Bildnachweis: © Gunfire Games / Perfect World Entertainment

Videospiel "Remnant: From the Ashes" im Test

von Sebastian Stumbek

Story

In den späten 1960er Jahren entdeckten Erdwissenschaftler einen Stein mit seltsamen Symbolen. Die Entschlüsselung dieser Runen öffnete Portale, die in andere Welten führten – allerdings wartete dort bereits eine bösartige Macht, nun bekannt als die Saat. Diese befiel die Erde und rottete die Bevölkerung nahezu aus. 80 Jahre nach der Invasion beginnt deine Reise an den Ufern einer zerstörten Stadt im Schatten eines mysteriösen Turms.

Kritik

Knapp ein Jahr nach ihrem Hack-'n'-Slash-Action-Adventure Darksiders 3 hat Entwickler Gunfire Games bereits den nächsten Titel für PC- und Konsolenspieler parat: Remnant: From the Ashes nennt sich der düstere Koop-Shooter mit RPG-Elementen, der vor wenigen Tagen erschienen ist und mit Anleihen aus Dark Souls, Diablo und dem hauseigenen Darksiders aufzufallen weiß. Durch seinen etwas unaufregend gestaltenen Einstieg fällt der Ersteindruck zunächst etwas nüchtern aus, sobald man mit den Mechaniken aber vertraut ist und in die atmosphärisch gestaltete postapokalyptische Welt hinausschreitet entfaltet Remnant: From the Ashes schnell eine enorme Sogwirkung, die von Stunde zu Stunde immer besser wird. Allerdings steigt auch der Frustpegel immer weiter an und droht Überhand zu nehmen, je nachdem wie man das Spiel spielt, doch dazu später mehr.

Zunächst basteln wir uns unsere Spielfigur zusammen, gewählt wird dabei lediglich aus optischen Merkmalen. Eine Spezialisierung erfolgt kurz danach, wenn wir das Tutorial gemeistert haben, welches uns schnell mit der Steuerung vertraut macht. Hier wählen wir zwischen drei Archetypen, die den Fokus entweder auf den Nahkampf, den Fernkampf oder irgendwo dazwischen legen. Schwerwiegend ist die Entscheidung aber nicht, denn im Laufe des Spiels können wir uns ohnehin in jede Richtung entwickeln, die wir für richtig halten. Sie wirkt sich also nur auf die ersten Spielstunden aus, wenn wir auf die mitgegebene Startausrüstung angewiesen sind. 

Die Spieltwelt von Remnant: From the Ashes ist für jeden Spieler übrigens zufallsgeneriert aus vorgegebenen Bausteinen, für jeden sehen damit nicht nur die Levels ein wenig anders aus, auch der zu findene Loot, einige Secrets und Quests bis hin zu den Bossen, auf die wir treffen, sind in jedem Spieldurchlauf ein wenig anders. All das hat den Vorteil, das der Wiederspielwert aufrechterhalten wird. Um wirklich alles zu sehen und zu finden, sind mehrere Durchläufe nötig, oder aber man würfelt sich am Energiekristall direkt eine neue Welt zusammen, wenn man schon vorher auf eine Neugestaltung aus ist. Allerdings gehen mit der Zufallsgenerierung auch einige Nachteile einher: Es kommt, selbst innerhalb einer Sitzung, gelegentlich zu sich wiederholenden Abschnitten, was sehr irritierend ausfallen kann, zudem fehlt dem Spiel damit die Genialität im Leveldesign, die beispielsweise die Spiele von From Software auszeichnet. Während dort jeder Gegner und jedes Item stets mit Bedacht platziert wurde, fällt hier eben alles sehr willkürlich aus.

