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In sechs unabhängigen Episoden berichtet der Film über die Menschen von Neapel und erzählt mal traurige, mal rührende, mal skurrile und mal sehr nachdenkliche Geschichten – oder manchmal auch alles auf einmal.

Kritik

Vittorio De Sica zählt zu den bedeutendsten Regisseuren des italienischen Nachkriegskinos. Filme wie Schuhputzer oder Fahrraddiebe sind Meisterwerke des Neorealismus und liefern als sensible Gesellschaftsstudien einen sowohl ungeschönten wie trotzdem hoffnungsvollen Einblick in den Alltag der weniger privilegierten Schichten einer von Armut und Perspektivlosigkeit gebeutelten Nation. Auch sein Episodenfilm Das Gold von Neapel beschäftigt sich mit den Schicksalen verschiedener Menschen, verpackt dieses jedoch nicht nur wegen seiner Erzählweise in einen ganz anderen Rahmen.

Der Film ist eine Liebeserklärung an die Stadt am Fuße des Vesuvs. An sie und ihre Bewohner, denen man sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise an nährt. Da wäre z.B. der gutmütige Familienvater Saverino (Totò, Diebe haben's schwer), bei dem sich seit Jahren ein Ganove eingenistet hat und seine Familie und ihn tyrannisiert. Als er erfährt, dass dieser tot krank ist, setzt er sich endlich gegen ihn zur Wehr. Oder die rassige Pizzabäckerin Sophia (Sophia Loren, Arabeske), die nach einem Schäferstündchen mit ihrem Liebhaber dort den Ehering vergessen hat und nun ihrem Gatten weiß macht, das Schmuckstück in eine der verkauften Pizzen eingebacken zu haben. Zudem erweist eine Mutter ihrem verstorbenen Kind auf einem Trauerzug die letzte Ehre, ein spielsüchtiger Adliger (Vittorio De Sica höchstpersönlich) beißt sich die Zähne beim Kartenspiel mit einem kleinen Jungen aus, eine vermeidliche Aschenputtel-Geschichte wird zur makabren Bußestunde und ein weiser Mann steht seinen ratlosen Mitmenschen mit guten Tipps für alle Lebenslagen zur Seite.

Oftmals unterliegt so ein Episodenfilm qualitativ größerer Schwankungen, Das Gold von Neapel kann jedoch durch die Bank als äußert gelungen beurteilt werden. Natürlich ist die eine Etappe etwas besser als die andere. Speziell die in der ursprünglichen deutschen Fassung entfernte, dritte Story über eine trauernde Mutter ist in ihrer reduzierten Art herausragend. Die fast ohne Dialoge oder eine vollständige Geschichte auskommt, aber so präzise beobachtet und eindringlich inszeniert ist, dass sie einem wohl lange im Gedächtnis bleiben wird. De Sica gelingt ein wunderbarer Querschnitt durch die Bevölkerung Neapels, klammert sich dabei jedoch nicht an die Regeln des Neorealismus. Seine kleine Anekdoten-Ansammlung ist schrullig, herzlich, oftmals sogar skurril und immer auch leicht melancholisch veranlagt. Die vorhandenen Figuren sind alles andere als perfekt oder tugendhaft, besitzen aber neben ihren Ecken und Kanten unheimlich viel Charme und gewinnen spielend die Sympathie des Zuschauers. Hatte sich De Sica zuvor mit dem übertrieben kitschigen Sozial-Märchen Wunder von Mailand noch mächtig verhoben, findet er hier eine sehr harmonische Mischung aus erzählerischer Verspieltheit, seriöser Dramaturgie und leicht sarkastischer Ironie. Ein stimmiges Gesamtpaket.

Fazit

Kein weiteres Meisterwerk von Vittorio De Sica, dennoch ein sehr schöner, unterhaltsamer, feinfühliger und hervorragend inszenierter Film. Abwechslungsreich und trotz alledem wie aus einem Guss. Die knapp 130 Minuten gehen somit unwahrscheinlich schnell vorbei und am Ende wünscht man sich glatt, es würde noch die ein oder andere Zugabe folgen.

Autor: Jacko Kunze

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