Weiches Licht und eine strahlend weiße Farbpalette fungieren in Mads Mengels stilsicherem Beziehungsdiagramm zugleich als Metapher für die makellose Fassade, die es den Figuren aufrecht zu erhalten gilt, als auch deren Naivität gegenüber den massiven Auswirkungen neurodiverser Syndrome. Trine Dyrholms eindringliche Verkörperung einer zwischen Impulsivität und Sehnsucht nach Gemeinschaft zerrissenen Frau wird zum emotionalen Momentum der sachlichen Sektion intimer Eskalation. Deren Verankerung im bildungsbürgerlichen Milieu erweitert das kondensierte Geschehen um eine soziologische Facette, die klassistische Konzepte psychopathologischer Auffälligkeiten dezidiert widerlegt.