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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

Sunny von Bulow liegt im Koma. Vermutlich verursacht durch eine Insulinüberdosis. Ihr Ehemann Claus steht unter Verdacht, ihre diese absichtlich verabreicht zu haben. Er wird zu 30 Jahren Haft wegen geplanten Mordes verurteilt, legt allerdings Berufung ein. Als seinen Anwalt wählt er den für seine Loyalität bekannten Alan Dershowitz, der begründeten Zweifel an der Unschuld seines Klienten hat. Dennoch nimmt er den Fall an, zunächst nur aufgrund der Vermutung auf Verfahrensfehlern…

Kritik

Eine beinah ironische Ebene macht Die Affäre der Sunny von B. aus heutiger Sicht fast interessanter, als es dieser seinerzeit (überraschend) hochgelobten Tatsachenroman-Adaption aus dem Jahr 1990 eigentlich gerecht wird. Verfasst wurde die literarische Grundlage 1985 von Alan M. Dershowitz, dem Revisionsverteidiger im zweifachen Mordversuch-Prozesses von Claus von Bulow. Dieser soll Anfang der 80er zweimal versucht haben, seine Gattin Sunny von Bulow durch eine Medikamentenüberdosis umzubringen, beim zweiten „Versuch“ verfiel sie endgültig ins Koma. Ursprünglich deshalb zu 30 Jahren Haft verurteilt, engagierte er für die Revision den jüdischen Strafverteidiger und Juradozenten Dershowitz, der aufgrund dessen mit einem Team seiner Studenten versuchte, eine Verteidigung aufgrund eindeutiger Verfahrensfehlern auf die Beine zu stellen.

Die unfreiwillige Selbstironie kommt deshalb ins Spiel, da Die Affäre der Sunny von B. seinerzeit aus den (natürlich subjektiv) „falschen“ Gründen von der Kritik nicht nur gelobt und sogar ausgezeichnet wurde, letzteres sogar inzwischen mehr oder weniger diesbezüglich anerkannt als „geschenkt“ beurteilt. Claus von Bulow Darsteller Jeremy Irons lieferte zwei Jahre vorher in Die Unzertrennlichen von David Cronenberg vermutlich die (Doppel-)Performance seines Lebens ab, wurde bei den Oscars aber nichteinmal nominiert. 1991 bekam er dann hierfür den nachträglichen Oscar, obwohl seine Leistung mit Sicherheit das Beste an dieser ansonsten ernüchternden Real-Life-Crime-Adaption ist. Selbstironisch auch deshalb, da der Film für seine „subtile“ Vorgehensweise und Intention gelobt wurde, die weniger an der (natürlich rein spekulativen) Auflösung des Falls interessiert ist, sondern sich  - angeblich – mehr auf die realen Figuren und Hintergründen konzentrieren möchte. Leider geschieht genau das nicht und somit kann der Film in seinem angepriesenen Vorhaben eigentlich nur als krachend gescheitert betrachtet werden. Stattdessen wäre er vermutlich sogar besser, wenn er sich eines reinen Gedankenspiel bezüglich der Ereignisse hingegeben hätte, aber dann wäre er eben nur „triviale“ Genrekost. Aber wäre das schlussendlich nicht doch die deutlich bessere Wahl?

Anfangs scheint der Fall sonnenklar: Claus von Bulow (Jeremy Irons) hat seine wohlhabene Gattin Sunny (Glenn Close, Heart of Stone) durch eine Überdosis Insulin ins Koma befördert, aufgrund des anstehenden Erbes. Die Indizien und Aussagen sind erdrückend, dennoch geht er in Revision. Der Anwalt seiner Wahl ist der Juradozent Alan M. Dershowitz (Ron Silver, Blue Steel), der nicht überzeugt von der Unschuld seines Mandanten ist. Aber aufgrund von deutlichen Verfahrensfehlern dennoch den Prozess anstrebt. Die Recherchen werden zur moralischen Zerreisprobe, denn sein Klient scheint ihm einiges zu verschweigen, gleichzeitig ist aber auch die Gegenseite nicht an einer Wiederaufnahme des Verfahrens interessiert. Irgendetwas stimmt hier nicht und Dershowitz ist sowohl aufgrund seines Gerechtigkeitssinn und seines Ehrgeizes extrem investiert, obwohl ihm dieser medienwirksame Prozess sogar seine Karriere kosten könnte.

Stoff für einen spannenden Justizthriller, aber dafür stimmt schon die Grundasurichtung nicht. Nach dem vielversprechenden Auftakt ist der im Maintream wohl prestigeträchtigste Film von Barbet Schroeder (Barfly) niemals ernsthaft daran interessiert, dem Publikum über seine Narration ins Zweifeln zu bringen. Entweder, man glaubt sofort an die Schuld von Claus von Bulow oder eben nicht. Alles andere scheint nur wie ein Warten auf die Auflösung. Normalerweise sollten solche Filme auf dem Weg zum Finale ihren Reiz generieren. Wendungen, Perspektiven und Entwicklungen verwenden, um auch die Zuschauer*innen in den verzwickten Prozess des berechtigten Zweifels zu transportieren, aber genau das geschieht nicht. Der Plot erscheint in dargestellten Verlauf sogar teilweise unlogisch bis seltsam und am Ende geht es ja sogar gar nicht um die Auflösung des Verbrechens. Das klingt im Vorhaben anspruchsvoll und genau deshalb funktioniert Die Affäre der Sunny von B. nicht mal ansatzweise.

Im Fokus soll die Charakterisierung der Figuren und die Darstellung der Rahmenbedingunngen stehen, um sich selbst ein Urteil über diesen ungelösten Fall zu ermöglichen. Dafür bleibt einem aber genau das befremdlich fern. Es werden einem rein obeflächliche Indizien und Theorien vorgeworfen, gepaart mit nicht zugänglichen Figuren-Schablonen, die einem genauso faktisch, nüchtern und kalt serviert werden, wie es wohl nur ein reiner Tatsachenroman ohne eigene Stellungnahme präsentieren kann. Aber wofür das Ganze? Bemängelt dieser Film - in der Theorie - nicht sogar so eine rein faktische Auslegung und ist damit am Ende sogar ein Wiederspruch in sich? Schlussendlich ist man genau so schlau wie vorher und auch der Weg bis dahin ist nicht sonderlich spannend, ausschließlich mutmaßend und nicht in irgendeiner Form greifbar. Er versteift sich auf die Schilderung einer Hintergrundgeschichte und eine vermeidliche Charakterisierung, die so überhaubt nicht existent ist und somit für nochmehr Verärgerung sorgt, da man weder das Eine, noch das Andere bekommt. Gelobt werden kann maximal die Leistung der Darsteller*innen. Glenn Close ist wenig präsent, Jeremy Irons souverän, das höchste Lob gebührt eher dem oft übersehen oder in B-Schurken-Rollen verwendeten Ron Silver. Der Hintergrund ist spannend, der Ansatz motiviert, die Umsetzung aber nur im rein Oberflächlich-Handwerklichen ordentlich. Das Resultat erschreckend egal.

Fazit

Top-besetzter Justiz-Thriller vor einem spannend-realen Hintergrund, der aber am Ende keine Rolle spielt. Oder nicht die, die er spielen müsste. Wenn wir nicht die Auflösung serviert bekommen, dann doch wenigstens die Hintergründe und Figuren. Aber genau die werden so nebensächlich durchgewunken, das man sich ernsthaft fragt, warum man diesen Film gesehen hat.

Kritik: Jacko Kunze

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