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Während Sedanur in Ingolstadt die ganze Nacht damit verbringt, Autoteile zu sortieren, sucht Headhunterin Eva nach Fachkräften zur Automatisierung in der Logistik. Zwei ungleiche Vertreterinnen einer Generation, in der jede*r früher oder später ersetzbar wird.

Kritik

Für eine Dokumentation über die Herstellung von Autos verfügt Jonas HeldtsAutomotive über eine stark humanistische Perspektive. Das Innenleben des Riesenkonzern Audi wird betrachtet von zwei Punkten, jeweils am anderen Ende des Karrierespektrums: Während die Leiharbeiterin Sedanur Tag und Nacht in der Herstellungsfabrik schuften muss, und die eigentliche Audi Zentrale nie von innen gesehen hat, sitzt die Headhunterin Eva in ihrem Büro und führt ein Business-Interview nach dem nächsten. Der eine Job ist befristet, der andere nicht, zumindest vertraglich. Denn im Hintergrund von Heldts Doku steckt das systematische Verschwinden beider Arbeitsplätze durch einen erbarmungslosen technologischen Fortschritt. Dazwischen stecken viele Beobachtungen über die Tücken und Intrigen eines Konzerns, der den Kontakt zu seinen MitarbeiterInnen längst der Effizienz geopfert hat. 

Das ist jedoch keine neue Erkenntnis, wie auch relativ viele Einblicke in den Konzern sich stark bekannt und vertraut anfühlen. Einige Aspekte der jüngeren Firmen-Vergangenheit wie die Verhaftung von Audi-Chef Rupert Stadler werden relativ kurz erwähnt, daneben gibt es Archivmaterial von alten Werbespots. Ein richtiges Konzept ergibt sich nur in Ansätzen. Der Handlungsstrang rund um Sedanur erzählt vom ewigen Kämpfen und Ringen rund um die Sicherung des Arbeitsplatzes, inklusive subtiler vertraglichen Rausschmeißtaktiken. Unspektakulärer wirkt der Büroaspekt um Eva, in welchem sich Interviews und Verhandlungen unaufhaltsam ablösen. Heldt schafft zwar ein interessantes Bild eines, auf Arbeit völlig angepasstes Leben, wiederholt sich jedoch zu oft. Der Versuch, ein Gesamtbild der Firma einzufangen mag zwar ambitioniert sein, erweist sich als thematisch wenig fruchtbar und liefert in den besten Fällen Situationen, die zum amüsieren einladen. 

Der unangenehmste Aspekt des Filmes ergibt sich jedoch aus den Szenen, welche das Privatleben von Sedanur dokumentieren. Man sieht die Deutsch-Türkin bei der Maniküre, bei Unterhaltungen mit Freunden und darf ihr zuhören wie „elegant“ Audi doch sei. Zum einen fühlen sich diese Szenen stark unauthentisch und gestellt an, zum anderen wirken sie im Kontext des Filmes stark herablassend an, als wolle Heldt um jeden Preis das Bild der verzweifelten Leiharbeiterin aufrechterhalten. Viel interessanter wird seine Doku, wenn sie sich auf die Zukunft der Industrie fokussiert. Für einen Schlag in die Magengrube sorgt etwa die Erkenntnis, dass nach der Einführung sämtlicher Arbeitsroboter, inklusiver Gabelstaplerrobter, nur noch ein Viertel aller Mitarbeiter gebraucht werden. Die daran anschließende Montage der Dienstmaschinen im Einsatz reicht von faszinierend bis hin zu erschreckend.

Fazit

In „Automotive“ wechseln sich Belanglosigkeiten permanent mit wirklich fundierten Erkenntnissen ab. Einzelaspekte der Doku sind fruchtbar, das Gesamtpaket wirkt jedoch etwas unausgegoren.

Autor: Jakob Jurisch

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