Bildnachweis: © Studiocanal | Szene aus "Die Legende des Wüstenkindes"

"Die Legende des Wüstenkindes": Interview mit dem Regisseur Gilles de Maistre

von Yuliya Mieland

(Interviewt von Yuliya Mieland )

Am 21. Mai startet Pixars "Die Legende des Wüstenkindes"  in den deutschen Kinos. Anlässlich des Kinostarts durfte ich ein Interview mit dem Regisseur  Gilles de Maistre führen. 

© Photo de Kolorado 2025 - MAI JUIN PRODUCTIONS - STUDIOCANAL - UMEDIA PRODUCTION

Ihre Filme erzählen oft Geschichten über die Freundschaft zwischen Kindern und Tieren. Warum wählen Sie dieses Thema? Was fasziniert Sie daran?

Diese Geschichte ist etwas anders, denn sie beruht auf einer wahren Begebenheit: der Geschichte des Jungen Hadara, der mit zwei Jahren mitten in der Wüste verloren ging und zehn Jahre überlebte.
Die Natur und die Tiere halfen ihm. Diese Geschichte handelt davon, wie die Natur den Menschen helfen kann. Ja, es stimmt, dass ich viele Tiere in meine Filme einbaue, denn die Natur und die Verbindung zur Natur sind mir sehr wichtig, insbesondere um den Menschen zu helfen und ihnen zu zeigen, dass wir sie schützen müssen. Deshalb machen wir solche Geschichten. Und ich glaube, die Leute mögen solche Geschichten. Wir mögen solche Geschichten, weil meine Frau, die das Drehbuch geschrieben hat, und ich sechs Kinder haben. Wir machen unsere Filme also für unsere Kinder.

Sie haben gesagt, dass der Film  auf einer wahren Begebenheit basiert? Wie haben Sie die Geschichte oder diese reale Person gefunden?


Ja, die Geschichte war so eine Art verborgene Geschichte, mitten in der Wüste. Eine schwedische Journalistin arbeitete für eine schwedische Zeitung und interviewte Leute in der Sahara über die Legenden der Wüste. Alle erzählten immer wieder die Geschichte von Hadara. Sie dachte aber, das sei erfunden. Doch als der Artikel in der Zeitung erschien, kam jemand aus der Sahara zu ihr und fragte, ob sie Hadaras Sohn getroffen hätte. Sie antwortete: „Wie soll ich denn Hadaras Sohn treffen? Das ist doch keine wahre Geschichte.“ Doch, es war eine wahre Geschichte. Also kehrte sie in die Wüste zurück und suchte nach Hadaras letztem Sohn. Hadara hatte 5 Kinder. Das jüngste war ein alter Mann, und er erzählte die Geschichte. Danach schrieb sie ein Buch. Meine Frau las das Buch, und wir beschlossen, die Geschichte zu adaptieren, weil wir von ihr so fasziniert waren.

Wie war es, mit Ihrer Frau und Ihrer Tochter an diesem Film zu arbeiten? Ist es einfacher, mit der Familie zu arbeiten, weil sie sofort weiß, was Sie erschaffen möchten?


Meine Frau ist meine Inspiration, und sie hat das gesamte Drehbuch für den Film geschrieben. Wir haben also immer zusammengearbeitet, und unsere Kinder waren auch dabei. Wir reisen mit ihnen zu den verschiedenen Drehorten. Die Kinder haben die erste Drehbuchfassung gelesen und alle Aufnahmen am Set gesehen. Sie waren also mit dabei. Es ist wirklich ein Familienabenteuer. Meine Tochter wollte schon vorher in meinem Film mitspielen, also habe ich ihr eine kleine Rolle in „Der Wolf und der Löwe“ gegeben. Und dann hat Prune (Anm. de. Redaktion: Ehefrau) ihr die Rolle der Sun in diesem Film geschrieben. Es ist wie ein richtiges Familienabenteuer. Es ist toll. Es ist einfacher, mit dieser Familie zu arbeiten.

Wie war es, mit Tieren zu arbeiten?


