3.5

MB-Kritik

The Devil's Men 1976

Horror, Drama – USA, UK, Greece

3.5

Donald Pleasence
Peter Cushing
Luan Peters
Nikos Verlekis
Kostas Karagiorgis
Dimitris Bislanis
Anna Matzourani
Robert Behling
Anestis Vlahos
Jane Lyle
Jessica Dublin

Inhalt

Nachdem in seiner griechischen Heimat bereits zwei junge Pärchen auf mysteriöse Weise verschwunden sind, holt der irische Geistliche Father Roche einen befreundeten Privatdetektiv aus New York zur Hilfe. Die Spur führt zum Anwesen des seltsamen Baron Corofax, der offenbar einen heidnischen Kult anführt.

Kritik

„Whatever it is, it’s gone now. Probably just a cow lost in the woods…“

…ja, die griechischen Wald-Kühe, eine echte Landplage in der Region. Moment mal, hold my Ouzo, ist das nicht eine britische Produktion? Jein. Poseidon Films wurde technisch in Großbritannien gegründet, unterstand aber dem griechisch-zypriotischen Produzenten Frixos Constantine und The Devil’s Men wurde praktisch komplett nach Griechenland outgesourct, wo der Dreh stattfand und auch Landsmann Kostas Karagiannis (Tango 2001) die Regie übernahm. Griechisches Genre-Kino, da war doch mal was? Richtig, ein Jahr zuvor wurde mit Die Teuflischen von Mykonos die Latte für europäisches Exploitation-Kino sehr hochgelegt. Von einer derartigen Radikalität ist man hier allerdings ganz weit entfernt. Nicht nur wegen der Personalie Peter Cushing (Der Hund von Baskerville) erinnert hier ganz viel an eine Produktion der Hammer-Studios, jedoch leider exakt an eine aus dieser Zeit. 1976 lag das Studio in den letzten Zuckungen und trug sich mit Die Braut des Satans final zu Grabe, da man den B-Movie-Glanz vergangener Tage längst eingebüßt und den Anschluss an das moderne Horror-Kino verpasst hatte. 

In The Devil’s Men verschwinden junge Pärchen in Griechenland spurlos, wobei das Publikum bereits beim Vorspann den allwissenden Vorteil erhält. Sie werden nämlich von einer okkulten Gemeinschaft in farbenfrohen Satin-Kutten einer Minotaurus-Statur geopfert, die neben Flammen auch direkt der Titel aus dem Nasenloch rotzt. Alles unter der Ägide der grauen und sehr unterernährten Grusel-Eminenz Peter Cushing, hier in der Rolle des aus den Karpaten (woher sonst?) immigrierten Baron Corofax. Wir wissen also sofort, wer die Wurzel allen Übels ist. Warum, das dürfte sich noch klären. Dies will insbesondere der ebenfalls immigrierte (diesmal aus Irland) Geistliche Father Roche (Donald Pleasence, Halloween – Die Nacht des Grauens) herausfinden, der dafür sogar extra seinen guten Freund, den Privatdetektiv Milo (Kostas Karagiorgis, Anomalo fortio) aus New York einfliegen lässt. Dafür zieht sich dieser Gott sei Dank mal etwas an, bei den vorangegangenen Telefonaten war er aus unerfindlichen Gründen jedes Mal nackig und speziell bei einem Griechenland-Trip in den 70ern könnte man diesbezüglich einiges vermuten. Aber Glück gehabt, irgendwo hingen dann doch noch Klamotten im Schrank und so fällt Milo nur durch seine im Dunkeln beinah vorteilhaft leuchtend-graue Mähne auf. 

Gemeinsam machen sich nun der besorgte Geistliche und der eher entspannte Yankie auf die Suche nach den verschollenen Twens und da wir ja eh schon wissen, dass sie erstmal die Höhle mit dem Minotaurus aufspüren müssen, gestaltet sich 2/3 des Films als lähmend-zähe Kaugummiveranstaltung, in der praktisch nichts Interessantes passiert. Vereinzelt eingestreute „Spannungs-Momente“ wirken schlichtweg albern, wie schon beschriebene Kuh-Prognose und auch sonst sind nur zwei Aspekte zwischendurch ganz interessant. Da wären die komplett lächerlichen Dialoge („He was on the edge of death, but it takes more than the force of an automobile to destroy them!“) und natürlich die beiden Top-Stars, die auch hier wieder aufzeigen, warum sie diesen Status zurecht innehaben. Donald Pleasence zeichnete immer aus, dass er sich selbst in den schlechtesten Produktionen offensichtlich nicht seine Spielfreunde nehmen ließ und stets mit vollem Engagement, aber auch der notwendigen Ironie agierte, dass er auch die widrigsten Umstände damit überstrahlte. Dem gegenüber ein Peter Cushing, der auch so was mit einer erstaunlichen Ernsthaftigkeit angeht, als würde er gerade für Shakespeare auf der Theaterbühne stehen. 

Das ist so eine famose Kombination inmitten eines überwiegend stinklangweiligen Schundfilms, dass man daran doch fast droht Spaß zu haben. Wäre es doch bloß nicht so massiv irrelevant, dass selbst die theoretisch brauchbare Thematik um eine okkultisch unterjochte Dorfgemeinschaft gar keine Wirkung entfaltet und man sich eigentlich nur noch an den versehentlich erheiternden Momenten verzweifelt hochzieht, die aber selbst dafür zu spartanisch vorhanden sind. 

Fazit

Nur dank der unbändigen (und bemerkenswerten, da speziell in diesem Fall kaum zu erklärenden) Spielfreude vom britischen Hochadel Donald Pleasence & Peter Cushing und einiger wirklich kurios-albernen Momentaufnahmen zwischenzeitlich überhaupt so was wie mal versehentlich amüsant. Ansonsten eine zurecht in Vergessenheit geratene Kartei-Leiche des europäischen Horrorfilms, die versuchte aus der Lücke der sterbenden Hammer-Studios Profit zu schlagen. 

Autor: Jacko Kunze
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.