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Mädchen gehen mit Jungs aus - das stellt die 15-jährige Adèle zunächst nicht in Frage. Doch das ändert sich schlagartig, als sie Emma trifft. Die Künstlerin mit den blauen Haaren lässt sie ungeahnte Sehnsüchte entdecken, bringt sie dazu sich selbst zu finden, als Frau und als Erwachsene.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es wird wohl der Film, welcher 2013 neben den großen Namen am meisten im Gedächtnis bleiben wird: "Blau ist eine warme Farbe". Immerhin konnte das ästhetische, gefühlsreiche wie sensible dreistündige Werk von Regisseur Abdellatif Kechiche ("Vénus noire", "Couscous mit Fisch") bereits in Cannes merklich ohne Mühen den Hauptpreis des Festivals für sich verbuchen. Doch nicht nur das, denn die hochverdiente Goldene Palme ging nicht nur an Regisseur sowie Drehbuchautor Abdellatif Kechiche, sondern auch an die beiden Hauptdarstellerinnen Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux. Denn ohne das leidenschaftliche, bodenständige, realistische wie ebenso leichte Schauspiel der beiden Französinnen wäre die Geschichte niemals so intim geworden. Was folgt ist somit eine Fabel über die Liebe, eine hinreißende Erzählung über Leidenschaft, Hass sowie das Erwachsenwerden und somit ohne Zweifel einer der besten Filme des Jahres.

Der internationale sowie deutsche Titel "Blau ist eine warme Farbe" (Originaltitel: "La Vie D’Adèle") kommt hierbei, lose basierend auf der Graphic-Novel "Le Bleu est une couleur chaude" von Julie Maroh, nicht von ungefähr: So dreht sich im Film alles um eine bittersüße Liebe, die vor allem mit einem durchdringenden Funken beginnt. Die blaue Haarfarbe von Emma steht dabei für die Hoffnung, die Zuversicht sowie das Leben, welches Adèle förmlich in sich aufsaugt. Und über die Zeit hinweg entsteht hieraus eine faszinierende Geschichte zweier starker wie vielschichtiger Frauen, die mit einem emotionalen Tiefpunkt einfach enden muss. Wenn Blau sich langsam zurück zu Blond verwandelt, gibt es für den Zuschauer eine Reise, die gleichsam tief, politisch, soziologisch wie intensiv wirkt, jedoch niemals dabei aufgesetzt oder künstlich. "Blau ist eine warme Farbe" ist somit wohl einer der authentischsten wie realistischen Filme des Jahres. Denn die gewählte Erzählart von Regisseur Abdellatif Kechiche erlaubt auf eine wundersame Art und Weise seinen beiden Hauptdarstellerinnen einen Platz, in dem sie sich natürlich wie durchdringend entfalten können. Dies zusammen mit der grandiosen Kameraarbeit von Sofian El Fani (die stets nah am Geschehen bleibt und den Zuschauer in die Geschichte eintauchen lässt) sowie einer meisterhaften subtilen Musikuntermalung, ergibt eine wahre Sinfonie, die das epochale Werk von drei Stunden wie im Flug vorbei gehen lässt.

"Blau ist eine warme Farbe" spielt dabei gekonnt mit den Zeiten, Momenten und somit auch dem Glück der Protagonistinnen. Egal ob intime Minuten, hasserfüllte Stunden oder glückliche Zweisamkeit, der Zuschauer folgt über 10 Jahre hinweg einer Erzählung, die ihren eigenen Rhythmus kennt, ihre eigene Struktur und dies weit entfernt von typischen Konventionen. Es entsteht ein eigenwilliges Zeitgefühl, welches gekonnt zwischen Verführung, Obsession, Enttäuschung, Hass sowie Erlösung hin und her wechselt. Politisch (im Sinne von Moral) will das Werk von Regisseur Abdellatif Kechiche hierbei niemals sein. Viel eher setzt der Film auf subtile Momente und Botschaften, die ein großes Ganzes erkennen lassen. Und somit ist auch die Wahl eines lesbischen Paares scheinbar zufällig gewählt (wobei hier dennoch eine Faszination entsteht). Einzig der unübersehbare Klassenunterschied zwischen Adèle und Emma erlaubt lautere Zwischentöne. Wie jeder diese für sich einordnet, bleibt jedoch jedem selbst überlassen.

Und so kommt es dann auch, dass die expliziten wie teils tabubrechenden Sexszenen keineswegs im Vordergrund der Debatten standen. Jedoch bleibt dennoch die Frage offen, warum viele der Szenen nicht eher auf Fantasie setzen. So sieht sich der Zuschauer unter anderem mit einer fast zehnminütigen körperlichen Intensität konfrontiert, die vor allem sinnlich sowie verstärkend erzählerisch wirken soll. Allerdings ist das unverkrampfte Spiel (für welches Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux ihren Regisseur im Nachgang auch kritisiert haben) eher ein beliebiges Schauspiel eines erotischen Pornos. Für die erste Liebe, ein erstes intensives Aufeinandertreffen, Abtasten sowie ein gnadenloses Verlangen, wirkt die Darstellung dann doch zu künstlich sowie konstruiert. Schade, da wäre deutlich weniger mehr gewesen, wodurch "Blau ist eine warme Farbe" noch zusätzlich profitiert hätte. Ein künstlerischer Anspruch ist zwar durchaus zu erkennen, die kontroversen Hintergründe und der plakative Einsatz der Szenen ergeben wohl aber die meiste Kritik am sonst so fabelhaften Werk von Abdellatif Kechiche.

Das letztlich dennoch alles wie aus einem Guss wirkt und die Geschichte über die drei Stunden hinweg wie ein zeitloser Liebesklassiker wirkt, liegt vor allem an Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux. Ihr meisterliches Schauspiel wirkt stets nah, dramatisch, real und fast zu jeder Zeit vollkommen nachvollziehbar. Es entstehen zwei Persönlichkeiten, die einen wahrlich ans Herz wachsen. Mit denen man mitfiebert, -leidet und eben auch liebt. Somit verdienen gerade die beiden Protagonistinnen den meisten Respekt und hoffentlich nächstes Jahr auch einen wohlverdienten Oscar.

Fazit

Trotz des recht zweifelhaften Einsatzes von künstlerischem Sex bleibt "Blau ist eine warme Farbe" wohl einer der faszinierendsten wie warmherzigsten Filme des Jahres. Gerade das Schauspiel von Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux überzeugt in jeglicher Hinsicht und entfaltet zusammen mit der meisterlichen Erzählweise sowie der gekonnten Inszenierung ein Liebesepos, welches von seiner Leidenschaft, der authentischen wie intelligenten Story sowie der unglaublichen Leidenschaft lebt. Ein Film, der das Liebes-Genre in vielen Belangen überflügelt und revolutioniert.

Autor: Thomas Repenning

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