5.8

MB-Kritik

Ich war zuhause, aber 2019

Drama

5.8

Inhalt

Eine Woche war der 13-jährige Phillip (Jakob Lassalle), der Sohn von Astrid (Maren Eggert), wie vom Erdboden verschwunden. Nun ist er auf einmal wieder da, ohne eine Erklärung, wo er war oder was ihn dazu getrieben hat. Nur sein Fuß scheint verletzt zu sein. Über die Gründe von Phillips Verschwinden können sowohl Astrid als auch Phillips Lehrer nur mutmaßen. Sie fragen sich, wonach er gesucht hat, wollte er nach dem Tod seines Vaters der Natur ausgeliefert sein? Sich dem Tod annähern? Nachdem langsam Normalität in den Alltag der Familie einkehrt, probt Phillip mit seiner Klasse „Hamlet“ von Shakespeare. Währenddessen geht seine Mutter wieder ihrem Beruf in einem Berliner Kunstbetrieb nach, kauft ein Fahrrad und kümmert sich um Phillip und seine Schwester. Doch nach wie vor fällt es ihr schwer, zu akzeptieren, dass Phillip ein eigenes Leben führt, auf das sie keinen Einfluss nehmen kann. Doch eines Tages entzündet sich Phillips Wunde am Bein und er muss mit einer Blutvergiftung ins Krankenhaus. Astrids Nerven sich am Ende, doch die Kinder wenden sich weiter von ihr ab...

Kritik

Esel, Hund und Hase werden sogar im Abspann genannt. Das haben die Drei sich auch verdient, denn sie leisten in dem unerträglich uninteressanten Wettbewerbsbeitrag die meiste Schauspielarbeit. Der Hase läuft übers Feld. Der Hund jagt den Hasen. Der Esel guckt aus dem Fenster eines Stalls und wirkt dezent gelangweilt. Die Belanglosigkeit der Dinge und Dialoge, die in zähen 105 Minuten selbst den Berlinale-Signature-Clip wie nervenzerfetzendes Drama voller Tiefgang erscheinen lässt, erwischt artübergreifend sogar die genügsamsten Huftiere. Den Hasen erwischt was anderes, nämlich der Hund. Das Ende einer jungen Schauspielkarriere? Weltbewegenden Fragen, die aufkommen, während die Kamera an Wänden klebt, Haustüren und auch mal einem Stück Waldboden. 

Der Waldboden kommt später nochmals vor und - Spoiler Alert! - genauso der Esel. Selbigen assoziierte ein Kollege, der ebenfalls ratlos einen Sinn in der drögen Bilderfolge zu finden sichte, an die Bremer Stadtmusikanten. Zu denen gehörten aber eine Katze und ein Hahn. Einziges Federvieh, das in der Montage Marke „Schnittmüll“ auftaucht, ist ein Rebhuhn. Wie das auf dem Filmplakat. Das hat also nicht zu viel versprochen in der Beziehung. Übersteigerte Erwartungshaltungen weckt höchstens der Aufdruck „69. Berlinale“. Wobei - das gilt wahrscheinlich nicht mehr in Zukunft, wenn der Wettbewerb als einer der schlechtesten ever erinnert wird. Und was wäre ein worst of ohne Angela Schanelec (Der Traumhafte Weg), die schon mehrfach Festivaltiefpunkte setzt. 

Das war damals im Forum („schlechter Forums-Film“ will was heißen). Ihr jüngstes Werk ist bar jeder Ästhetik, Dramatik und Sinnigkeit, dafür randvoll mit Prätention. Beherrscht die platten Aufnahmen nicht erschöpfende Stille, regiert noch erschöpfenderer Pseudo-Intellektualismus. Da palavert Neurotikerin Astrid (Maren Eggert, Nichts Passiert), dass man „nur etwas beherrscht, wenn man die Kontrolle verliert“, dass es „zwischen denen, die sich begegnen, keine gemeinsame Wahrheit gibt“, dafür aber "Elemente, die sich nicht verbinden, aus denen einfach nichts entsteht“. Hey, genau solche Elemente, die sich zu. Nichts verbinden, ergeben ja den Film! Brillant, oder? Ähm, nein. Und was kann dafür das Rebhuhn? Auf den Bären kann die Regisseurin wohl lange warten.

Fazit

Tödliche Langweile, blasierte Phrasendrescherei und selbstverliebtes Psychologisieren verbinden Angela Schanelec zu einem dumpfen Szenenkatalog. Inspiriert ist das Gefilme ohne Handlung oder verbindenden Kontext angeblich von Yasujirō Ozu und Shakespeare. Aber sicher doch, sind wir das nicht alle? Um es mit der Frage einer der meist verpennten Figuren zu umschreiben: „Entscheiden wir jetzt oder gehen wir schlafen?“ Statt sich für das Werk zu entscheiden, lieber schlafen. Oder zuhause bleiben. Ohne Aber.

Autor: Lida Bach
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