Es ist immer sehr kompliziert, mit Tieren zu arbeiten, weil wir einen Weg finden müssen, mit ihnen zu kommunizieren, und jedes Tier ist anders. Die Strauße sind ganz anders als Löwen und Jaguare. Jedes Tier reagiert anders, deshalb ist es jedes Mal ein langer Prozess vor dem Dreh, den richtigen Zugang zu ihnen zu finden, um die Tiere in ihrer Komplexität filmen zu können. Es ist also nicht einfach, aber wenn man den Weg erst einmal gefunden hat, ist es ganz einfach.

Die Geschichte von Hadara weist einige Ähnlichkeiten mit Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ auf. War das Buch „Der kleine Prinz“ eine Inspiration für diesen Film?


Dieses Buch ist ein Meisterwerk für jedes französische Kind und das Lieblingsbuch meiner Frau Prune. Ja, es ist wie eine Offenbarung, es ist wie die wahre Geschichte des kleinen Prinzen.
Ich meine, die Geschichte von Hadara und seine Verbindung zur Natur haben viel mit dem kleinen Prinzen gemeinsam. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland auch als Meisterwerk gilt …

Ich mag das Buch. Ich habe es als kleines Kind gelesen.


In der Schule? Okay.

Wie lange hat der Dreh des gesamten Films gedauert und wo haben Sie gedreht?


Wir haben in Marokko gedreht, mitten in der marokkanischen Wüste.
Es ist ein wunderschönes Land. Der Rest war, wie ich schon sagte, sehr kompliziert: die Vorbereitung und die Suche nach einer Möglichkeit, den Film anschließend zu realisieren.
Wenn man dann aber einen Weg gefunden hat, ist es viel einfacher, und so verliefen die Dreharbeiten wie bei einem ganz normalen Film. Wir haben etwa zwei Monate in der Wüste gedreht und konnten den Film so fertigstellen. Aber vorher waren es jahrelange Vorbereitungen.

Welche Momente vom Dreh waren die einprägsamsten?


Ich weiß nicht. Vielleicht der Moment, als die Kinder und die Strauße so eine starke Verbindung zueinander hatten. Hast du den Film gesehen?
Ja.

Wenn sie sich umarmen und schlafen, den Kopf auf die Schulter legen – das ist ein sehr bewegender Moment. Und für mich ist dieser kleine Wüstenfuchs ein Meisterwerk. Er ist so niedlich, und ich liebe alles an ihm.

War es einfach, mit einem Fuchs zu drehen?


Ja, es gibt nichts zu tun. Er ist einfach da. Wir haben nie etwas Einfacheres gemacht. Er ist unter den Leuten und spielt einfach mit den Kindern. Es ist so süß.

Haben Sie Lieblingsszenen?


Wenn meine Tochter auf der Leinwand ist! (lacht) Ich liebe diesen Film, weil er uns allen einen sehr starken Spiegel vorhält. Die Geschichte von Hadara ist die Geschichte der Menschheit. Verloren, allein mitten in der Wüste, müssen wir überleben. Die Natur gibt uns alles, also müssen wir mit ihr zusammenarbeiten und sie schützen. Es ist unsere Geschichte. Ich denke, das ist die Stärke dieser Geschichte.

Ist es einfacher, mit Kindern oder mit Erwachsenen zu arbeiten?


Ich denke mit Kindern, aber man muss beim Casting ein gutes Kind finden. Man sollte ein Kind finden, das eine Verbindung zur Kamera und zum Film hat und für mich auch eine Verbindung zu den Tieren, weil sie etwas sehr Natürliches vermitteln, was interessant ist. Aber natürlich habe ich Coaches, die die Kinder coachen. Die Coaches arbeiten viel mit den Kindern, geben ihnen die nötige Energie für die Szene und so weiter. Aber ich denke, ich habe drei unglaubliche Kinder gefunden, die diese drei Altersgruppen spielen können.

Wie haben Sie die Kinder gefunden?


Oh, wir haben gecastet, Hunderte von Kindern ausgewählt und sie zu den Straußen gebracht, um zu sehen, ob sie eine Verbindung zueinander aufbauen können. Es war ein sehr, sehr langer Prozess.

Was ist die wichtigste Botschaft des Films?


Die wichtigste Botschaft ist: Respektiert die Natur, denn sie gibt uns alles.
Und das vergessen wir in unserer Welt. 

Vielen Dank. Das war's auch schon. Mir hat Ihr Film gefallen.


Vielen Dank.

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