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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Kommissar Giacomo Amaldi wird am Tatort eines brutal exekutierten Pärchens schnell klar, daß er es hier mit einem skrupellosen Serienkiller zu tun hat. Der perverse Mörder trennt seinen Opfern Körperteile ab und ersetzt sie mit puppenartigen Prothesen. Amaldi versucht, die mysteriösen, am Tatort hinterlassenen Botschaften zu enträtseln, denn nur sie führen direkt zu dem Wahnsinnigen. Doch weitere Leichenfunde erschüttern die Ermittlungen, sogar sein Chef wird bestialisch ermordet, da er die Identität des Psychopathen erahnt. Die Situation eskaliert, als die Studentin Giuditta entführt wird. Amaldi hatte sich ihrer angenommen, weil sie sich verfolgt fühlte. Jetzt läuft ihm die Zeit davon, und es beginnt ein Rennen um Leben und Tod zwischen Ermittler und Mörder...
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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der Giallo war eine sehr besondere Stilrichtung des Genre-Films, über dessen Ursprünge sich viel diskutieren lässt. Giallo, das italienische Wort für Gelb, bezieht sich auf den gelben Einband, in dem seit den 1930er Jahren die triviale Heftroman-Reihe Il Giallo Mondadori in Italien vertrieben wurde. Groschenroman-Krimis ohne großen Anspruch, aber mit einem leicht schäbig-verruchten Anstrich. Filmisch gilt tatsächlich die 1959 in Deutschland durch Der Frosch mit der Maske losgetretene Edgar Wallace-Filmreihe als loser Startpunkt, Mario Bavas The Girl Who Knew Too Much (1963) wird allgemein als der erste italienische Giallo betrachtet, unmittelbar gefolgt von Blutige Seide (1964), der für diese Subkultur auch stilistisch die Weichen stellen sollte. Richtig populär wurde das Ganze aber erst 1970 mit Dario Argentos Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe. In der ersten Hälfte der 70er wurde der Markt praktisch geflutet mit etlichen Beiträgen dieser Zunft. Manche vollkommen irrelevant, manche ganz charmant und einige ausgewählte Exemplare gar echte Meisterwerke. Mit Beginn der 80er verschwand der Giallo fast vollständig von der Bildfläche, ohne die gelegentlichen Highlights eines damals noch sprudelnden Dario Argento wäre er gar nicht mehr existent gewesen, aber auch er verkam nach seinem letzten Meisterstück Terror in der Oper (1987) nur noch zu einem langsam verhallenden Echo seiner selbst. Der Giallo, er war nun mausetot und bis heute ist er es eigentlich immer noch, da bis auf selten gestreute B-Movie-Hommage-Versuche der einstige Glanz nie wieder mittelfristig reanimiert werden konnte. 

Da macht prinzipiell auch Anatomie des Grauens von Eros Puglielli keine echte Ausnahme von der Regel, denn auch er ist nicht mehr als eine Referenz an das damalige Kino. Aber eine, die sich diesen Schuh sehr bewusst anzieht und nicht nur in purem Retro-Kopien ersäuft, sondern sogar versucht, dem eine aktuelle Bühne zu bieten. Oder anders gesagt: die Methoden des Giallo einem modernen Publikum nahezubringen, das vielleicht nicht so vertraut ist mit den geistigen Vorlagen. Dabei beruht der Film tatsächlich auf einer Romanvorlage, inwieweit sich diese vielleicht auch der waschechten Giallo-Literatur zuordnen lässt, kann diese Kritik leider nicht beurteilen. Der Film versucht jedoch zweifellos, eine Brücke zu den Werken der Vergangenheit zu schlagen. Die Jagd nach einem brutalen Serienkiller - der seinen Opfern Gliedmaße abtrennt, um sich daraus scheinbar etwas „zusammenzubasteln“ – ist reißerisch und grobschlächtig, nichtsdestotrotz schön griffig und birgt eine kantige Faszination. Das Whodunnit-Prinzip wird – und das ist von Beginn an glasklar – auf irgendeine aus dem Ärmel gezauberte Waschküchenpsychologie-Pointe hinauslaufen, in der wieder irgendjemand ein ganz schlimmes Trauma mit maximalem Irrsinn wenig konstruktiv, aber zumindest saumäßig gemein zu verarbeiten hat. 

Narrativ somit genauso banal bis absurd wie selbst viele gute Gialli vergangener Tage, ist es genau diese Werkgetreue, die einen gewissen Charme für Fans ausmacht. Sehr schön ist in dem Zusammenhang auch der Opening-Score, der wahre Ohrwurmqualitäten hat und das alte Feeling wunderbar einfängt, leider aber danach so nie wieder vorkommt (warum zum Teufel eigentlich nicht? Den hätte man locker alle zehn Minuten einspielen können). Dazu geht es hier überraschen explizit zur Sache, was wiederum ein neues Genre-Publikum deutlicher abholen dürfte und eine gewisse Nähe zu Filmen wie Sieben oder Die purpurnen Flüsse aufweist, die mit Sicherheit auch in gewisser Weise ins Boot geholt werden sollen. Dieses Vorgehen – die Verbindung von Klassik und Moderne – ist leider Fluch und Segen zugleich, denn was aus erwähnten Punkten als recht geschickte Gratwanderung beginnt, verläuft sich leider zusehend in einen nicht mehr ganz stilsicheren Hybrid aus „Etwas hiervon, etwas davon“. 

Ein Stückweit scheitert der Film an der Hürde quasi aller modernen Gialli: dass sie nicht das authentische Gefühl der ursprünglichen Welle performen können, und auf der anderen Ebene daran, dass ein neues Publikum vermutlich nicht verstehen wird, was hier versucht wird. Am Anfang wirkt diese Kombination noch sehr erfrischend und vielleicht wie ein verblüffend gelungener Hybrid, am Ende tappt man aber ab und an in diese daraus logisch aufploppenden Falle. Nach einem starken Auftakt baut man zum Ende hin leider sichtlich ab, unabhängig davon gelingt Eros Puglielli dennoch ein relativ gelungener Neo-Giallo, da sein Anliegen und seine Referenzen nicht nur klar ersichtlich sind, sondern sie überwiegend auch anständig inszeniert werden. In vielen kleinen Details werden hier sehr deutlich die großen Klassiker des Giallo zitiert (fast jeder Argento-Film der 70er & 80er; Stichwort Puppen, Tiere allgemein und Insekten als Hinweisgeber), das Tempo stimmt und wenn man sich nicht daran stört, dass die Auflösung naturgemäß ziemlicher Mumpitz ist, dann ist man hier als Fan der ersten Stunden schon sehr gut aufgehoben. Ob man damit jetzt eine neue Zielgruppe für das Sujet gewinnen kann, das sei mal dahingestellt. 

Fazit

Für Giallo-Kenner eine schöne, stilsicher Hommage an den Glanz vergangener Tage, der sogar versucht wird in die Moderne transportiert zu werden. Dieses komplizierte Unterfangen gelingt nicht vollumfänglich, der Vorsatz ist aber schon mal aller Ehren wert und über weite Strecken recht gut umgesetzt. Neue Fans generiert man damit vermutlich nicht, die alten Hasen erhalten aber mal eine seltene Umarmung in neue Decken gehüllt, die sogar diesen leicht muffigen Stallgeruch haben - der für manche einfach nur stinken wird. 

Kritik: Jacko Kunze

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