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Inhalt

Als die Tochter seiner Lebensgefährtin an einer Überdosis Kokain stirbt, greift Paul Kersey erneut zur Waffe. In einem brutalen Kleinkrieg spielt er mit Unterstützung eines zwielichtigen Millionärs die beiden führenden Drogenbanden LAs gegeneinander aus.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Meine Güte, wie viel Pech kann ein Mensch eigentlich haben? Egal, an wen sich Paul Kersey (Charles Bronson, Spiel mir das Lied vom Tod) emotional auch bindet, alle werden sie vergewaltigt, geschändet und/oder kaltblütig ermordet. Keine Wunder, dass sich der Architekt eine Nebenbeschäftigung gesucht hat, mit der er seiner Wut auf die Verkommenheit dieser Welt ein Ventil ermöglichen konnte: Er wurde zur Ein-Mann-Rache-Armee. Am Tag der Pigmentstift, in der Nacht der Elefantentöter. Und genau dieses personelle Konzept, das den unbescholtenen Jedermann zum moralisch-legitimierten Amokläufer erhob, machte nach dem aufgrund seiner stimmungsvollen großstädtischen Bestandsaufnahme durchaus gelungenen Ein Mann sieht rot bis heute unaufhaltsam Schule. In welch haarsträubende Regionen diese allerdings ausarten kann, hat das Death Wish-Franchise wohl am besten veranschaulicht.

Nach dem verachtenswerten Der Mann ohne Gnade, der Charles Bronson stocksteif durch die Stadt der Engel wüten ließ, um Michael Winner die Chance zu geben, einer seltsam sexualisiert-sadistische Gewaltgeilheit zu frönen, nahm sich Death Wish 3 – Der Rächer von New York den reaktionären Geifer, der Teil 2 aus dem Mundwinkel tropfte und übersteigerte ihn gnadenlos zur launigen Explositionssause, in der sich Bronson dank des Rentnertickets direkt mit dem Bus in Bronx kutschieren lässt, wo er mit dem Panzer-knackenden Raketenwerfer nicht lieber tut als Abschaum wegzuputzen. Das Weiße im Auge, der nunmehr vierte Teil der Death Wish-Reihe, bei dem nun J. Lee Thompson (Murphys Gesetz) die Zügel übernommen hat, setzt sich über seine knapp 100-minütige Laufzeit zwischen die Stühle, die ihm die Vorgänger zurechtgeschoben haben.

Vor allem macht Das Weiße im Auge mehr als deutlich, dass Charles Bronson längst den Zenit überschritten hat, um der für ihn auf den Leib geschneiderten Rolle des einsamen Vigilanten gerecht zu werden. Wenn der 66-Jährige hier schon leicht neben der Spur die Gorillapranke kreisen lässt, dann scheppert das zwar immer noch, bringt aber simultan dazu diesen unfreiwillig komischen Geronto-Muff mit, der deutlich macht: Eigentlich sollte dieser Mann Scrabble spielen, anstatt mit der Vollautomatischen Jagd auf Drogendealer zu machen. Aber wenn es außer ihm nun mal niemand tut? Eben. Hier trifft es sodann die Tochter seiner neuen Lebensgefährtin, die durch eine Überdosis Kokain geradewegs das Zeitliche segnet – und den alten Zorn, den Kersey seit über 10 Jahren in sich trägt, wieder aufs Neue entfesselte.

Das Weiße im Auge versteht sich zwar darin, den Bodycount hochzuhalten, allerdings inszeniert J. Lee Thompson diesen Feldzug gegen die Drogen- und Menschenhandel-Syndikate uninspiriert bis schmucklos auf Cannon-Schlonz-Niveau, was vor allem aus dem Grund bedauerlich ist, weil der Film in der Exposition (und nur in dieser) mit einer Alptraum-Sequenz suggeriert, dass Paul Kersey von den (Blut-)Taten seiner Vergangenheit heimgesucht wird. Der Rest versandet in grimmiger Hilflosigkeit, die blutig, aber fernab jeder Dynamik über den Bildschirm eiert. Wenn der absolut düstere, pessimistische Schlussakkord angegangen wird, möchte man noch einmal ungläubig die Augen reiben, allerdings kommt dieser Ausdruck einer unheilbaren Todessehnsucht zu spät. Und, ja, es beendet auch den falschen Film, denn von inneren Konflikten und seelischen Zerrissenheit möchte Das Weiße im Auge nichts wissen.

Fazit

Zynische, überaus brutale B-Movie-Konfektion, in der weder der nicht unbegabte J. Lee Thompson sein inszenatorisches Talent unter Beweis stellen kann, noch Charles Bronson an seine ruhmreichen Zeiten als einsamer Rächer heranreicht. Wäre nicht dieses unfassbar betrübende, schwarzseherische Ende und der anfängliche Versuch, Paul Kersey einen Kampf mit inneren Dämonen anzudichten, "Das Weiße" im Auge wäre in seiner grimmigen Hilflosigkeit der belangloseste Teil der Reihe.

Kritik: Pascal Reis

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