Funktional ist es dennoch und macht aufgrund des hervorragenden Gunplays richtig Spaß. So ballern wir uns zunächst durch unterirdische Dungeons und heruntergekommene Stadtruinen durch unzählige Gegner und sammeln an Erfahrungspunkten, die in Talenten investiert werden und uns immer stärker und resistenter machen. Loot findet man, mit Ausnahme von Materialien, in Remnant: From the Ashes übrigens ziemlich selten, was im krassen Gegensatz zu Loot-Shootern wie Destiny steht, wo uns im Minutentakt Waffen und Rüstungsteile in die Hände fallen. Wenn wir in Remnant aber etwas finden, so handelt es sich meist um etwas Nützliches oder zumindest etwas Besonderes, beispielsweise einen Flammenwerfer oder eine Strahlenkanone, die es so sonst nicht anders im Spiel gibt, was das Ganze umso aufregender macht. Unsere Waffen und Rüstungsteile können wir uns mit dem nötigen Kleingeld und den benötigten Materialien nach und nach aufwerten lassen, mit gefundenen Mods werden unsere Waffen zudem mit interessanten Spezialfähigkeiten versehen, die von Brandmunition, heilenden Auras bis hin zu unterstützenden Kreaturen eine ganze Palette abdecken.

Gespielt werden kann übrigens allein oder online im Koop mit bis zu 2 weiteren Spielern. Empfohlen sei hier dringend letzteres, denn Remnant: From the Ashes ist nicht nur äußerst schwer, das Spiel leidet speziell für Solospieler derzeit an einem äußerst unausgewogenem Schwierigkeitsgrad, der ab einem bestimmten Zeitpunkt schlichtweg unfair ausfällt. Gegen ein schweres Spiel ist grundsätzlich nichts einzuwenden, es kann sogar ziemlich reizvoll ausfallen, wie vor allem Titel wie Dark Souls, Bloodborne bis hin zu Sekiro unter Beweis stellten. Der Unterschied ist aber: Sie sind bei aller Härte stets fair gestaltet. Wer draufgeht, ist in der Regel selbst Schuld und muss an seiner Technik und seinem Timing arbeiten, um all die komplexen Kampftechniken seiner Gegner zu beherrschen und zu meistern. Remnant: From the Ashes erzeugt Härte aber nicht durch ausgeklügelte Mechaniken, sondern auf eine sehr plumpe Art, indem uns pausenlos spawnende Gegnerhorden um die Ohren gehauen werden. Das entwertet nicht nur Bosskämpfe, es macht das Spielen späterer Levelabschnitte sehr ermüdend. Im Team werden die Gegner zwar stärker, zumindest aber kann man sich hier gegenseitig den Rücken decken und sich wiederbeleben. Wer allein spielt, wird von allen Seiten überrannt, da das Spielprinzip dafür nicht ausgelegt ist. Schade.

Wer stirbt, wird übrigens an einem (unter Umständen weit entfernten) Checkpoint wiederbelebt, verliert aber immerhin weder an Erfahrungspunkten, noch an Geld oder Gegenständen. Durch Aufwertung der Ausrüstung und des Charakters mag man manche Situationen in den Griff kriegen, irgendwann kommt man aber nicht drumrum sich nach mindestens einem Spielepartner umzusehen. Fordernd bleibt Remnant: From the Ashes damit zwar weiterhin, dann aber wieder auf angenehme Art, sodass der Spielspaß aufrecht erhalten wird. Gunfire Games bescherrt uns somit einen etwas unausgeglichenen Titel mit einigen Ecken und Kanten, der gewiss nicht für Jederman ist, unter den richtigen Voraussetzungen aber definitiv zu unterhalten weiß.

Fazit

Ein Soulslike mit Schusswaffen? Gewissermaßen schon, "Remnant: From the Ashes" ist knackig schwer, glänzt mit starkem Gunplay und entfaltet eine starke Sogwirkung. Auch die Spielwelt fällt durch ihr hübsches Artwork angenehm atmosphärisch aus und lädt zum Erkunden ein. In der Theorie auch für Solospieler zu meistern, in der Praxis sei davon aber abgeraten, da das Spielprinzip einfach nicht darauf ausgelegt ist und man durch endlos spawnende Gegnerhorden allein kaum eine Chance hat. Wer aber gern online im Koop spielt, dem sei der Titel bei gewisser Frustresistenz durchaus empfohlen.

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