{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Inhalt

1870: In der entlegenen Nervenheilanstalt von Dr. Vance geschehen grausame Dinge. Nachts sind nicht nur unheimliche Geräusche zu hören, sondern junge, hübsche Frauen werden brutal ermordet. Die neue Krankenschwester Mary fürchtet bald um ihr Leben und weiß nicht mehr, wem sie noch trauen kann…

Kritik

„Sie brauchen vor mir keine Angst zu haben. Ich bin Arzt.“

Da hat jemand gut aufgepasst. Die Mörderklinik, die erste gleichzeitig letzte Regiearbeit von Elio Scardamaglia (hier als Michael Hamilton, sonst als Produzent tätig und verantwortlich für einige Bud Spencer-Vehikel wie Sie nannten ihn Mücke), trägt unverkennbar die Handschrift eines ganz großen des italienischen Genre-Kinos. Drei Jahre zuvor produzierte er Mario Bava’s Der Dämon und die Jungfrau und wurde von dessen prägender Stilistik sichtlich inspiriert. Sein einziger Ausflug auf den Regiestuhl vermischt Whodunnit-Krimi mit Gothic-Horror und Einflüssen des noch jungen Giallo, so dass er nicht nur als ein Frühwerk der letzteren Gattung bezeichnet werden kann, sondern seine Wurzeln auf Bava und dessen Schaffen bis zu diesem Zeitpunkt klar zurückzuführen sind.

In einem (offenbar sehr luxuriösen) Sanatorium für Geisteskranke regiert im späten 19. Jahrhundert das Grauen. Merkwürdige Dinge gehen nicht nur im ausschließlich für den Leiter und Besitzer Dr. Robert Vance (William Berger, Von Angesicht zu Angesicht) zugänglichen Dachgeschoss vor sich, aus dem Nacht für Nacht beunruhigende Schlurf- und Stampfgeräusche zu vernehmen sind. Plötzlich verschwinden dort auch Patienten (oder vielmehr Patientinnen), wobei der Zuschauer bereits im Opener völlig im Bilde ist. Eine von Kopf bis Fuß in Schwarz vermummte Gestalt mordet mit einem Rasiermesser und noch bevor dessen erste Taten auch für die Figuren bekannt werden, geht das muntere Täter-Raten schon in die ersten Runden. Direkt im Anschluss an den Vorspann plumpst das vorher präsentierte Mordinstrument jemanden versehentlich aus der Tasche. Hoppla, ist er vielleicht der Killer? Das wäre (vielleicht?) zu einfach, aber warum auch nicht, denn an potenziellen Verdächtigen mangelt es Die Mörderklinik definitiv nicht.

Bis auf dem eindeutig auserkorenen Final-Girl Mary (Barbara Wilson, davor und danach nie wieder gesehen) darf und soll man hier niemanden über den Weg trauen. Alle haben entweder dunkle Geheimnisse, versuchen irgendetwas zu verbergen oder sind so zwielichtig angelegt, dass die letztliche Enthüllung auch gut und gerne anders ausfallen könnte, mit der entsprechenden Erklärung im Gepäck. Elio Scardamaglia schaut sich gerade bei der Präsentation viel von Mario Bava ab und macht das teilweise richtig gut. Für einen Low-Budget-Film prächtig ausgestattet, sehr geschickt ausgeleuchtet und mit verschlungenen Setpieces versehen, dazu diesem recht clever konzipierten Cluedo-Prinzip folgend, dass sich hier wirklich ansatzweise Die Stunde, wenn Dracula kommt und Blutige Seide treffen. Die ganz große Finesse offenbart sich hier vielleicht nicht, wenn der Film in seinem Versuch aus klassischem Gothic-Horror und gleichzeitig modernen Giallo-Elementen noch nicht ganz verstehen mag wo er denn gerne hin möchte, zumindest als Giallo interpretiert. Andersherum sieht das schon wesentlich spannender aus. Denn aus dieser Perspektive ist Die Mörderklinik eine chic inszenierte Mixtur aus Krimi, Gruselfilm mit HAMMER-Ambiente und eben frühen Giallo-Stilmitteln, die ihn dadurch erst besonders interessant machen. Und die Make-up- und Maskenarbeit ist für 1966 (mit dem Budget) gar grandios.

Fazit

Nicht nur ein erstaunlich versiertes Erstlingswerk, sondern zugleich ein nicht zu ignorierender Wegbereiter des Giallo-Kinos, obwohl darauf wohl nicht der Fokus lag und der wahre Maestro Mario Bava überdeutlich Pate stand. Aber besser (manchmal sehr) gut kopiert als schlecht erfunden. Heute weitestgehend vergessen und kaum erwähnt, zumindest zu seiner Zeit aber ein echter Hingucker, der nicht viel weniger Wert ist als vergleichbare Klassiker dieser Tage.

Autor: Jacko Kunze

Wird geladen...

×