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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Gugu ist fast zwölf und träumt davon, Fußballspieler zu werden. Am Araújo-Lima-Stausee, der langsam austrocknet und die gespenstischen Überreste einer versunkenen Stadt freigibt, wächst er unter der liebevollen Obhut seiner Großmutter Dilma auf. Deren Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit gibt ihm den Raum, einfach er selbst zu sein. Ihre stille, aber starke Bindung schützt die beiden vor der Ablehnung von Gugus Vater und den Menschen um sie herum. Als alte Erinnerungen wieder auftauchen, beginnen zunächst kaum merkliche Veränderungen ihr gewohntes Zusammenleben

Kritik

Selbstbestimmung und Fürsorge einander dramaturgisch überschneidenden, doch individuell grundverschiedenen Kontexten stehen im Mittelpunkt Allan Debertons (Baião de Dois) zärtlichen Familienfilms. Seine inszenatorische Sensibilität für kindliche Perspektiven, sowohl die des 11-jährigen Protagonisten als auch des Zielpublikums, und der einfühlsame Umgang mit schwierigen Themen brachten der träumerischen Coming-of-Age-Story den Gläsernen Bären der Sektion Generation auf der 76. Berlinale, wo Debertons dritter Langfilm seine Premiere feierte.  

In einem kleinen Fischerdorf im Nordosten Brasiliens lebt der aufgeweckte Titelcharakter (Yuri Gomes) bei seiner Großmutter Dilma (Teca Pereira, The Changeling), mit der er sich besser versteht als mit seinem Vater Batista (Lázaro Ramos, O Grande Kilapy). Jener nennt seinen Sohn einen “Clown” wegen dessen Vorliebe für Schmuck, Make-up und traditionelle weiblich kodierte Kleidung. Obwohl manche seiner Mitschüler ihn verspotten, lebt Gugu selbstbewusst seine eigene Ästhetik und Identität. Wachsende Sorgen macht er sich hingegen um Dilma, deren Gedächtnis immer mehr nachlässt. 

Gugu tut sein Bestes, sie zu beschützen und beider kleine Welt zu bewahren. In sorgsam beobachteten Alltagsszenen zeigt die bittersüße Story, wie sich die Gewichtung der familiären Verantwortung verschiebt. Die darstellerische Chemie zwischen Gomes und Pereira macht ihre Bindung zum Herzstück des zurückhaltenden Plots. Umso bedrückender ist die Erosion dieser Beziehung durch Dilmas fortschreitende Demenz. Das Austrocknen des nahegelegenen Stausees durch Dürre wird zum ökologischen Spiegel des familiären Verlusts, aus dem nur die Einbildungskraft Fluchten eröffnet.

Fazit

Trotz seiner schweren Themen von Altersdemenz, Umweltzerstörung und dem Verlust emotionalen Rückhalts bewahrt sich Allan Debertons melancholisches Porträt Leichtigkeit und Hoffnung. So wird die in farbenfrohen Bildern eingefangene und von unbefangenem Humor aufgelockerte Geschichte auch für die jüngsten Zuschauenden nicht zu belastend. Als lebhafte Hauptcharakter, der Gender-Normen trotzt, ohne zwingend queer definiert zu sein, ist der kleine Titelheld eine ebenso zeitgemäße wie sympathische Identifikationsfigur. Entdeckung und Verlust von Selbst und Selbstständigkeit sind das universelle Momentum des warmherzigen Familienfilms. 

Kritik: Lida Bach

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