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Bergarbeiter Frank Machin wird als neues Talent im Rugbysport entdeckt. Blitzartig steigt der Nobody zum gefeierten Helden auf, zudem scheint er mühsam das Herz der Witwe Hammond zu erobern, bei der er zur Miete wohnt. Doch der sportliche Erfolg kann nicht über seine soziale Inkompetenz hinwegtäuschen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es ist immer wieder verwunderlich, wie sehr manche Filme mit den Jahren in Vergessenheit geraten. Egal, wie sie zu ihrer Zeit wahrgenommen wurde, teilweise verschwinden selbst ausgezeichnete (bezogen auf ihre Qualität wie Auszeichnungen im wörtlichen Sinne) und bedeutende Werke irgendwo in den Archiven und werden maximal von Historikern nochmal am Rande erwähnt. „Lockender Lorbeer“ ist ein Musterbeispiel dafür. International bejubelt, mit wichtigen Darstellerpreisen (Richard Harris, „Der Mann, den sie Pferd nannten“, „Bester Darsteller“ in Cannes; Rachel Roberts, „Picknick am Valentinstag“, „Beste Darstellerin“ bei den BAFTA Awards) sowie Oscarnominierungen geadelt, trotzdem heute kaum noch bekannt. Warum? Keine Ahnung…

Der Film von Lindsay Anderson („Britannia Hospital“) ist unverkennbar der geistige Vater von Martin Scorseses (fast zwanzig Jahre später entstandenen) Klassiker „Wie ein wilder Stier“, ohne das recherchieren zu müssen. Purer Zufall ausgeschlossen, zu ähnlich sind sich beide Filme sowohl in Inhalt, Herangehensweise, Inszenierung und Wirkung. Somit besteht auch qualitativ kein großer Unterschied. „Lockender Lorbeer“ ist nicht weniger als eine brillante Charakter- und Milieustudie, inszenatorisch wie thematisch orientiert am europäischen Autoren-Kinos, auf Realismus und Bodennähe statt auf Hollywood-Traumfängerei begründet. Die Sport-Thematik ist eine Metapher, nicht das formelhafte, US-übliche „From-Zero-to-Hero“-Gerüst, für Helden ist hier kein Platz. Frank Machin (Harris) ist ein Verlierer, war es schon immer und wird nie etwas anderes sein können. Seine Wut und sein Unzufriedenheit ebnen ihm den Weg zum Erfolg, auf dem Spielfeld kann er seinen Frust kanalisieren, wird sogar dafür gefeiert, als wilde Sau wüten zu dürfen. Endlich bekommt er Anerkennung für das, was er ist. Doch nur auf dem Feld. Abseits des Grüns ist er immer noch ein armer Tropf, geblendet durch das Schulterklopfen und den Zuspruch, den der sportliche Erfolg mit sich bringt. Geld, Ruhm und Prominenz sind der Lohn, dafür kann man sich allerdings nur schöne Autos und anderen Schnickschnack kaufen. Keine Liebe, keine Gefühle. Was er nicht versteht.

Selbst in der Inszenierung seiner wenigen Sport-Szenen ist der Vergleich zu „Wie ein wilder Stier“ nicht von der Hand zu weisen. Die nehmen kaum Raum ein, sind dafür (und für seine Zeit) mit einer ruppigen Wucht, eine realistischen Direktheit vorgetragen und verfolgen nicht nur als Schauwert einen Sinn. Ein Spiegelbild von Franks Werdegang, vom Höhenflug zum Kieferbruch. Als seine sportliche Zukunft - sein Strohhalm aus dem sozialen Elend - auf der Kippe steht, rekapituliert er sein Leben ( „Citizen Kane“ lässt grüßen, erzählerisch bewegt sich „Lockender Lorbeer“ eindeutig auf diesem Weg). Und erkennt, was im Laufe der Zeit so geschehen ist…sollte man meinen. Tatsächlich erkennt er es nicht, erst in der Folge und viel zu spät. Der Zuschauer (im Idealfall) schon, und das offenbart ihm einen großartigen Film. „Lockender Lorbeer“ ist kein Film über Sport, er ist ein Film über Menschen. Über gebrochene, verletzte und verletzende Menschen, die nicht aus ihrer Haut können. Sie wollen, sie haben die Chance dazu, aber sie schaden sich mehr, als das sie sich guttun. Obwohl sie das eigentlich nicht müssten, nicht sollten. Statt ihr Glück aneinander zu finden, ziehen sie sich gegenseitig runter. Können nicht aufeinander eingehen, steuern auf das Unglück zu. Eine destruktive Liebesgeschichte, ganz nah an seinen ausführlich und glaubhaft skizzierten Figuren. Mit sensationellen Darstellern und einem niederschmetternden Ende. So sehr er doch seine schützende Hand über sie halten möchte, es ist zu spät, zu Ende. Tja…

Fazit

Ein ganz fantastischer Film. „Lockender Lorbeer“ ist eine soziale und zwischenmenschliche Parabel, erzählt ein Gleichnis auf einem barbarischen, männlichen Schlachtfeld, auf dem Gefühle keine Rolle spielen. Und wenn es unser „Held“ bemerkt, ist es schon zu spät. Großes Kino, Pflichtveranstaltung.

Autor: Jacko Kunze

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