Bildnachweis: Capcom

Videospiel "Resident Evil 7 Biohazard" im Test

von Sebastian Stumbek

Story

"Resident Evil 7 Biohazard" führt die legendäre Serie auf einen neuen Kurs und öffnet die Tür zu einer beängstigend mitreißenden Erfahrung. Der nach den dramatischen Geschehnissen in Resident Evil 6 spielende siebte Teil bietet mit der in Dulvey (Louisiana) befindlichen düsteren Plantage ein komplett neues Szenario, in dem man auf die mysteriöse Baker-Familie trifft und wo die als lange verschollene Partnerin des Protagonisten vermutet wird. 

Kritik

Als sich Hideo Kojima und Guillermo del Toro zusammentaten und 2014 "Silent Hills" der Öffentlichkeit in Form ihrer geheim gehaltenen Demo "P.T." vorstellten, stand das ganze Internet Kopf, Fans weltweit gerieten in hellste Vorfreude. Was ein sicherer Hit geworden wäre ist nach einem Streit mit Publisher Konami jedoch noch während der Entwicklung gestorben. Ein "Silent Hill" aus der Ich-Perspektive, das sich auf seine Wurzeln besinnt und den wahren Horror zurück bringt, sollte es leider doch nicht mehr geben. Klugerweise hat Capcom die Gunst der Stunde erkannt und die vorgestellten Ideen für die Entwicklung der eigenen "Resident Evil"-Reihe angewandt. Wir erinnern uns, nach dem hochgelobten "Resident Evil 4" bewegte sich die Reihe immer weiter in Richtung Actionspiel, mit Horror hatte das Ganze immer weniger zu tun. Damit sollte nun endlich Schluss sein, "Resident Evil 7 Biohazard" will wieder echten Horror generieren, der dem Spieler das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Die weniger einladende Küche der Familie Baker

Dazu krempelte man das eigene Konzept radikal um. Erstmals bewegen wir uns in First-Person statt wie zuvor das Geschehen in 3rd-Person zu erleben. Das allein gibt schon einen großen Pluspunkt, denn der Horror wirkt dadurch bereits um einiges intensiver, wenn wir ihn aus eigenen Augen erleben, wie uns die "P.T."-Demo oder das Horrorgame "Outlast" bereits eindrucksvoll bewiesen. Auch trennte man sich von all den etablierten Helden der Reihe, wir steuern in "Resident Evil 7 Biohazard" einen ganz gewöhnlichen No-Name-Charakter, der fernab vom ganzen Umbrella-Gedöns eine Nebengeschichte auf einem finsteren Anwesen erlebt. Ein mutiger Neuanfang quasi, der sich angenehm anfühlt und der Reihe genau den frischen Wind bringt, die sie benötigte. 

Auf dem ruhig wirkenden, heruntergekommenen Anwesen, in welchem man nach seiner seit Jahren vermissten Freunden Ausschau hält, bricht schon bald die Hölle aus. Nach einigen ruhigen Minuten, in welchem wir das unheilvolle Gemäuer betreten und uns zunächst nur knackende Geräusche und die modernde Szenerie einen leichten Schauer über den Rücken jagen, machen wir schon bald Bekanntschaft mit den Einwohnern, der Baker Familie. Auch unsere vermisst geglaubte Freundin wird schnell ausfindig gemacht, ein Grund zur Freude ist das aber nicht, denn bei der Dame scheinen alle Sicherungen durchgebrannt zu sein, wie wir schon bald feststellen, wenn sie mit Messer oder ratternder Kettensäge schreiend auf uns zugerannt kommt. Atmosphärisch trumpft "Resident Evil 7 Biohazard" hierbei voll auf, was sich hier nun fortlaufend abspielt ist purer Terror und fühlt sich an, als sei man selbst Teil des "Texas Chainsaw Massacre". Statt sich durch Gegnerhorden zu metzeln, wie es zuvor in den Spielen der Reihe gängig war, schleicht man nun vorwiegend durch das Anwesen, stets mit der Angst einen Baker zu treffen. Das Problem hierbei: Wir können uns kaum zur Wehr setzen. Zwar finden wir mit der Zeit auch einige Waffen, von Pistolen bis zu Nahkampfgerätschaften, doch weder reicht die Munition aus, noch können wir die Bakers damit ausschalten, höchstens nur kurzzeitig vom Leib halten. Das sorgt für ein permanentes Gefühl von Hilflosigkeit, was für einen ordentlichen Adrenalinschub und permanente Anspannung sorgt. Doch genau das ist es, was Spieler von einem Horrorspiel erwarten, oder? In dem Punkt sind wir wohl alle Masochisten und "Resident Evil 7 Biohazard" gibt uns diese Befriedigung in großen Schüben.

