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Inhalt

Die unglückliche Ehefrau Julie beginnt eine Affäre mit dem jungen Schriftsteller Jeff. Gemeinsam planen sie, ihren alkoholkranken Gatten Louis aus dem Weg zu räumen. Zunächst verläuft alles wie geplant, doch die ausgeschlafenen Polizisten wittern verdacht und durch eine Kette von unglücklichen Ereignissen steht Julie plötzlich mit dem Rücken zur Wand.

Kritik

Trotz seines damals noch relativ jungen Alters hatte sich Claude Chabrol (Der Schlachter), Jahrgang 1930, bereits in den 60er Jahren einen fabelhaften Ruf sogar über die Grenzen seines Heimatlandes Frankreich erarbeitet. Seine Filme machten durch ihre vordergründig gediegen anmutende, inhaltlich dennoch zuweilen radikale und psychologisch wie gesellschaftlich provokante Art auf sich aufmerksam. Dabei bedurfte es meist keiner großen Stars, dennoch waren diese irgendwann natürlich sehr darum bestrebt, Teil des Abenteuers Chabrol zu werden. Eine Kooperation mit Romy Schneider (Nachtblende) war diesbezüglich nur eine Frage der Zeit. Die unlängst ins künstlerische Exil geflohene und dort zur Charakterdarstellerin gereifte Künstlerin war so versessen auf die Zusammenarbeit, dass sie nicht mal das Drehbuch lass und sich hinterher deutlich enttäuscht über die Führung Chabrols äußerte. Der Meister selbst bezeichnete den Film als eines seiner schwächeren Werke, da er noch während des Drehs vieles verändern musste. Aus der Insider-Perspektive lässt sich darüber natürlich kaum diskutieren, aber wenn das hier als eher misslungen gelten soll, darf man sich als subjektiver Zuschauer schon fragen, was für ein potenzielles Meisterwerk einem hier denn durch die Lappen gegangen ist.

Die attraktive Julie (Romy Schneider) lebt mit ihrem 15 Jahre älteren Gatten Louis (Rod Steiger, In der Hitze der Nacht) in St. Tropez. Die Beziehung ist schon lange am Ende. Seit einem Herzinfarkt von Louis herrscht tote Hose im Ehebett und dieser spült seinen Frust flaschenweise mit Whiskey runter. Dann lernen sie ihren neuen Nachbarn Jeff (Paolo Giusti, Tote Zeugen singen nicht) kennen und dieser sofort auch Julie lieben. Sie schmieden einen perfiden Plan, um Louis zu beseitigen und mit dessen stattlichen Nachlass ein neues Leben anzufangen. Julie erfüllt ihren Part, den der Scharfrichterin, und Jeff seinen, den des Leichenentsorgers. Um das Alibi aufrecht zu erhalten gibt Julie die besorgte Ehefrau, die ihren Mann nach einem Segelturn als vermisst meldet, während Jeff „beruflich“ nach Italien fährt. Soweit läuft alles nach Plan, auch die unvermeidliche Befragung seitens der Polizei ist da selbstverständlich einkalkuliert und wird von Julie souverän gemeistert, aber dann kommen so viele Faktoren ins Spiel, mit denen (zumindest) sie nicht gerechnet hat.

Zum einen sind die Ermittler wesentlich misstrauischer und scharfsinniger als vermutet, zum anderen wird Julie – sei es gezielt oder zufällig – übel mitgespielt. Plötzlich leckt ihr als wasserdicht erdachter Plan aus allen Ecken und Enden und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis ihr die Brühe bis zum Hals steht. Doch genau dann wird das Ruder durch ihren geschickten Anwalt wie einen sehr einfältigen Untersuchungsrichter noch mal herumgerissen. Schwein gehabt, möchte man meinen. Bis die unerwarteten Ereignisse sich praktisch überschlagen und der Film fortan auf sehr sarkastische, aber ernsthaft nachdenklich Weise mit der Begrifflichkeit von Schuld und Gerechtigkeit sowohl im juristischen wie moralischen Sinne nicht nur spielt, sondern wiederholt Purzelbäume schlägt. Das letzte Drittel wirkt oberflächlich gar völlig überfrachtet in seinen Twists und Turns, diese Absurdität wird dabei jedoch nicht nur bewusst in Kauf genommen, sie untermauert erst die griffige Pointe des Films. Als Julie noch als die eiskalte Mörderin galt, war sie trotz eindeutiger Indizien noch nicht zu verurteilen. Wenn sie sich moralisch korrekt verhält, gräbt sie sich ihr eigenes Grab.

Claude Chabrol wollte die meist auf Oberflächlichkeiten limitierte Rolle einer Frau in der Gesellschaft und besonders deren unfaire Behandlung sicherlich noch deutlicher in den Vordergrund rücken. Dies wird speziell verdeutlicht, als das Julie von wirklich jedem Mann in der Geschichte – an ihm Kontext beinah schon skurrilen Momenten – ungefragt bescheinigt wird, was für eine schöne Frau sie doch sei. Die Klischees der wunderschönen Ehefrau und gleichzeitig skrupellosen Erbschleicherin bedient der Film zu Beginn ja sehr gezielt, nur um sie im weiteren Verlauf, wie das meiste hier, dann völlig auf Links zu drehen. Der Bock wird zum Gärtner, was der selbst im Deutschen sehr treffenden Titel ähnlich raffiniert umschreibt. Wie der Plot mit zuweilen äußerst spannenden, beinah Kammerspiel-artigen Momenten umzugehen weiß, als auch mit gezielten Irritationen und manchmal überzogenen Entwicklungen, die schlussendlich jedoch erst das zynische Zünglein an der Waage sind.

Fazit

Eine abgründige Mischung aus Psychothriller- und Groteske, die sich anfangs als kalkuliertes Krimi-Drama verkauft, um sich dann im Schlussspurt in einer - mutmaßlich - überdrehten Sackgasse zu verrennen. Dabei ist hier vieles mehr geschickte Methode, als man ihm eventuell zugestehen wird. „Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen“ spielt mit dem Zuschauer, mit den Mechaniken verschiedener Genres und nicht zuletzt mit den Begrifflichkeiten von Moral und Gerechtigkeit, die allesamt elegant gegen die Wand gefahren werden.

Autor: Jacko Kunze

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