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Der Matrose Victor soll einen Kameraden umgebracht haben. Maria Ignatenko erzählt vom Vorlauf zu einem Mord, ohne dabei direkte Kausalitäten ins Feld zu führen, und entwirft ein Reich zwischen Leben und Tod, eine kinematographische Welt der Trauer.

Kritik

Wie ein Traum bewegt sich Mariya Ignatenkos In Deep Sleep an den Grenzen der filmischen Narration. Dabei ist die Ausgangslage des Filmes relativ leicht verständlich: Der Matrose Victor (Vadim Korolev) verliert seine Frau Nika (Lyudmila Duplyakina) durch irgendeine, nicht näher benannte, Krankheit. Dieses Ereignis steht im Mittelpunkt dieser sehr mysteriösen und handlungstechnisch fast undurchdringbaren Wanderung durch eine emotionale Landschaft. Der Rest des Filmes gestaltet sich etwas unkonventioneller. Bestehend aus fast vollständig dialogbefreiten Sequenzen beginnt das endlose Umherstapfen Victors durch eine Welt, in der bis auf ihn alle Menschen in einen komatösen Schlaf verfallen sind. Alleine bewegt er sich durch einen leeren Winter auf der Suche nach Erlösung von seiner Trauer. Auf irgendetwas bewegt er sich zu und irgendetwas bricht an. 

Regisseurin Ignatenkov findet wundervoll simple Bilder, um ein trauerndes Innenleben abzubilden. Die langen Fahrten der Kamera, sowohl durch die Landschaft wie auch durch Gesichter, tastet sich entlang einer eingefrorenen Realität. Sie vereinen in sich Isolation, Trauer und unterdrückte Wut, denn die Bilder wirken trotz des permanenten Stillstands instabil. Oft wackelt die Kamera unkontrolliert und gleitet urplötzlich vom Geschehen ab. Im Zentrum dieser abstrakten Trauerarbeit liegt ein heranbrechendes Unheil. Als stimmiges Mood-Piece ist In Deep Sleep nämlich dazu noch ein sehr fragmentierter Kriminalfilm, wenn eine hinreißend melancholische Tanzszene an einen modernen Noir erinnert. Durch diese sehr verspielte und angenehm unterschwellige Wahl der Inszenierung verweigert sich Ignatenkov einer Psychologisierung der Trauer und eröffnet eine private Welt, losgelöst von konventionellen Barrieren. 

Hinzu kommt ein verstörendes Sounddesign, welches die Stille in den markanten Momenten durch klangliche Verfremdungen aggressiv unterbricht. Oftmals nimmt der Film fast Züge einer Meditation an, wenn auch einige Sequenzen markant aus dieser Langsamkeit herausfallen. Die Stimmung dieser filmischen REM-Phase ist einladend, aber emotional oftmals schwer zugänglich. Da sich einige Sequenzen erst retrospektiv voll erschließen kann der Film in seinen monotonen Sequenzen etwas anstrengend wirken, da auch der Protagonist Victor eher reine Projektionsfläche, denn funktionierender Charakter ist. Die strenge Langsamkeit ergibt sich wohl aus der Konsequenz der Trauminszenierung. Der narrative Rahmen löst sich mehr und mehr auf, nur um sich dann wieder zu kristallisieren und der Trance einen Endpunkt setzen.

Fazit

„In Deep Sleep“ ist ein wundervoll melancholisches Mood Piece dessen, der Logik eines Traumes folgenden, Struktur meditativ und einladend wirkt.

Autor: Jakob Jurisch

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