3.5

MB-Kritik

A New Dawn 2026

Animation

3.5

Riku Hagiwara
Kotone Furukawa
Miyu Irino
Takashi Okabe

Inhalt

Die Feuerwerksfabrik Obinata, die einst in einem üppig grünen Waldgebiet lag, soll per Verwaltungsbeschluss am nächsten Tag abgerissen werden; vorgesehen ist die Verlängerung einer Präfekturstraße quer durch das Gelände. Seit vier Jahren hat sich Keitaro in der stillgelegten Fabrik eingeschlossen und stellt dort ganz allein Feuerwerkskörper her.

Kritik

Visuell virtuos, doch narrativ opaque, erinnert Yoshitoshi Shinomiyas Spielfilm-Debüt, das im Wettbewerb der 76. Berlinale als einziger Animationsfilm läuft, an eine inszenatorisches Pendant der handlungszentralen Feuerwerkskörper. Deren Farb-Explosionen sind faszinierend schön, ihre Zusammensetzung aber so kompliziert, dass die drei jungen Hauptfiguren über Jahre darüber rätseln. Klassische Coming-of-Age-Narrative von Freundschaft und Selbst(wieder)findung verbinden sich nur mühsam mit zeitaktuellen Bezügen zu Umweltzerstörung, Isolation und strukturellem Zerfall. Dramaturgie und Kontinuität sind nachrangig gegenüber den zauberhaften Bildern.

Trotz mit Exposition und Erklärungen regelrecht überladenen Dialogen und aufwendigen zeichnerischen Tableaus, die an Landkarten und Beweis-Tafeln erinnern, erschließt sich die verworrene Handlung nur mühsam. Die Brüder Keitaro (Sprecher: Riku Hagiwara) und Chichi (Miyu Irino, Dragon Ball Super: Super Hero) treffen sich in der traditionsreichen Feuerwerks-Fabrik ihres Vaters Obinata mit ihrer Freundin, Anwalts-Tochter Kaoru (Kotone Furukawa, Cloud). Ihre Eltern vertreten Obinata in einem aussichtslosen Verfahren gegen die drohende Fabrik-Schließung. Vier Jahre später kehren Kaoru und Chichi zurück in die baufällige Fabrik, die Keitaro nicht verlassen will. 

Vergangenheit und Gegenwart überlappen einander in einem Szenario voller kosmischer Geheimnisse und mythischer Mysterien. Als jahrhundertealte Tradition, über die das Figuren-Trio sowohl seine kulturelle als auch persönliche Identität findet, ist das Feuerwerk zugleich Symbol und plastische Realität: schillernd und hypnotisch und trotz seiner Gefährlichkeit essenzielles Element gemeinschaftlicher Geschichte. Gentrifizierung, Klassenunterschiede und Schuldgefühle sind nur einige der vielschichtigen Themen, die der poröse Plot aufgreift und aus den Augen verliert. Poetische Bilder mit zu wenig Seele und Substanz. 

Fazit

Positive Verklärung von Tradition und Familienwerten gibt Yoshitoshi Shinomiyas erster eigenständiger Langfilm-Arbeit als Animator und Regisseur einen ambivalenten Beigeschmack. Umso mehr sich die Fragmente der zwischen Fabel und Fantasy oszillierenden Story zusammenfügen, umso unvollständiger scheint das Handlungskonstrukt. Urbane Anonymität und ländliche Gemeinschaft, bröckelndes Brauchtum und mediale Interkonnektivität, Verdrängung und krampfhaftes Festhalten der Vergangenheit driften thematisch durch die in pastelligen Wasserfarben leuchtenden Animationen. Stop-Motion, Collage und traditionelle japanische Zeichenkunst verflechten sich leichthändig, wo die Handlungsstränge zerfasern. 

Autor: Lida Bach
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