Marguerite Baker empfängt uns freudig

Um aus dem Anwesen zu entkommen gilt es diverse Schlüsselobjekte zu finden. Dazu erkunden wir die einzelnen Räume, suchen nach Hinweisen, lösen kleinere Rätsel (die sich diesmal nicht aufgesetzt anfühlen, sondern gut ins Spielgeschehen integriert sind) und versuchen Zugang zu verschlossenen Räumen oder Flügeln zu erlangen. Hin und wieder lassen sich auch Videokassetten (insgesamt gibt es vier) finden, die uns das Geschehen aus der Vergangenheit aufzeigen, aus der Perspektive anderer Personen. Das Schöne dabei ist dass wir dabei ebenfalls die Kontrolle übernehmen und immer mehr Licht ins Dunkel der Story bringen, ebenfalls lassen sich dabei Lösungswege finden, die wir für unseren eigenen Spielverlauf benötigen. 

Ganz grob lässt sich "Resident Evil 7 Biohazard" in drei Akte teilen. Im ersten befinden wir uns im Hauptgebäude und machen dabei vor allem mit dem Mann des Hauses, Jack Baker, Bekanntschaft. Großartig inszeniert und überaus spannend verbringen wir hier die ersten Stunden. Im zweiten Akt geht es in ein benachbartes Gebäude, worin uns die durchgeknallte Marguerite Baker und zahlreiches Ungeziefer schwer zu schaffen machen. Bis einschließlich hierhin setzt "Resident Evil 7 Biohazard" vor allem auf seine Horrorkomponente, mal subtil, mal mit lautem Paukenschlag. Zur Wehr setzen müssen wir uns zwar auch immer wieder mal, es hält sich aber eher in Grenzen. Das ändert sich dann im letzten Akt, worin wir uns Sohnemann Lucas Baker (sowie einer weiteren Gefahr, die wir hier nicht spoilern wollen) entgegenstellen müssen und seinen Hang zu tödlichen Spielen, die uns an "Saw" erinnern lassen. Hier ändert sich, mit Ausnahme der Rätseleinlagen, der Fokus nun schlagartig und "Resident Evil 7 Biohazard" entwickelt sich zunehmend zur Ballerorgie. Das ist für sich genommen auch weiterhin gut inszeniert und überaus intensiv, lässt jedoch den zuvor so erschütternden Horrorpart etwas außer Acht. Ob man daran Gefallen findet oder nicht entscheidet lieber jeder für sich selbst.

Der Weg zum benachbarten Anwesen kündigt Unheil an

Technisch zeigt sich "Resident Evil 7 Biohazard" auf der von uns getesteten PS4-Pro-Version überaus gelungen, macht grafisch einiges her, bietet eine großartige Soundkulisse, ein schönes Design und fiel durch keinerlei Bugs auf. Ein besonderer Clou für Playstation-Spieler ist zweifelsohne der VR-Support. Spiele für Helm-Besitzer gab es zwar schon zuvor einige, doch handelte es sich bislang nur um kleinere Gimmick-Games. Mit "Resident Evil 7 Biohazard" liegt nun das erste "richtige" Game vor, das sich komplett damit spielen lässt. Das ist kein Muss und funktioniert auch ohne wunderbar, ist jedoch ein faszinierender Bonus, der das Geschehen umso beängstigender wirken lässt.

Mit rund 10 Stunden Spielzeit mag "Resident Evil 7 Biohazard" nicht das längste Abenteuer sein, fühlt sich in der Form dennoch völlig rund an und passt sich in etwa dem Genrestandard an ("Until Dawn" bot ebenfalls rund 10 Stunden, "Outlast" bewegt sich bei rund 6 Stunden, bei "The Evil Within" waren es etwa 15 Stunden). Dadurch, dass man die meiste Zeit unter hoher Anspannung spielt fühlt man sich danach ohnehin erst einmal fix und fertig. Wer Nachschub wünscht, kann bereits auf das erste erhältliche DLC "Verbotenes Filmmaterial 1" zugreifen, weitere dürften bald folgen. Diverse höhere Schwierigkeitsgrade sind für Hardcore-Spieler ebenfalls verfügbar.


Fazit

"Resident Evil 7 Biohazard" bringt angenehm frischen Wind in die Reihe und begeistert durch seine unglaublich packende Atmosphäre, intensiv wirkenden Horror sowie zahlreiche originelle Ideen. VR-Besitzer dürfen sich zudem auf den ersten wirklich sinnvollen Einsatz ihres Geräts freuen. Gern hätte das Game in seinem Schlussakt weiterhin den Fokus auf subtilen Horror statt auf Ballerei beibehalten können, doch ist das Meckern auf hohem Niveau und letztendlich Geschmacksache. "Resident Evil 7 Biohazard" ist purer Terror und somit Pflichtprogramm für Genrefans.

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