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Quelle: themoviedb.org

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Familie Carter ist zur anstehenden Silbernen Hochzeit der Eltern auf einer Reise mit dem Wohnwagen quer durchs Land. In einem entlegenen, felsigen Wüstengebiet hat ihr Wagen eine Panne. Was schon schlimm genug wäre, aber ausgerechnet hier haben die Hügel auch noch blutdurstige Augen…

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Mit seinem Spielfilmdebüt Das letzte Haus links (The Last House on the Left) erschuf Wes Scraven (Scream – Schrei!) aus dem Nichts einen modernen Klassiker des Horrorfilms. Eines der ersten US-amerikanischen Rape & Revenge-Movies, das dieses Sub-Genre prägte wie kein anderes davor und danach. Trotz seines oberflächlich reißerischen Inhalts gelang ihm damit weit mehr als nur ein provokantes Low-Budget-Scheusal, berichtete er doch über den Zustand einer gespaltenen, sich am Scheideweg befindenden und orientierungslos trudelnden Nation. Wie kurz danach auch Tobe Hooper mit seinem Meisterwerk Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre). Es kollidierten Welten und Weltanschauungen, Gut und Böse in einer so bisher nie gezeigten Form, gerade weil sie die komplizierte und konfliktbeladene Realität der USA zu diesem Zeitpunkt subversiv wiederspiegelten. Verpackt in rohes, viehisches Terrorkino. Mit seinem nun dritten Spielfilm The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen schlägt Craven exakt wieder in diese Kerbe, was erneut Großes hervorbrachte, das zu seiner Zeit zunächst auch nur als gewaltgeiler Schund wahrgenommen wurde.

„Besides, there’s nothing back in there but animals!“

Nur wilde Tiere da draußen im Niemandsland. Inmitten der Hügel, die auf ein gottverlassenes Ödland starren. Dorthin verirrt sich die Familie Carter. Angeführt von Clan-Chef Bob, einem Police Officer im Ruhestand. Mitsamt Ehefrau, der drei (fast) erwachsenen Kinder, dem Schwiegersohn, dem Säuglings-Enkelkind und den zwei scharfen Wachhunden. Auf die Warnungen des alten Zausels an der letzten Tankstelle links setzt er keinen Pfifferling, natürlich wird der vorher festgelegte Reiseplan eingehalten, was die Sippe ins Verderben führen wird. Es beginnt mit einer tückischen Straßenkarte, einem Kaninchen auf der Straße und einem Achsenbruch, was in einem brutalen Kampf ums nackte Überleben mündet. Dabei wäre das alles vermeidbar gewesen. Aber wer nicht (hin)hören will, der muss halt manchmal fühlen. Selbst auf die erdenkbar grausamste Weise.

Im Gewand eines Independent-Horrorstreifens liefert Wes Craven eine zynische Metapher über die tiefe Kluft eines Post-Vietnam, Post-Nixon und Post-überhaupt allem Amerika, das in den letzten 10 Jahren kräftig in sich selbst erschüttert wurde. Gespalten in mindestens zwei Lager. Wahrscheinlich sogar mehr. Geprägt von (Zukunfts)Ängsten und schwermütiger Vergangenheitsbewältigung. Zwischen Reue, Läuterung und auf der anderen Seite stoischer Ignoranz. Familie Carter steht stellvertretend für diesen Zwiespalt. Platzhirsch Bob ist ein erzkonservativer, harter Hund. Er und seine Frau erfüllen jedes Klischee des „alten“, unbeweglichen Amerikas. Republikanisch, gottesfürchtig und bewaffnet. Beratungsresistent, starköpfig, engstirnig, von sich selbst gnadenlos überzeugt und ohne jeden Blick für die hässliche Realität. Erst wenn sie einen ganz konkret bedroht. Schwiegersohn Doug (Martin Speer, Coma) scheint eine eher liberale, moderne und weniger radikale Form der gehobenen US-Mittelschicht zu verkörpern, heult für den inneren Burgfrieden aber lieber mit dem Leitwolf anstatt auf Konfrontationskurs zu gehen. Leben und leben lassen. Eine leichte, aber nicht wirklich brodelnde Kontroverse. Man hat sich halt solidarisch arrangiert und grundsätzlich geht es ja allen gut. Akut ist hingegen die Bedrohung, die vom aller untersten Ende der Gesellschaft nun über sie hineinbricht.

Ignorierte, totgeschwiegene, unter barbarischen Bedingungen verwilderte „Unfälle“ der atomaren Kriegsmaschinerie. Die symbolisch sowohl als die eskalierenden Wut der sozial alleingelassenen Unterschicht, die Überreste der eigenen Sünden und metaphorisch die Angst vor dem Irrsinn des Kalten Krieges betrachtet werden können. Oder ganz schlicht als das asoziale, kannibalische Grauen aus den Hügeln. Einem trotzdem selbstgeschaffenen Monstrum, das sich nicht mehr einfach verdrängen lässt. Denn nun ist es hungrig und wittert seine Chance. Craven attackiert bewusst immer wieder die Heile-Welt-Verlogenheit des Establishments, bei der Tatsachen sinnlos verleugnet werden (der tote Hund) oder es mit der eigenen Grausamkeit konfrontiert wird. Selbst eine Kreuzigung findet statt. Eine noch leichte Semi-Professionalität lässt sich dabei kaum abstreiten, zumindest ist das magere Budget mehr als offensichtlich. Was dem Film aber nicht schadet. Gerade dieser grobkörnige Low-Budget-Look passt ganz hervorragend zu der unbequemen und fatalistischen Stimmung, unterstützt von einem nervösen, beunruhigenden Score.

Wie sehr der Film den Puls seiner Zeit trifft und den Finger tief in noch frische Wunden bohrt, kann auch an einer kuriosen Nebenerscheinung abgelesen werden: Da dem deutschen Verleih das Thema von Degenerierung und Inzest aufgrund der Auswirkung atomarer Strahlung zu heikel schien, entstand eine furchtbare, lächerliche Synchro rund um fliegende Untertassen und Protonenstrahler, die dem ganzen Film massiv schadete. Erst vor wenigen Jahren wurde eine sinngemäße (allerdings eher lieblose) Vertonung erstellt. Selten war es somit wichtiger, sich einen Film im O-Ton anzusehen. Gerade hier bleibt aufgrund zwei extrem mäßiger Synchronisationen kaum eine andere Wahl.

Fazit

Räudig, fiebrig, analytisch, hintergründig und hundsgemein. Auch wenn „The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen“ gegen einige Kinderkrankheiten nicht entsprechend geimpft werden konnte und auch noch mit einem diesmal wirklich sau-guten Remake gesegnet wurde, das im Prinzip nur Verbesserungen anzubieten hatte, es soll und darf den Stellenwert von Craven’s manchmal deshalb auch leicht belächeltem Klassiker nicht schmälern. Im direkten Vergleich stinkt er besonders handwerklich ab, besitzt aber dieses zeitlich spannende Korsett, von dem sich Aja’s Remake (klugerweise) freispricht. Muss und kann er eben nicht. Für seine Mittel ist Wes Craven ein beeindruckendes, grimmiges Zeit- und Genredokument gelungen, was ohne Zweifel als wegweisend und immens wichtig bezeichnet werden muss.

Kritik: Jacko Kunze

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