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Paris, Sommer 1979. Filmemacherin Anne verdient ihr Geld als Regisseurin und Produzentin drittklassiger Schwulenpornos. Als sie von ihrer Freundin Loïs verlassen wird, beschließt Anne die Geliebte, die zugleich die Cutterin ihrer Filme ist, mit einem ambitionierten Filmprojekt zurückzugewinnen. Doch eine brutale Mordserie überschattet den Dreh: Ein mysteriöser Killer dezimiert Cast und Crew. Als die polizeilichen Ermittlungen nicht vorankommen, will Anne dem Mörder selbst eine Falle stellen. Doch ihr Plan bringt das verbleibende Team in größte Gefahr...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Man fühlt sich erst einmal unweigerlich an William Friedkins Cruising erinnert, wenn Messer im Herz verschwitzte, in Ledermontur gehüllte Männerkörper im blau-roten Schein eines Pariser Nachtclubs in Augenschein nimmt. Auch hier treibt ein Mörder sein Unwesen, auch seine Opfer sein Homosexuelle. Genauer gesagt handelt es sich um Darsteller aus Schwulenpornos, die der maskierte Schlitzer erst mit einem voluminösen Dildo liebkost, bis aus diesem eine geschliffene Klinge hervorspringt, die nur darauf wartet, in das saftig-stramme Fleisch der Burschen einzudringen. In dem neuen Film von Yann Gonzalez (Begegnungen nach Mitternacht) ist der Akt der Penetration damit also nicht allein lustvoller Natur, sondern auch tödlich codiert. Überraschenderweise ist Messer im Herz dennoch eine ungemein zärtliche Sinneserfahrung geworden, deren Anspruch nicht das Verstören, sondern das Schwelgen ist. 

Wenn sich ratternden Projektoren, das weiche 16mm-Filmmaterial und die daraus resultierenden, herrlich körnigen Bilder vereinen, dann verdeutlicht Messer im Herz, dass ihm auch daran gelegen ist, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Yann Gonzalez' Vorbilder hören dabei nicht nur auf die Namen William Friedkin und Brian De Palma (Dressed to Kill), vielmehr noch interessiert ihn der Fetischismus des 1970er Jahre Giallo-Kinos aus Italien sowie die Ära der schwulen Pornographie jener Dekade. Gonzalez' zelebriert Körper, in dem sie nicht nur im Taumel des Hedonismus zur Entfaltung gebracht werden, sondern auch in ihrer Zerstörung eine Form der gestörten Kommunikation entdeckt. Der Titel des Films ist dabei natürlich vor allem metaphorisch zu verstehen: Letztlich geht es um Menschen, die nach Liebe flehen, aber nur Schmerz erhalten. Der Serienkiller ist nur ein extremes Produkt dieses Leidens.

Es ist jedoch die ungemein stilbewusste Audiovisualität, durch die sich Messer im Herz in die Gehirnwindungen seiner Zuschauer einbrennt. Wenn ausgeprägte Farbfilter auf nackte Leiber fallen und einen bisweilen tranceartigen Bilderbogen kreieren, der in seiner formalästhetischen Überwältigung gleichermaßen von Lust und Qual zehrt, dann beweist Yann Gonzalez, dass er nicht nur handwerklich, sondern auch filmhistorisch überaus bewandert ist. Seine sinnlich-entrückte (Horror-)Vision aus Sexualität und Gewalt chiffriert sich in ihren eindrucksvollen Momenten zu einer stimulierenden Wanderung durch delirante Alptraumlandschaften, in denen verkrüppelte Seelen nach einer Möglichkeit suchen, sich selbst ertragen zu können. Ein echter Coup ist zudem die Besetzung von Vanessa Paradis (Die Frau auf der Brücke), die ebenfalls wie ein Echo aus einer anderen Zeit wirkt - und deshalb so wunderbar in diesen famosen Sehnsuchtsreigen passt.

Fazit

Mit "Messer im Kopf" liefert Regisseur Yann Gonzalez eine wunderbare Hommage an das Giallo-Kino der 1970er Jahre ab. In seiner formalästhetischen Überwältigung stimuliert der Film den Zuschauer gleichermaßen mit den Untiefen des Lust- und Schmerzempfinden und entwirft daraus eine sinnlich-entrückte Wanderung durch die deliranten Alptraumlandschaften unserer Seele.

Autor: Pascal Reis

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