Der Kriegsfilm Windtalkers von John Woo gehört zu jenen Werken aus den frühen 2000er Jahren, die Krieg nicht nur als historisches Ereignis erzählen, sondern als donnernde, beinahe opernhafte Erfahrung inszenieren. Woo, der zuvor mit stilisierten Actionfilmen aus Hongkong Weltruhm erlangte, überträgt hier seine Handschrift auf ein Kapitel des Zweiten Weltkriegs und lässt krachen. Heraus kommt ein Film, der zwischen brachialer Action, Pathos und menschlicher Tragik pendelt. Im Zentrum steht Nicolas Cage als Sergeant Joe Enders, ein Soldat, der vom Krieg gezeichnet ist. Cage spielt ihn nicht als klassischen Helden, sondern als Mann mit Rissen in der Seele, einen Überlebenden, dessen Blick bereits zu viel gesehen hat. Sein Auftrag ist ebenso einfach wie nun ja, grausam: Er soll den Navajo-Soldaten Ben Yahzee beschützen, klasse gespielt von Adam Beach. Doch der Befehl hat eine dunkle Kehrseite. Sollte der Code in Gefahr geraten, muss Enders dafür sorgen, dass er nicht in feindliche Hände fällt – notfalls um jeden Preis. Dieser Code, der auf der Sprache der Navajo basiert, gehört zu den faszinierendsten Kapiteln des Krieges. Die sogenannten Navajo Code Talkers entwickelten ein Kommunikationssystem, das von den japanischen Streitkräften nie entschlüsselt wurde. In den Schlachten des Pazifiks erwies sich dieser Code als entscheidender Vorteil für die amerikanischen Truppen. Woo nutzt diese historische Grundlage als emotionales Rückgrat seines Films. Visuell ist Windtalkers eine Explosion aus Schlamm, Rauch und Feuer. Die Kamera stürzt sich in die Schlachtfelder, „Granaten zerreißen die Japanische Trilogie, oft triffts 3 Japaner, als Boni kann man mal mitzählen,“ - Maschinengewehre rattern. Bämm-Blast und das ziemlich durchgehend. Woo will das Schlachtfeld nicht nüchtern dokumentieren. Er stilisiert es. Eskaliert. Die Gewalt wird zu einem düsteren Ballett aus Staub, Blut und Zeitlupe. Windtalkers hat eine visuelle Wucht und eine Intensität der Gefechte, dass es einem manchmal zu viel werden kann. Die spektakuläre Inszenierung ist der Kracher, einer von Woos besten Filmen (okay, er hat Filme viele Gute) doch die historische Perspektive der Coder hätte mehr im Mittelpunkt stehen können. Zwischendurch blitzen immer wieder leise Momente auf: Kameradschaft, Angst, Hoffnungslosigkeit. Genau dort liegt für mich die emotionale Substanz des Films. Windtalkers ist ein typischer John-Woo-Film, laut, pathetisch und philosophisch. Er ist einfach ein Perfektionist und Meister seines Fachs. Und in dieser krassen visuellen und erzählerischen Übertreibung entfaltet der Film seine Wirkung. Ein Kriegsfilm, dessen Echo noch lange nachhallt. Ein John Woo Film.