schicksal nicht etwa als belehrendes Moralstück herhalten soll, sondern einfach die Kehrseite der Medaille zeigt. Ehrlich und ungeschönt, so sehr wie damals kaum ein großer Film. Asphalt-Cowboy ist ein Dokument aus einer Zeit des Umbruchs, in Hollywood wie der Gesellschaft allgemein. Diesen Geist weiß Schlesinger auf die Leinwand zu transportieren, nicht nur durch seine untypische Geschichte mit seinen wenig vorbildlichen Charakteren, er vermittelt anhand ihrer täglichen Odyssee durch die Straßen von New York Impressionen der späten 60er, ein Querschnitt durch die verschiedenen Schichten und Lebensansichten. Ein gerade aus der heutigen Perspektive ungemein interessanter und faszinierender Einblick. Auch inszenatorisch bricht Schlesinger gezielt aus der Norm des kommerziellen Studiofilms aus. 

Die Vergangenheit von Joe wird durch fragmentarische Flashbacks in die Geschichte integriert und – ebenso wie eine Tagtraumsequenz von Rizzo – mit einer surrealen, leicht psychedelischen Note versehen. Eskapismus aus dem traditionellen Muster des Geschichtenerzählens, wie der gesamte Film. Denn genau genommen erzählt Asphalt-Cowboy keine übliche Story nach dem Drei-Akt-Muster. Man treibt durch das Geschehen, wie seine Antihelden durch ihren Alltag. Manchmal ohne direktes Ziel, nicht jeder Moment erfüllt einen offensichtlichen Sinn für das Gesamte. Auf den Weg kommt es meistens an. Und diesen säumt Schlesinger mit einem einzigartigen Gefühl. Mit Humor, Tragödie, reichlich Rückschlägen und kleinen Erfolgserlebnissen, die für den Momente die Strapazen vergessen lassen. Ein rastloses, wenig konformes Werk mit ganz viel Herz und noch mehr Seele. Eine hässlich-schöne Liebeserklärung an New York und ganz besonders an seine gescheiterten Existenzen.

Fazit

Noch wenige Jahre zuvor wäre dieser Stoff wohl kaum von einem großen Studio verfilmt worden, geschweige denn hätte bei den Oscars drei der wichtigsten Trophäen abgeräumt (Film, Regie, Drehbuch). Dank dem aus der finanziellen Not geborenen Vertrauen in die jungen, eigenwillige Filmemacher der New-Hollywood-Ära wurde so mancher Klassiker geschaffen, der den damaligen Zeitgeist auch heute noch spürbar macht. "Asphalt-Cowboy" von John Schlesinger gehört definitiv dazu und begeistert als feinfühlige Loserballade, die dem Zuschauer das Scheitern am American Way of Life so bitter wie zärtlich vor Augen führt. 

Kritik: Jacko Kunze

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