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Inhalt

Yaojun und seiner Frau Liyun waren einst eine glückliche Familie, bis ihr Sohn beim Spielen am Rückhaltebecken eines Staudamms ertrank. Yaojun und Liyun verlassen die Heimat, tauchen in die große Stadt ein, wo sie niemand kennt und sie nicht einmal den Dialekt der Einwohner verstehen. Auch Adoptivsohn Liu Xing bringt nicht den erhofften Trost. Trotzig verweigert er sich den „fremden“ Eltern und verschwindet eines Tages ganz. Immer wieder werden die Eheleute von ihren Erinnerungen eingeholt und kehren schließlich an den Ort der verlorenen Hoffnungen zurück. Das Familiendrama umschließt drei Jahrzehnte chinesischer Geschichte.

Kritik

Menschen planen und Gott lacht sie aus, sagt die junge Moli (Qi Xi, Mystery) in Wang Xiaoshuais (11 Blumen) verschachtelten Epos über das destruktive systempolitische Erbe Chinas. Dort ist Gott auch nur eine Metapher, jedoch nicht für die Macht der Kirche oder Gesellschaftsmoral, sondern des Staats. Dessen lange Hand zerstört unerbittlich die zaghaften Hoffnungen der Clique, deren Leben der Regisseur und Co-Drehbuchautor von den Jahren nach der Kulturevolution bis in die Gegenwart folgt. Doch mit ihrer komplexen Struktur aus Rückblenden und chronologischen Sprüngen scheint die Handlung auf einer Zeitebene gefangen. Für die Charaktere gibt es sinnbildlich kein Entkommen aus der Vergangenheit.

Deren Fehler sind weniger das Werk der Figuren als äußerer Umstände, implementiert durch eine unerbittliche Diktatur. Deren Macht erstreckt sich auf die privatesten Aspekte der verschlungenen Biografien. Schuldgefühle, geboren anstelle verbotener Kinder, Reue, gehegt anstatt eines verstorbenen Spielgefährten, und Bedauern, gewachsen am leeren Platz eines verstorbenen Sohnes, bilden eine unsichtbare Familie um die Figuren, die das Band aus Schmerz und Verlust über Jahrzehnte verbindet. Zum Guten und zum Schlechten. In der vorherrschenden Atmosphäre stiller Verzweiflung stützen die Figuren einander, doch ebenso oft tragen sie zum Unglück der anderen bei, fehlgeleitet von besten Absichten gegenüber anderen - oder dem Regime.

In der städtischen Moderne scheint Letztes nur ein historischer Schatten, wodurch Opfer und Leid der Protagonisten noch sinnloser wirken. Wangs subtile Staatskritik zeigt sich in der hilflosen Verzweiflung Yaojuns (Wang Jingchun, Shadow), wenn Liyun (Yong Mei, The Assassin) eine Zwangsabtreibung trifft, im gequälten Lächeln des Paares, dem dafür ein Parteipreis für „Familienplanung“ aufgedrückt wird, an der verlorenen Lebenslust des Freundes, den verbotene Musik ins Gefängnis bringen, und einer vor einer Shopping Mall grüßenden Mao-Statue. Letzte symbolisiert die politische Gestrigkeit, die den für Individuen und die Nation heilsamen Fortschritt aufhält. Wie Yaojun sagt: „Die Zeit steht für uns seit langem still.

Fazit

In Anbetracht der Einwirkung der chinesischen Staatskontrolle auf das Festivalprogramm ist bemerkenswert, Wangs tragische Zeitchronik überhaupt hier sehen zu können. Das vielschichtige Generationsdrama zieht seine emotionale Kraft aus einem starken Schauspielensemble und der elegischen Story, deren chronologisches Aufbrechen ihre universelle Ebene enthüllt. Die unscheinbare Tragödie der Hauptfiguren, deren Beziehung Fixstern des brüchigen Sozialkosmos bleibt, wird zur sarkastischen Parabel gegen übergriffige Politik, die weit über Familienplanung reicht. Vorab sagte Wang: “Zensur ist ein Dauerproblem. Aber es wird Kreativität nicht aufhalten und Filmemacher hindern, ihre Filme in Berlin, Cannes und Venedig zu zeigen.“ Bei Zhang Yimou Abschlussfilm hat sie es.

Autor: Lida Bach

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