Die zehnjährige Rabia erfährt, dass die einzige Schule in ihrem Dorf geschlossen wurde. Ein Gerücht macht die Runde: Die Schule sei verflucht und der Lehrer von einem Dschinn besessen. Ein Mitschüler prahlt damit, dass er nun eine Jungenschule im Nachbardorf besucht. Rabia ist neidisch und verwirrt. Von den Erwachsenen erhält sie nur ausweichende Antworten auf ihre Fragen.
Kritik
Djinn haben offenbar eine Vorliebe für Krankenhäuser und Schulen, wie diejenige, an der die kindliche Heldin Seemab Guls ambitionierten Kino-Debüts gerne weiterhin lernen möchte. Zu dieser harschen Erkenntnis gelangt die 10-jährige Rabia (fabelhaft gespielt von Nazualiya Arsalan) während ihrer Nachforschungen über die mysteriöse Schließung der einzigen Schule in ihrem Dorf. Dessen Einwohner erzählen sich, ein Djinn hause in dem angeblich verfluchten Gebäude. Tatsächlich ist es das Gespenst von Bildungszugang und Chancengleichheit, das die korrupten Lokalpolitiker verschreckt.
Zwischen Skepsis, Symbolismus und Suggestion windet sich der Handlungsweg der ambitionierten Coming-of-Age-Story. Deren magisch-realistisch gefärbten Momente prallen auf eine harsche Realität, in der die unteren Gesellschaftsschichten systematisch ungebildet gehalten werden sollen. Im Zweifel a den Geschichten über ihre Geisterschule beginnt Rabia eigene Nachforschungen anzustellen. Dass ihr Engagement die Ausnahme ist und nicht die Regel, macht der geradlinige Plot früh klar. Ihre Mutter hat zuviel Arbeit, um der Sache nachzugehen, und ihre Mitschüler*innen freuen sich über die Freizeit.
Puzzelartig enthüllt die britisch-indische Regieurin und Drehbuchautorin die repressiven Strukturen, innerhalb derer Kinder wie Rabia mehrfach benachteiligt sind. Die einzige erreichbare andere Schule ist nur für Jungen und ein teures Internat kann ihre Familie nicht bezahlen. Beiläufige Momente markieren die Klassengrenzen, gegen die Rabia vergebens anrennt. Obwohl die gemächliche Erzählung bisweilen über ihren Hang zu Phantastik und sinnbildlichen Spielereien stolpert, findet sie in kleinen Szenen abrupt sozialkritische Kraft. Unheimlicher als Djinns sind kollektive Apathie und klassistische Ausgrenzung.
Fazit
Zwischen harschem Realismus und phantastischen Spielereien mäandert Seemab Guls engagiertes Spielfilm-Debüt, das nach seiner Premiere in Toronto nun auf der Berlinale läuft, ähnlich der zwischen Aberglaube und Rationalität schwankenden Protagonistin. Ihr offeriert eine reiche Business-Frau, zum Schulbesuch in ihre Stadtwohnung zu ziehen - Rabia solle dafür nur etwas „im Haushalt helfen“. Als Wohltätigkeit getarnte Ausbeutung zeigt sich selten so deutlich in Kinderfilmen für ein bildungsbürgerliches Zielpublikum. Ökonomische Machtverhältnisse und institutionelles Versagen spuken durch die verwaisten Räume geschlossener Lehrstätten.
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