Inhalt
Die französische Geheimagentin Mata (Eye Haïdara) überlebt knapp einen fehlgeschlagenen Einsatz im Niger, bei dem ihr Kollege Antoine (Raphaël Personnaz) entführt wird. Als ihr von offizieller Stelle verboten wird, nach ihm zu suchen, und sie stattdessen in den Alpen versetzt wird, geht sie eigenen Hinweisen nach. Dabei kommt sie einer gefährlichen Verschwörung auf die Spur, die tief in die Strukturen des französischen Auslandsgeheimdienstes reicht.
Kritik
Wenn es um Agententhriller geht, hat man im Vorfeld eine gewisse Erwartungshaltung, die Im Visier der Macht nicht einmal ansatzweise erfüllen kann. Während die Anfangsszenen durchaus dazu geeignet sind, das Interesse der Zuschauer zu wecken, besteht der restliche Film zum größten Teil aus Büroszenen und minimal aufregenden Überwachungsszenen. Man startet mit der Vorgeschichte von zwei Agenten, die sich im Niger für Entwicklungshelfer ausgeben und kurz nach Beginn des Films von den Terroristen angegriffen werden. Diese Ausgangssituation klingt ziemlich vielversprechend und doch löst sich die anfängliche Spannung in nichts auf, es sei denn, man findet es unglaublich fesselnd, wie eine Agentin (Eye Haïdara, Furies) immer wieder auf ihre psychische Tauglichkeit geprüft wird. Sie muss nicht nur ständig zum Psychiater, sondern unterrichtet auch noch eine Auszubildende, was genauso „spannend“ ist, wie es sich anhört. Dabei ermittelt sie natürlich noch in dem Fall ihres verschwundenen Kameraden. Das Erzähltempo bleibt dabei stets gemächlich und interessanterweise bringt eine der Figuren selbst Colombo ins Spiel. Offensichtlich orientiert sich der Thriller stark an der Krimiserie, zumindest, was die Erzählgeschwindigkeit angeht.
Nur kann Im Visier der Macht bei Weitem nicht mit Colombo mithalten, weil die Dialoge nicht so exzellent sind wie bei Colombo und auch die Umsetzung und das gesamte Drehbuch lassen zu wünschen übrig. Wenn in diesem Film auch kurz die Funken von Spannung aufflackern, werden sie innerhalb von ein paar Minuten sofort eingestampft und schon verpufft jegliches Interesse. Wie schafft man es eigentlich, einen Thriller zu drehen, der höchstens drei Szenen enthält, die einigermaßen packend sind? Gerade wenn man an solche Filme wie Der Staatsfeind Nr. 1, die „Bourne“-Reihe oder Mission: Impossible denkt, muss man mit Bedauern feststellen, dass Im Visier der Macht deutlich schwächelt. Sogar die Verfolgungsszene, die das Finale einleiten soll, ist erbärmlich inszeniert und spricht dafür, dass der Film nicht die Mittel hatte, um aus dem Film mehr zu machen als nur einen simplen Nullachtfünfzehn-Thriller. Selbstverständlich muss man nicht für jeden Film hunderte Millionen ausgeben, aber auch von Low-Budget-Filmen kann man durchaus erwarten, dass der Film Höhepunkte hat, die auch als solche erkennbar sind. Im Visier der Macht setzt die Schwerpunkte falsch und schafft es zu keinem Zeitpunkt, zu fesseln.
Sogar die Szenen, die offensichtlich als emotionale Szenen angelegt sind, fühlen sich seltsam emotionslos an. Ein kleines taubstummes Mädchen vermisst ihren entführten Vater und dennoch empfindet man als Zuschauer nur Gleichgültigkeit und der Grund dafür ist, dass der Film sich zu wenig Zeit nimmt, den Vater vorzustellen. Es wird also irgendein Typ entführt, noch bevor er richtig in dem Film eingeführt wurde. Deswegen ist es dem Zuschauer auch herzlich egal, ob seine Tochter ihn vermisst oder nicht, weil die Figur des Vaters seltsam farblos bleibt. Die Figur der Mata bekommt auf jeden Fall mehr Tiefe, doch auch sie hat einen sehr niedrigen Unterhaltungsfaktor und die Drehbuchautorin und Regisseurin Rachel Lang tut leider absolut gar nichts, um diesen Faktor zu steigern. Trotz der ganzen Kritikpunkte hat der Film tatsächlich etwas Positives und das ist die Widmung an die Soldaten. Nur leider fragt man sich gerade aus diesem Grund, wo die emotionale Seite einer naturgemäß traurigen Geschichte abgeblieben ist. Schade.
Fazit
Ein eher enttäuschender Nullachtfünfzehn-Thriller, der weder mit Spannung noch Emotionalität dienen kann und mit einem erstaunlich langsamen Erzähltempo voranschreitet.