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Quelle: themoviedb.org

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Als Brodie, ein gescheiterter Metalhead, seine toten Bandmitglieder für einen Band-Wettbewerb wieder zum Leben erweckt, entfesselt das Ergebnis Gitarrenriffs, Blut und apokalyptisches Gemetzel, wie es nur DEATHGASM liefern kann.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der neuseeländische Deathgasm aus dem Jahr 2015 traf einen erstaunlich stimmigen Ton: überdrehte Comicgewalt, kumpelhafter Humor und eine aufrichtige Liebeserklärung an Death Metal hielten sich die Waage. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als könnte Autor und Regisseur Jason Lei Howden diesen Schwung mit nach Hollywood nehmen. Der Weg schien bereitet für größere Produktionen. Doch einige Jahre später folgte mit Guns Akimbo (2019) nicht der erhoffte Durchbruch, sondern ein Projekt, das zwar eine kleine, lautstarke Fangemeinde fand, vor allem jedoch für Schlagzeilen abseits der Leinwand sorgte.

Vom Hoffnungsträger zum Problemfall?

Im Umfeld des Kinostarts geriet Howden wegen alter Social-Media-Posts in die Kritik, in denen er mit rassistischen und sexistischen Äußerungen provoziert hatte. Die Diskussionen überschatteten den Film spürbar und beschädigten das öffentliche Bild des Regisseurs nachhaltig. Ob dieser Skandal tatsächlich dafür verantwortlich war, dass Howdens nächste Regiearbeit ganze sechs Jahre auf sich warten ließ, bleibt unklar. In der Zwischenzeit arbeitete er weiterhin als Spezialeffekt-Künstler an diversen Filmen und Serien – ein Umstand, der ebenso gut durch Pandemie, Streiks und die notorisch schwierige Finanzierung unabhängiger Genreprojekte erklärt werden könnte. Wirklich interessieren dürfte das allerdings kaum jemanden, sobald im Sequel erneut harte Riffs erklingen und Körper in Einzelteile zerlegt werden.

Denn an Blut und Gedärmen mangelt es Deathgasm II: Goremageddon nun wirklich nicht. Schon der Titel verspricht hemmungslosen Fun-Splatter, und genau das liefert der Film in üppigen Portionen. Die handgemachten Effekte sind saftig, kreativ und sichtbar mit Freude am Absurden umgesetzt. Liebhaber*innen des Subgenres kommen hier zweifellos auf ihre Kosten. Das Problem liegt weniger im handwerklichen Bereich als dort, wo es deutlich schmerzhafter ist: bei den Figuren.

Man kann argumentieren, dass Charakterzeichnung in einem derart überdrehten Splatterfilm zweitrangig sei. Ganz stimmt das jedoch nicht. Ein anderer großer neuseeländischer Klassiker des Genres – mit einer besitzergreifenden Mutter und einem Rasenmäher im Finale – zeigt eindrucksvoll, wie wirkungsvoll der Kontrast zwischen liebenswürdiger Hauptfigur und eskalierendem Blutbad sein kann. Gerade weil man mit dem Protagonisten mitfiebert, entfaltet der Wahnsinn seine komische Kraft. Goremageddon hingegen konfrontiert sein Publikum fast ausschließlich mit nervtötenden Plagegeistern.

Blut, Gedärm und Glory Holes

Allen voran Brodie (), erneut im Zentrum des Geschehens, der schon in den ersten Minuten vollgekotzt erwacht und später beschließt, sein komplettes Umfeld ins Chaos zu stürzen, um sich selbst zu verwirklichen. Kurz gesagt: ein egoistischer Unsympath, den der Film mit Nachdruck als Identifikationsfigur verkaufen will. Howdens Drehbuch fehlt dabei jegliches Gespür für Balance oder Charme. Wo der Vorgänger noch eine gewisse Herzlichkeit besaß, herrscht nun vor allem Rücksichtslosigkeit – nicht nur gegenüber den Nebenfiguren, sondern auch gegenüber dem Publikum.

Grenzüberschreitungen gehören bei Howden zum guten Ton. In Sachen Gewalt wiederholt er sich jedoch auffällig. Hier fliegt erneut Gedärm durch die Gegend, dort wird mit einer ungesunden Portion Sexismus kokettiert. Als fragwürdiger Höhepunkt dient eine Szene, in der ein wiederauferstandener Dion () gleich reihenweise Penisse mit diversem Werkzeug zermalmt und zerschneidet – Glory Holes machen es möglich. Isoliert betrachtet könnte das als geschmacklose Provokation funktionieren. Doch weil einem die Beteiligten vollkommen egal sind und der Film sein An-ecken-wollen mit der sprichwörtlichen Teufelsgabel erzwingt, verpufft der Effekt.

So bleibt ein Sequel, das technisch kompetent und visuell ambitioniert ist, emotional jedoch leerläuft. Deathgasm war vielleicht nie das schwarze Album seines Genres, besaß aber zumindest ein Gespür für Rhythmus und Spielfreude. Goremageddon dagegen fühlt sich über weite Strecken an wie ein schriller Dauerbeschuss ohne Pause – mehr Flippers als Cannibal Corpse. Wer ausschließlich auf handfeste Effekte aus ist, könnte seinen Spaß haben. Alle anderen dürften sich fragen, warum ihnen dieser Lärm und die diversen Gedärme eigentlich so egal sind.

Fazit

Mit sichtbar viel Liebe zu praktischen Effekten umgesetzt, verliert sich das Sequel in nervigen Figuren und penetranter Provokation. Blut allein ersetzt weder Timing noch Sympathie. Fun-Splatter lebt von Rhythmus, nicht von bloßer Lautstärke. Und ganz ehrlich: Selbst die Flippers klingen brachial, wenn man die Verstärker nur weit genug aufdreht.

Kritik: Sebastian Groß

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