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Inhalt

Schockerthriller von Chabrol im Stil von Hitchcock, in dem ein Frauenmörder sein Unwesen in der französischen Provinz treibt.

Kritik

„Er hat versucht, sein Werk als eine Einheit zu erschaffen, um so ein Gemälde der Gesellschaft seiner Zeit zu entwerfen.“

Mit diesem eingestreuten Resümee über das Schaffen von Honoré de Balzac zitiert sich Claude Chabrol (Das Biest muss sterben) mit durchaus breiter Brust selbst, allerdings auch mit Fug und Recht. Wie so oft ist seine Geschichte um eine Serie von Frauenmorden in der französischen Provinz kein klassischer Genrefilm, sondern mehr eine differenzierte Charakter- und Gesellschaftsstudie, deren oberflächlichen Gräueltaten nicht den Kern der Handlung darstellen. Die mitunter schwer verschachtelten Hintergründe bilden den bedeutenderen Schwerpunkt und lassen das – dennoch nicht uninteressante - Plakative mit fortlaufender Zeit als Randnotiz im Hintergrund verblassen.

„Essen Sie eigentlich gerne Fleisch?“

Auf einer Hochzeit lernen sich die adrette, emanzipiert-moderne Schulleiterin Hélène (Stéphane Audran, Der diskrete Charme der Bourgeoisie) und der weniger kultivierte, aber mit einem rohen Charme ausgestattete Schlachter „Popaul“ (Jean Yanne, Der Pakt der Wölfe) kennen. Es entwickelte sich eine lockere Freundschaft und eventuell eine Tendenz zu mehr, wären beide nicht so beziehungsunfähig. Hélène hat eine herbe Enttäuschung hinter sich und diese immer noch nicht restlos verkraftet, Paul hingegen ist traumatisiert von einer ultra-autoritären Kindheit und dem Einsatz in zwei Kriegsgebieten. Trotz ihrer engagierten, aber im entscheidenden Moment verklemmten Bemühungen finden sie nicht zueinander. Und dann geschehen diese grausamen Morde, mitten in diesem trügerischen Idyll.

„Wisst ihr eigentlich, wie man Triebe bezeichnet, wenn sie sich über die Barbarei erheben? Sehnsucht!“

Das Böse schlummert unter der Oberfläche. Nicht unsichtbar, aber versteckt genug, um viel zu lange übersehen werden zu können. Der Schlachter fügt sich nahtlos in das Schaffen von Claude Chabrol ein, das stetig von einer subversiven, triebhaften Bedrohung berichtet. Unfreiwillig gedeckelt von einer höchstens einäugigen Gesellschaft, die unbequeme Warnsignale gar nicht erst wahrnimmt und gar keine Antennen für eventuelle Untiefen in ihrer akzeptierten Mitte entwickelt hat. Diesmal erzählt durch eine tragische Anti-Romanze, die sich als Erlösung herausstellen könnte. Verzweifelt – wirklich sehnsüchtig – wird sich versucht aus den geprägten Verhaltensmustern zu befreien, nur um festzustellen, dass der Ausweg keinesfalls befriedigend sein kann. Maximal erlösend. Zwischen Suspense und eiskaltem Thriller ist Der Schlachter vielmehr ein erschütternd-destruktives Psychogramm zweier rastloser Seelen, die am Ende – wenn es (beinah?) zu spät ist – auf eine sehr befremdliche wenn auch „romantische“ Weise doch noch zueinander finden.

„Ich habe viel Blut vergossen. Mein Blut hört nicht auf zu fließen.“

Fazit

Ein abgründiges, cleveres, provinzielles Schauerstück ohne Knalleffekte, dafür mit viel reflektiertem Backround. Mehr an Figuren, Zusammenhängen und Motiven als an plakativen Schauwerten interessiert entwirft Claude Chabrol eine beunruhigende Studie über Gewalt und Sehnsucht, deren Resultat beklemmend schlüssig erscheint.  

Autor: Jacko Kunze

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