Die Kamera wird in Vee Shis zartbitterem Cinéma vérité zum Medium eines paradoxen Perspektiv-Wechsels; sie eröffnet nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Regisseur einen ungekannten Einblick in den Alltag einer chinesischen Mittelstandsfamilie. Es ist Shis eigene, über die er sagt, er habe sie nie richtig gesehen: “Bevor ich sie als Regisseur betrachtete.” Dieses Eingeständnis zu Beginn des kantigen Gruppenbilds manifestiert sich in einem präzisierten Fokus auf die zwischenmenschliche Dynamik in der städtischen Apartment-Wohnung und einer nicht nur im partizipatorischen Dokumentarkino seltene emotionale Offenheit.